Hallstatt Nummer zwei oder doch lieber Venedig im Prater?

Glosse13. Jänner 2014, 15:36
23 Postings

Medienberichte über Nachbau von ganzen Städten in China können sich den Spott kaum verkneifen. Dabei ist die realitätsgetreue Imitation eine (österreichische) Tradition

Hallstatt haben sie nachgebaut! Mitten im Reich der Mitte steht jetzt "unser" Wahrzeichen. Nicht einmal nachgefragt haben die Chinesen beim Original-Hallstatt. Aber wie sagt man so schön? Nachahmung ist die höchste Form der Anerkennung.

Aber nicht nur die wichtigste Saline der Welt haben die Chinesen raubkobiert, nein, auch ein kleines Paris steht mittlerweile (leer) in der Volksrepublik. "Die Chinesen sind dafür bekannt, Dinge und sogar Orte, die sie besonders schön finden, nachzubauen", schreiben wir da. Ach, diese Chinesen!

Vergessen ist bei der ganzen Verwunderung über die chinesischen Architekturspitzel der alte westeuropäische Brauch, Städte, Monumente, ja ganze Landschaften (nicht nur im Rahmen der gigantischen Weltausstellungen, beispielsweise) nachzubauen. Der Wiener Prater etwa war um die Zeit der vorletzten Jahrhundertwende ein sprichwörtlich chamäleonischer Ort: Mal wurde dort ein "Venedig in Wien“ samt Kanälen und Gondeln errichten, mal gleich der gesamte Adria-Flair inklusive Hafen und Kreuzfahrtschiff in die Hauptstadt der Monarchie geholt. Für eine Portion Desillusionierung empfiehlt sich da ein Besuch im aufschlussreichen Pratermuseum. Ach, diese Wiener, nicht wahr? (Olja Alvir, daStandard.at, 13.01. 2013)

  • Die Kopie des oberösterreichischen Welterbe-Ortes Hallstatt steht in der südchinesischen Provinz Guangdong.
    foto: apa

    Die Kopie des oberösterreichischen Welterbe-Ortes Hallstatt steht in der südchinesischen Provinz Guangdong.

Share if you care.