Zwei Wiener bringen Firmen und Lasten aufs Rad

  • Derzeit sind zwei mit dem Merkur-Logo gebrandete Lastenräder sechs Tage die Woche im Einsatz...
    vergrößern 500x334
    foto: rewe international ag / helga nissler

    Derzeit sind zwei mit dem Merkur-Logo gebrandete Lastenräder sechs Tage die Woche im Einsatz...

  • ... sowie vier Hotel Kempinsky-Bikes, mit denen die Hotelgäste Wien radelnd erkunden können. .
    vergrößern 500x333
    foto: goodville

    ... sowie vier Hotel Kempinsky-Bikes, mit denen die Hotelgäste Wien radelnd erkunden können. .

  • Das Goodville-Team: Beate Hauser (rechts), Florian Pollack und Katja Hebenstreit (ehemaliges Gründungsmitglied).
    vergrößern 500x400
    foto: marcus werres fotografie

    Das Goodville-Team: Beate Hauser (rechts), Florian Pollack und Katja Hebenstreit (ehemaliges Gründungsmitglied).

"Goodville" macht Unternehmen Fahrrad-fit - Zeitersparnis, Verlässlichkeit und Umweltfreundlichkeit sind die stärksten Argumente dafür

Die Gäste des Hotels Kempinski radeln den Wiener Ring entlang. Fahrradboten liefern Lebensmittel vom Merkur am Hohen Markt an die Kunden aus. Lastenräder karren Waschmaschinen und Kühlschränke durch die Stadt. Kisten mit Wein, Gläser mit Suppe, Kartons mit Backwaren, Briefe und Pakete – all das und noch viel mehr gelangt heute bereits per Fahrrad zu den Abnehmern.

Und es soll noch viel mehr auf zwei Rädern durch die Stadt gekarrt werden, geht es nach den Firmengründern von "Goodville". Die  passionierten Radfahrer wollen Wiener Unternehmen von den Vorteilen des Radfahrens überzeugen und bieten ein Gesamtpaket rund ums berufliche Radfahren in der Stadt. Diejenigen, die es nutzen, brauchen nur noch in die Pedale treten. In Goodville, der
"Guten Stadt", werden nämlich Mobilitätskonzepte entwickelt, die speziell auf das Zweirad ausgerichtet sind.

"Riesen-Thema in der Stadt"

Hinter dem kleinen Unternehmen stehen Beate Hauser und Florian Pollack. Hauser kommt aus dem Marketing und Kommunikationsmanagement, verfügt als studierte Geografin über einen stadtplanerischen Hintergrund und fährt Wettkämpfe mit dem Mountainbike. Pollack hat als Jurist fünf Jahre lang Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit beraten.

Vor einem Jahr lernten sich die zwei kennen und entdeckten einen gemeinsamen Nenner: das Fahrrad als "Riesen-Thema in der Stadt". Nur ein halbes Jahr dauerte es bis zur Gründung von Goodville.

Merkur- und Kempinsky-Räder

Der erste Kunde war das Hotel Kempinsky in der Wiener Innenstadt. Bereits bei der Hoteleröffnung waren vier gebrandete Räder mit von der Partie. Mit ihnen können die Hotelgäste die Stadt radelnd erkunden.

Zweiter Kunde war Merkur am Hohen Markt mit seinem gratis Fahrrad-Lieferservice. Derzeit sind zwei mit dem Merkur-Logo gebrandete Lastenräder sechs Tage die Woche in den Bezirken eins bis neun sowie 20 im Einsatz. Die gesamte Organisation läuft über Goodville: von der Anschaffung der Räder über das Branding bis zur Wartung. Auch die Fahrer sind über das kleine Unternehmen angestellt.

Hundert Prozent brauchen eine Radabstellanlage

Hauser und Pollack gehen aktiv auf die Unternehmen zu. "Wir fahren mit offenen Augen durch die Stadt, sehen eine Firma, für die das Fahrrad attraktiv sein könnte und sprechen die Verantwortlichen an." Das können Konzerne sein, ebenso wie drei Personen-Unternehmen.

Goodville kümmert sich um gebrandete Fahrräder, Lastenräder, Fahrradflotten für Mitarbeiter und Kunden, Abstellanlagen und Duschen. Mit internen Umfragen werden Wünsche und Bedürfnisse ermittelt: "Zum Beispiel braucht kaum jemand, der mit dem Rad in die Arbeit fährt, eine Dusche, aber hundert Prozent brauchen eine Radabstellanlage", sprechen die Unternehmer aus Erfahrung.

Auch was betriebliche Gesundheitsvorsorge, Förderungen und Steuervergünstigungen betrifft, steht man beratend zur Seite und passt automatisierte Tools an die jeweilige Firma an. 

Weniger Krankenstandstage

Das System erfasst, wie viele Kilometer die Mitarbeiter radeln, wie viel weniger CO2 im Vergleich zum Auto produziert werden und inwieweit sich das Radeln auf die Gesundheit auswirkt. "Eine Folge des regelmäßigen Radelns sind auf jeden Fall weniger Krankenstandstage", beziehen sich die zwei Unternehmer auf aktuelle Studien. Die Zusammenhänge zwischen Radfahren und Wohlbefinden seien gut erforscht.

Delivery ist für Hauser und Pollack ein Thema der Gegenwart - und noch mehr der Zukunft. Das Fahrrad definieren sie als die schnellste, günstigste und einfachste Art, Dinge in der Stadt zu transportieren. Darüber hinaus fallen Branded Bikes im Stadtbild auf. "Unternehmer, die eine große Hürde gegenüber dem Fahrrad haben, können so aufs Rad gebracht werden", sind sich die beiden einig.

Selbstverständnis des Stadtradelns

Auch in Sachen Mulitmobilität – der Kombination von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln - werden die Unternehmen fit gemacht. "Es bringt zum Beispiel viel, zu einem Termin mit dem Fahrrad und der U2 in die Seestadt Aspern zu fahren, anstatt mit dem Auto", sagen die Gründer. Vorausgesetzt man hält sich an die vorgegebenen Mitnahmezeiten.

Goodville ist in keiner bestimmten Fahrrad-"Szene" angesiedelt. Die Unternehmer greifen auch auf das Know how anderer Radexperten zu, tauschen sich mit den Heavy Pedals, von denen sie die Lastenräder beziehen, ebenso aus wie mit der Stadt Wien. "Es ist eine gute Zeit, um in Wien was fürs Fahrrad zu machen", wollen sie das Bewusstsein fürs Radfahren stärken. Was auch das Selbstverständnis des Stadtradelns umfasst. 

Smart-E-Bike cooler als der Porsche

Zu diesem tragen auch etliche Personen des öffentlichen Lebens bei, wie der Soziologe Roland Girtler, der Szenefriseur Erich Joham, die Chefin des Kunsthistorischen Museums Sabine Haag oder der Bankmanager Andreas Treichl. Indem sie in die Arbeit und von dieser wieder nach Hause radeln, transportieren sie – sei es bewusst oder unbewusst - eine Botschaft: Alltagsradfahren in der Stadt ist nicht nur machbar, sondern auch attraktiv.

"Vor allem viele Vertriebsleiter finden Radfahren nach wie vor unmöglich", sprechen Hauser und Pollack aus Erfahrung. "Aber wenn ich mit dem Smart-E-Bike gesehen werde, ist das viel cooler als wenn ich mit dem Porsche unterwegs bin". Denn das Fahrrad biete, mindestens ebenso wie der PKW, die Möglichkeit, individuelle Persönlichkeitsmerkmale auszudrücken. Das beginnt mit der Wahl des Rades und endet mit der Kleidung und den Acccessoires.

"Die Auslieferung  mit dem Fahrrad in der Stadt ist grün, schneller und besser planbar als mit einem KFZ", sagen die Goodville-Begründer. "Das Fahrrad kann viel, und die Dinge, die es nicht kann, bieten wir nicht an." (Eva Tinsobin, derStandard.at, 4.2.2014)

Share if you care
Posting 1 bis 25 von 57
1 2
"Aber wenn ich mit dem Smart-E-Bike gesehen werde, ist das viel cooler als wenn ich mit dem Porsche unterwegs bin"

Wenn er meint ........

Du bist halt noch nicht so weit, du steckst noch im Automobilstau fest. :-( Das legt sich auch noch.....:-))))

Die ganzen Hasen kannst gar nicht auf Deinem eBike unterbringen, die Dir da nachrennen!

Goodville??

i glaub i muas speibn

Die ersten Rikscha-Sklaven mit GPS-Fernüberwachung in Österreich.

Wo steht : "entgeltliche Einschaltung" ?
Mehr als die MERKUR Delivery und die vier Kempinsky Bikes gibt es anscheinend nicht.

Ich liebe diese

Narren, die mit ihren 4 m langen und 200 kg schweren Fahrrädern schwankend überfüllte Zebrastreifen befahren, sich nur mühsam stabil halten und alles nieder machen was ihnen im Weg steht. Sie sind die absoluten Könige unter den Fahrrad - Rowdies. Ein wirklich zukunftweisendes Konzept! Wann ist endlich der Fahrrad-Bulldozer serienreif damit man damit in die Kärntnerstraße fahren kann? Wäre eine weitere Sternstunde für die Grünen.

Du meinst wohl alle Narren mit den 1,5 Tonnen Sondermüll die sich jeden Tag durch die City stauen! Ich hätte ja auch gar keine Zeit zum Auto stauen!!! :-((((

Narren, die mit ihren 4 m langen und 200 kg schweren Fahrrädern ...

Wer soll das sein?

Hödlmonster hat sich etwas vertan: er meinte die 4,30m langen 1500 kg schweren stinkenden Automobile, deren Fahrer sich ganz dem Rowdygedanken verschrieben haben und Fußgänger auf dem Zebrastreifen umnieten ...

Schön, aber nicht neues.. Einen Go Botendienst etwa - auch mit Fahrrad - gibt es in Wien seit zwanzig Jahren.

natürlich ist viel marketing dabei, mit dem Lastenrad gibt es das trotzdem nicht seit 20 Jahren, eher vor 100 Jahren ;)

Ich trau mich ja schon fast nicht mehr

mit meinem stinknormalen Citybike fahren, bald wird man von der Velo-Schickeria mit ihren €3K Retro-Bikes dann vom Ringradweg hinuntergemobbt. Radfahren wird anscheinend immer mehr zur Stil-Frage.

Richtig - ich hab so viel Stil, dass ich auf den Schmarrn verzichte ;)

du hast doch erst neulich damit angegeben dass du

an der ampel zfleiss bis ganz an den randstein fahrst, damit sich ja kein radfahrer durchzwicken kann.
wenn du jetzt anfangst dich über eine inexistente "velo-schickeria" aufzupudeln ist das unglaubwürdig und kindisch.
ich glaub dir ja nicht einmal dass du überhaupt rad fährst.

You have to be realistic about these things, Logen.

"gebrandete" Räder ????

Was es nicht alles gibt!

Eine gute Sache...

...aber diese Ungetümer von gebrandeten, überdimensionieren "Luxus"rädern sind sowas von unpraktisch und kraftaufwendig zu fahren, da lob ich mir ein stinknormales, günstiges Renn- oder Citybike. Wir haben auch so ein Firmenfahrrad und niemand nutzt es weil es zu unpraktisch ist.

Aber da sieht man wieder wie manche Leute auf Image eingeschossen sind, es zählt mehr Schein als Sein, so wie beim Auto, das man wie ein Schneckenhaus herzeigt um seinen selbst empfundenen sozialen Status untermauern zu wollen.

Ja, und das stinknormale Rad wird nicht von Profis gestohlen. Mein Rad, mit dem ich in die Stadt fahre, ist ein altes Rad, so Baujahr 1070, aber technisch hochgerüstet und picobello intakt. Weil es niemand haben will, brauche ich es nur mit dem billigsten Schloß gegen Ingebrauchnahme durch Penner etc. zu sichern.

Mein uraltes Fahrrad

das ich für Fahrten vom Bahnhof in die Arbeit benutze, ist mir in Floridsdorf letzte Woche gestohlen worden. War ohne Schaltung, ohne Licht, häßlich...

das tut mir leid für Sie, leider gibt es asoziale Zeitgenossen, die den Unterschied zwischen Mein und Dein zu ihrem Vorteil ignorieren. War das Rad abgesperrt? Wenn nicht, ist das schon klar, ... ich brauche ein Rad, da steht eines, es bringt mich ans Ziel, und dort stelle ich es wieder ab (bzw. haue es hin). Ob es modern ist oder nicht ist da kein Entscheidungskriterium.

Ein fast 1000 Jahre

altes Rad müsste aber auch schon ganz schön wertvoll sein.

ja, das nutze ich dann nicht mehr sondern verkaufe es.
Aber "wertvoll" sind nur gut erhaltene Räder im Originalzustand. Den brauche ich aber nicht. Z.B. habe ich einen modernen Vorbau, eine ALU-Sechskant-Tretkurbel und keine Pedalkeile, sowie auch ALU-Felgen. Aber nur soviele Gänge, wie in den Rahmen gepasst haben, hinten nur 6 (nicht 10, wie bei den modernen), vorher waren es nur 5.

Merkur am Hohen Markt !

Merkurs "Bike-Service" ist für mich ein wahre Segen, da ich im 4en Stock ohne Aufzug wohne und nicht mehr 20ig bin - ich bin darüber SEHR GLÜCKLICH !!!

Bring mir eine Kiste Bier!

Posting 1 bis 25 von 57
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.