Ernst-Fehrer-Preis für Hochwasserforscherin Magdalena Rogger

13. Jänner 2014, 15:10
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Anerkennung für detaillierte Analyse von Hochwasserentstehungsprozessen

Wien - Kein Hochwasserschutz ist so solide, dass er für alle Zeiten jeder Überflutung standhalten wird. Man kann aber Schutzmaßnahmen so anlegen, dass es nur noch in ganz besonderen Ausnahmefällen zu Schäden kommt. Die TU-Wien-Forscherin Magdalena Rogger unterzog die Hochwasserdynamik verschiedener Regionen in Tirol einer umfassenden Analyse, um neue Erkenntnisse für den Hochwasserschutz zu gewinnen. Für ihre Dissertation erhält sie am 15. Jänner 2013 den mit 7.500 Euro dotierten Ernst-Fehrer-Preis der TU Wien.

Jahrhunderhochwasser im Fokus

Als Jahrhunderthochwasser bezeichnet man extreme Hochwasserereignisse, wie sie im statistischen Durchschnitt nur alle hundert Jahre auftreten. Solche Ereignisse spielen für den Hochwasserschutz eine wichtige Rolle, weil sie Daten für die Identifizierung von Risikoflächen und für die Dimensionierung von Schutzmaßnahmen liefern. "Um ein Jahrhunderthochwasser abzuschätzen, gibt es ganz unterschiedliche Methoden", erklärt Rogger. Oft werden statistische Extrapolationen verwendet: Man listet die Hochwasser der letzten Jahre auf und versucht, aus der Häufigkeit kleinerer Hochwasserereignisse auf die Häufigkeit schwerwiegender Ereignisse zu schließen.

Eine ganz andere Methode ist, von der Regenmenge auszugehen: Mit einem mathematischen Modell kann man versuchen, aus einem Jahrhundert-Niederschlag das Ausmaß des dazugehörigen Jahrhunderthochwassers zu berechnen. Beide Herangehensweisen liefern jedoch oft völlig unterschiedliche Ergebnisse. Um zuverlässigere Abschätzungen machen zu können, müssen daher weitere Faktoren in die Prognose miteinbezogen werden.

Abflussprozesse berechnet

Aus diesem Grund hat Magdalena Rogger zehn Regionen in Tirol ausgewählt und genau analysiert. "Der Bodentyp, die Vegetation, die Landnutzung – all das wurde erhoben und floss in die Berechnungen mit ein", so Rogger. "Besonders wichtig war die Zusammenarbeit mit einem Hydrogeologen, der uns Daten über die Speicherfähigkeit der Böden zur Verfügung gestellt hat." Ob es sich um felsigen Untergrund oder tiefe Böden handelt, macht für die Hochwasserdynamik natürlich einen entscheidenden Unterschied.

Mit einem detaillierten Computermodell wurden dann die Abflussprozesse in den verschiedenen Gebieten nachgerechnet. Die Ergebnisse zeigen, dass die schwersten Niederschläge nicht notwendigerweise zu den größten Hochwasserkatastrophen führen. Die Speicherfähigkeit des Gebietes und die Feuchtigkeit der Böden zu Beginn eines Regenereignisses spielen ebenfalls eine wichtige Rolle.

Bei dauerhaften Niederschlägen kann es zu Schwellenwertphänomenen kommen: Lange Zeit wird das Wasser aufgenommen, doch irgendwann sind selbst tiefe Böden gesättigt, und dann ergießen sich die Wassermassen ungebremst ins Tal. Solche Prozesse können für die Abschätzung eines Jahrhunderthochwassers eine wichtige Rolle spielen, werden aber bei einer rein statistischen Abschätzung des Wertes aus wenigen Hochwasserdaten oft nicht berücksichtigt, so Rogger. Die Forscherin arbeitet nun im Team von Günter Blöschl, der einen ERC-Grant für Hochwasserforschung zuerkannt bekam und das Doktoratskolleg „Water Resource Systems" der TU Wien leitet, an weiteren Projekten. (red, derStandard.at, 13.1.2014)


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Institut für Wasserbau und Ingenieurhydrologie TU Wien

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