Jenseits der Porno-Frust-Matrix

13. Jänner 2014, 18:19
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"more than naked" der Wiener Choreografin Doris Uhlich läuft am Mittwoch im Wuk an

Wenn die Wiener Choreografin Doris Uhlich more than naked ruft, dann könnte es recht voll werden im Saal des Werkstätten- und Kulturhauses Wuk. Gut also, dass das Stück erst morgen, Mittwoch, anläuft. Schon heute Karten zu reservieren wäre ratsam. Warum der zu erwartende Ansturm? Etwa weil da 20 Frauen und Männer in Eva- und Adamskostümen auftreten, was jedem Voyeur die Augen aus den Höhlen treten lassen könnte? Vielleicht. Aber vor allem, weil diese Arbeit – in der Uraufführung bei Impulstanz 2013 – ein echter Erfolg ist: als ein Funke für eine neue Körperbefreiungsbewegung. Keine Sekunde lang kommt bei more than naked Pornostimmung auf. Weder wird darauf hingearbeitet, das Publikum sexuell anzutörnen, noch wird versucht, die Erotik des menschlichen Körpers mieszumachen. Denn Uhlich und ihren Tänzern gelingt es, einen Ablauf von Momenten zu schaffen, in denen die kapitalistische Spekulation mit Blößen für Bares genauso blamiert wird wie krampfige Correctness.

Fleisch und Haut geraten in Bewegung. Dieses Zueinander von ganz unterschiedlichen Körpertypen kann lustig oder trotzig daherkommen. Es kann akrobatische Qualitäten entwickeln oder eben auch auf ganz verschiedene Arten sexy werden. Doris Uhlich packt hier das an, was man als Körperpolitik bezeichnen kann. Sie zeigt (bis 18. Jänner), dass es außerhalb der kommerziell-korrekten Porno-Frust-Matrix noch eine Welt gibt, in der ungeahnte Lebensqualitäten warten. (ploe, DER STANDARD, 14.1.2014)

15.–18. 1., 20.00

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