Papst: Abtreibung als Teil der Wegwerfgesellschaft

13. Jänner 2014, 19:29
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Franziskus verurteilt erstmals Schwangerschaftsabbruch - "Menschen wie Lebensmittel verschwendet"

Vatikanstadt - Papst Franziskus hat am Montag bei einem Treffen mit dem beim Heiligen Stuhl akkreditierten Diplomatischen Corps Abtreibung, Ausbeutung von Kindersoldaten und Menschenhandel verurteilt: "Auch nur der Gedanke, dass Kinder nie das Licht sehen werden, weil sie Opfer der Abtreibung sind, weckt Horror", sagte der Papst. Laut dem Nachrichtenportal Spiegel Online soll das Kirchenoberhaupt den Schwangerschaftsabbruch als Beweis der heutigen "Wegwerfkultur" bezeichnet haben, bei der "Menschen ebenso verschwendet werden wie Lebensmittel".

Es ist das erste Mal, dass sich Papst Franziskus so deutlich in der Frage der Abtreibung positioniert, konservative Kräfte haben dies schon lange gefordert. Noch im September 2013 hatte Franziskus in der Kirchenzeitung La Civiltá Cattolica gefordert, die katholische Kirche müsse ihre Besessenheit im Bereich Abtreibung und Homosexualität ablegen.

In seiner Rede am Montag verurteilte er auch den Einsatz von Kindern als Soldaten. Menschenhandel bezeichnete der Papst als "schreckliche Form von modernem Sklaventum" und "Delikt gegen die Menschheit".

Er erzählte vor den DiplomatInnen auch von seinem Besuch auf der Insel Lampedusa im Juli des Vorjahres, die weiterhin mit einer Migrationswelle aus Nordafrika konfrontiert ist. Franziskus rief die ItalienerInnen auf, ihren "lobenswerten Einsatz für die Schwachen" fortzusetzen.

Für Flüchtlinge aus Syrien forderte er Respekt. "Man kann nicht akzeptieren, dass die Zivilbevölkerung, vor allem Kinder, angegriffen werden", erklärte er und plädierte für sofortige Hilfe für die Menschen im Bürgerkriegsland.

Am 22. Februar will er 19 neue Kardinäle berufen. Die neuen Papstwähler kommen mehrheitlich aus Schwellenländern, darunter Brasilien, Burkina Faso und den Philippinen. (APA, red, DER STANDARD, 14.1.2014)

  • Konservative KatholikInnen fordern schon lange eine klare Position von Papst Franziskus - jetzt hat er sie bezogen.
    foto: reuters

    Konservative KatholikInnen fordern schon lange eine klare Position von Papst Franziskus - jetzt hat er sie bezogen.

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