Rodman kehrt mit leeren Händen aus Nordkorea zurück

13. Jänner 2014, 14:01
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Bei seiner Rückkehr aus Nordkorea muss der Basketball-Star unangenehme Fragen beantworten

Peking - Auf dem Pekinger Flughafen gerade aus Pjöngjang gelandet, schob sich der schrille Ex-NBA-Star Dennis Rodman mit seinem Gepäckwagen durch einen Pulk von chinesischen und US-Journalisten. Fragen prasselten auf ihn ein. Hat er sich bei seinem Diktatorfreund Kim Jong-un für den November 2012 verhafteten und zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilten US-Missionar Kenneth Bae verwandt? "Es tut mir leid. Da kann ich doch nichts dafür," sagte er sich halb entschuldigend. Als jemand von ihm wissen wollte, ob er sich als Verräter an seinem Land fühle, reagierte er fast hilflos und wirkte, als ob ihm gleich die Tränen kommen: "Ich liebe mein Land Amerika. Ich liebe es. Ich würde es nie für etwas anderes in der Welt eintauschen." Dann sagte er trotzig: Nordkorea sei "ganz erstaunlich" gewesen. Was er gemacht habe "war doch kein schlechter Deal". Er sei "weder ein Präsident, noch ein Botschafter, sondern eine Person" Er sei Dennis Rodman. Er wollte doch nur, dass alle Menschen einmal "nur für einen Tag miteinander auskommen."

Show eines Bedrängten

Chinas Internet zeigte Videoclips von Rodmans Antworten, dem die Reporter bis in den Van folgten. Es war die Show eines Bedrängten, dem seine Begleiter geraten hatten, nur nicht noch mehr Porzellan zu zerschlagen. Denn der 52-Jährige hatte bei seinem jüngsten Nordkoreabesuch, auf den ihn sechs weitere Ex-NBA-Basketballspieler für ein Freundschaftspiel zu Ehren des 31. Geburtstag von Kim am 8. Januar begleiteten, weltweit gleich doppelte negative Schlagzeilen gemacht.

Vergangenen Mittwoch machte er sich zum Hofnarren, als er spontan Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un im Basketballstadion ein "Happy Birthday"-Geburtstagsständchen sang. Vor allem hatte Rodmann zuvor in einem live übertragenen Interview mit CNN den US-Sender wütend beschimpft und attackiert, als ihn der Moderator fragte, ob er sich bei Kim für Bae einsetzen wolle. Der US-Missionar war bei seiner Einreise mit einer Touristengruppe nach Nordkorea plötzlich verhaftet und dann pauschal "regierungsfeindlicher Verbrechen" beschuldigt worden. Auf die CNN-Frage blaffte Rodman wütend zurück: Bae sei für sein Schicksal wohl selbst verantwortlich. Was gehe ihn das an? 

Entschuldigung bei Familie Bae

Rodman löste Entsetzen in seiner Heimat aus. Einen Tag später entschuldigte er sich noch von Nordkorea aus bei der Familie von Bae. Er sei angetrunken gewesen, als er sich so daneben benahm. Die Familie verzieh ihm. Aber Washington nennt die Affäre peinlich und Rodman einen "Clown". Mit seiner "abstoßenden Show" habe er sich vor den Karren der Propaganda eines Unrechtsregimes spannen lassen, das wegen seiner Atomtests und Raketen unter weltweiten Sanktionen steht. Und der einem Machthaber schmeichelt, der jüngst seinen politischen Vormund und Onkel hinrichten ließ.

Missionar Bae, dem es gesundheitlich schlecht gehen soll und von dem seit Wochen keine Bilder mehr veröffentlicht wurden, hat das alles nicht geholfen. Rodman kommt mit leeren Händen zurück. Immer wieder hatte er bei seinen Visiten Kim als einen "Freund fürs Leben" bezeichnet und seine Besuche in Nordkorea als  "Basketball-Diplomatie" gepriesen, die die Fronten zwischen USA und Nordkorea aufweichen solle. Rodmann kam zum vierten Mal innerhalb eines Jahres nach Nordkorea und traf dabei dreimal den Basketballfan Kim und dessen Frau. Im Peking kündigte Rodman nun an, noch im Februar nach Nordkorea zurückzukehren. Kim wolle, dass er die Olympia-Mannschaft für 2016 trainiert, hatte Rodman auf einem seiner Besuche zuvor gesagt. (Johnny Erling, derStandard.at, 13.1.2014)

  • US-Basketballer Dennis Rodman bei seiner Ankunft in Peking.
    foto: reuters/kim kyung-hoon

    US-Basketballer Dennis Rodman bei seiner Ankunft in Peking.

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