Handball im Sog der Harmonie

13. Jänner 2014, 19:04
36 Postings

Dass Österreich die Hauptrunde der Handball-EM anpeilt, liegt auch an Robert Weber. Gegen favorisierte Dänen will der Topscorer wieder in die Trickkiste greifen

Robert Weber ist über Nacht quasi zum zweiten Mal Vater geworden. Beim EM-Auftakt gegen Tschechien am Sonntagabend war Österreichs Rechtsaußen der Vater des klaren 30:20-Erfolgs. Mit sieben Toren war er bester Werfer seines Teams und der gesamten Partie, drei davon fielen aus Siebenmetern. Einen zwei Monate alten Sohn Lio hat Weber bereits.

Weber ist kein Brecher, sein Repertoire an Würfen ist dafür reichhaltig. Was wichtig ist bei Siebenmetern. "Manchmal wuzle ich den Ball am Tormann vorbei, manchmal lege ich ihn mit Drall oben drüber. Die Torleute studieren mich auch auf Video, meine Hebel sind außerdem nicht die längsten. Du musst eben trickreich sein", sagt der 28-Jährige.

Hirn und Weber

Österreichs Wunschkonzert hat stattgefunden, nach dem Traumstart ist die Hauptrunde zum Greifen nahe. Ein Handballspiel dauert dennoch 60 Minuten. "Gegen Tschechien hätte es aber auch fünf Stunden dauern können, und wir hätten nicht verlieren können. Wir waren in einem Sog."

Ohne Hirn der Mannschaft (Viktor Szilagyi) läuft bei Österreich fast nichts, ohne Robert Weber auch nicht viel. Seit vier Jahren spielt er in der deutschen Handballliga, die als beste der Welt gilt. Seit drei Jahren ist er bei Magdeburg, verpasste dort vergangene Saison nur knapp den Liga-Torschützenkönig. Und er fühlt sich sehr wohl. "Magdeburg ist etwa so groß wie Innsbruck, aber hier kennt jeder Handball. Und jeder kennt mich. Die Begeisterung ist gewaltig, das ist kein Showpublikum. In Salzburg wäre ich den Menschen völlig wurscht", sagt Weber.

Zwischen Handball-Biotopen

In seiner Vorarlberger Heimat, Weber lernte bei Hard, sei es ähnlich wie in Magdeburg gewesen. Seine Karriere tingelte in puncto Popularität also zwischen zwei Handball-Biotopen. "Ich bin zufrieden mit meinem Leben, das ist doch das Wichtigste."

Augenscheinlich ist die Kameradschaft im Nationalteam. Es grenzt schon fast an Harmoniesucht, wie sehr die Spieler einander herzen. Es gibt dennoch eine klare Hierarchie, der Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. "Eigentlich kannst du als Profi nicht mit allen super befreundet sein, hier ist das aber der Fall. Die Jungen sind alle in Ordnung. Es ist niemand dabei, dem ich gerne mal eine Watsche geben würde." Weber ist handballuntypisch kein Kleiderschrank, als Rechtsaußen braucht er schwere Muskelpakete aber nicht unbedingt. Er muss sich um die Verteidiger winden, bei Gegenstößen ist er meist als Erster blitzschnell vorn.

Wenn Barcelona anruft

Die großen Titel hat er noch nicht abgeräumt, ein Megatransfer in seinem Sportleralter sei, so Weber, eher unwahrscheinlich. "Über einen Anruf meines Traumvereins Barcelona würde ich mich aber freuen." Auf die Frühpension kann sich Robert Weber nach seiner Karriere natürlich nicht einstellen, will er auch nicht. Sein Fernstudium an der Uni Düsseldorf im Bereich Sportmarketing sollte noch dieses Jahr erfolgreich abgeschlossen werden.

Als nächste Aufgabe warten jetzt einmal am Dienstag die Dänen (20.30 Uhr, ORF Sport Plus). Die haben mit Niklas Landin einen Mann im Tor, der seine Hütte förmlich zunagelt. "Er ist im Moment der beste Tormann der Welt. Der kann dir den Zahn ziehen."

Für Österreich ist das Spiel gegen Gastgeber Dänemark natürlich nicht wurscht, eine Niederlage wäre aber kein Beinbruch. Sollte Tschechien gegen Mazedonien erneut verlieren, wäre die Hauptrunde schon vor dem abschließenden Duell mit Mazedonien am Donnerstag so gut wie fix. (Florian Vetter aus Herning, DER STANDARD, 14.01.2013)

  • Weber schätzt die Kameradschaft im Nationalteam.
    foto: epa/bagger

    Weber schätzt die Kameradschaft im Nationalteam.

  • Reif für den Zirkus: Robert Weber erzielte vergangene Saison für Magdeburg das Tor des Jahres in der deutschen Handball-Liga.

Share if you care.