Entscheidung über Wiener U5 steht bevor

13. Jänner 2014, 18:36
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In den kommenden Wochen soll bekanntgegeben werden, ob eine von der SP favorisierte U5-Rumpflinie gebaut wird. Davor sind noch intensive Gespräche mit dem Bund nötig. Verkehrsexperten plädieren hingegen für einen Ausbau der Schnell- und Straßenbahnen

Wien - Seit Jahrzehnten geistert der Bau einer U-Bahn-Linie U5 in Wien herum. Das Projekt in den verschiedensten Modellen wurde aufgrund der zu erwartenden hohen Kosten oder anderer Verkehrsschwerpunkte in der Stadt immer wieder hintangestellt. Nach STANDARD-Informationen soll eine Entscheidung für oder gegen die U5 aber in den kommenden Wochen bevorstehen.

Der zuletzt kolportierte Entwurf sah einen Streckenverlauf von der U6-Station Alser Straße innerhalb des Gürtels zum Rathaus und von dort bis zum Karlsplatz vor. Von der Station Rathaus übernimmt die U5 die Linienführung der U2. Letztere wiederum soll zeitgleich ab Rathaus mit den neuen Stationen Neubaugasse, Pilgramgasse und Bacherplatz zum Matzleinsdorfer Platz ausgebaut werden. In einer weiteren Ausbaustufe soll die U5 dann nach Hernals beziehungsweise im Süden via Rennweg, St. Marx und Arsenal zur Gudrunstraße führen.

Keine U5 in der aktuellen Ausbaustufe

Das Problem dabei: In der mit dem Bund bereits fixierten vierten Ausbaustufe der U-Bahn, die bis 2019 läuft, ist keine Rede von einer U5. Vertraglich vereinbart ist neben dem bereits vollendeten U2-Ausbau in die Seestadt Aspern und dem laufenden U1-Ausbau nach Oberlaa eine Verlängerung der U2 in Richtung Süden. Für diesen Ausbau gilt auch die Kostenteilung zwischen Bund und Stadt.

Um diese Vereinbarung auf das U5/U2-Projekt umzuschichten, ist also auch noch die Zustimmung des Bundes nötig. Das U5/U2-Liniennetz dürfte aber wohl mehr kosten als die vereinbarten Gesamtkosten von rund einer Milliarde Euro für die ursprünglich geplante Linienführung. Intensive Gespräche über die von Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) favorisierte Lösung laufen.

Kapazitätsgrenzen

Die Zeit für eine Entscheidung drängt: Wien wächst pro Jahr um rund 25.000 Menschen, der öffentliche Verkehr wird zunehmen. Schon jetzt stoßen Straßen- und U-Bahn-Linien wie die U6 in Hauptverkehrszeiten an ihre Kapazitätsgrenzen. Auf der diesbezüglich geplagten Linie U6 sollen noch heuer fünf neue Züge Intervalle von 2,5 Minuten ermöglichen. Eine intensivere Taktung ist aufgrund der Bauart der teils oberirdisch geführten Bahn aber nicht mehr möglich. Der Bau der U5 soll Entlastung bringen.

Verkehrsexperten kritisieren hingegen, dass in Zeiten knapp bemessener Budgets auf ein milliardenschweres U-Bahn-Projekt gesetzt wird. "Die U5 ist in der ersten Ausbaustufe völlig ineffizient", sagt Verkehrsplaner Harald Frey von der Technischen Universität (TU) Wien dem Standard. "Es gibt kostengünstigere Alternativen, die verkehrswirksamer sind."

Wenn sich die Stadtregierung zum U5-Bau entschließe, würde das bis zur Fertigstellung ab etwa 2025 nur geringfügig das steigende Verkehrsaufkommen ändern. Für weitaus billigere Straßenbahnkonzepte sei in der Zwischenzeit aber kein Geld zur Verfügung. Frey: "Die Stadt braucht schnelle Verkehrslösungen."

Attraktivierung der S-Bahn

Frey beruft sich auf Erkenntnisse einer Expertengruppe zum Wiener Öffi-Netz, die die Attraktivierung der S-Bahn sowie den Ausbau von Straßenbahnen als höchste Priorität nennt. Vier Straßenbahnlinien könnten nach erfolgten Machbarkeitsstudien sofort verlängert oder neu gebaut werden. Das größte Projekt, die Straßenbahnverbindung (4,3 Kilometer) von der Philadelphiabrücke (U6) via Wienerberg zum Alten Landgut (geplante neue Station U1), kostet 100 Millionen Euro und wäre ab 2017 verkehrswirksam. Zum Vergleich: Ein Kilometer U-Bahn im Tunnelbau kostet 200 Millionen Euro.

Gegen den Bau der U5 ist nichts einzuwenden, sagt Frey. "In Zeiten eines Sparkurses muss ich das aber hinterfragen. Der Oberflächenverkehr darf nicht vernachlässigt werden. Das steht schon im Masterplan Verkehr 2003 drin." (David Krutzler, DER STANDARD, 14.1.2014)

  • Eine mögliche U5 wäre erst ab 2025 verkehrswirksam. 
    foto: cremer

    Eine mögliche U5 wäre erst ab 2025 verkehrswirksam. 

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