Myelodysplastisches Syndrom: Störung im Knochenmark

14. Jänner 2014, 11:32
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Das Myelodysplastische Syndrom (MDS) ist eine seltene Erkrankung, die bei älteren Menschen oft viel zu spät diagnostiziert wird

Ohne gesundes Knochenmark - keine gesunde Blutbildung. Doch können Müdigkeit, Leistungsabfall und Kraftlosigkeit auch auf ganz andere, seltene Erkrankungen hindeuten: auf Myelodysplastische Syndrome (MDS). Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Gruppe von bösartigen Erkrankungen des Knochenmarks.

Lange unentdeckt

Bei MDS-Patienten erfolgt die Blutbildung durch genetisch veränderte Stammzellen, die nicht in der Lage sind, reife und funktionstüchtige Blutzellen zu bilden. Die Zahl der roten Blutkörperchen, für den Sauerstofftransport verantwortlich, sinkt drastisch, aber auch die Anzahl der Thrombozyten, für die Blutgerinnung von Bedeutung, und die Anzahl der weißen Blutkörperchen, für die Immunabwehr wichtig, nimmt ab.

Die Folge: Blutungen und Infektionen können sich zu den anämischen Problemen dazugesellen. Und bei einem Viertel der Patienten führt die Erkrankung zu akuter myeloischer Leukämie (AML).

Da Beschwerden bei MDS meist nicht eindeutig sind, steht die Behandlung der Symptome vorerst im Vordergrund, eine exakte Diagnose erfolgt oft erst sehr spät. Rund 50 Prozent der MDS-Erkrankungen werden nur zufällig bei Routineuntersuchungen des Blutes festgestellt. Zur sicheren Diagnose werden Blut und Knochenmarkszellen untersucht.

Zwei Risikostufen

Dann erfolgt eine grobe Einteilung. Der Internist Michael Pfeilstöcker vom Wiener Hanusch-Krankenhaus, Leiter der MDS-Plattform der österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und internistische Onkologie, sagt: "Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem Niedrigrisiko-MDS und einem Hochrisiko-MDS. Die Behandlung richtet sich nach der Biologie der Erkrankung und nach patientenspezifischen Faktoren wie Begleiterkrankungen und Allgemeinzustand."

Bei Patienten mit Niedrigrisiko-MDS steht die Verbesserung der Lebensqualität im Vordergrund. Unterstützende Maßnahmen mit Medikamenten zur Stabilisierung des Blutbilds, Blutkonserven sowie der Einsatz von Blutwachstumsfaktoren stehen im Vordergrund.

"Das Ziel der Therapie von Hochrisiko-MDS-Patienten ist eine Verlängerung des Überlebens sowie eine Verhinderung eines Überganges in die AML." Eingesetzt würden Medikamente sowie Chemotherapie. "Allerdings sprechen MDS-Patienten weniger gut auf eine Chemotherapie an, für viele ist eine solche aufgrund des Alters und des Allgemeinzustandes nicht geeignet", ernüchtert der Mediziner.

Epidemiologie

Chance auf Heilung bietet nur die Knochenmarktransplantation (Stammzelltranspantation). Deren Risiken: Abstoßungsreaktionen und Infektionen. "Daher", bedauert Pfeilstöcker, "kommt diese Therapie nur für jüngere Patienten infrage - doch davon gibt es nur wenige."

MDS tritt meist im höheren Lebensalter ab etwa 65 Jahren auf. In Österreich gibt es jährlich rund 400 Neuerkrankungen. Die Ursachen sind weitgehend unbekannt. Das Überleben hängt vom Risikotyp ab, kann im besten Fall viele Jahre betragen, Hochrisiko-MDS hingegen kann unbehandelt nach sechs bis zehn Monaten zum Tod führen. Anlaufstelle für Betroffene ist die MDS-Plattform in der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie und medizinische Onkologie. (fei, DER STANDARD, 14.1.2014)

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  • Chance auf Heilung bietet nur die Knochenmarktransplantation.
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