Wiener Stadthallenbad: Alle Becken sind dicht

13. Jänner 2014, 12:35
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Sie wurden seit Oktober stufenweise wieder befüllt - Eigentlich hätte das Bad vor mehr als zwei Jahren wiedereröffnet werden sollen

Wien - Die Becken im Wiener Stadthallenbad sind dicht. Das hat die technische Überprüfung der zwei derzeit nicht in Betrieb befindlichen Bassins ergeben. Wie ein Sprecher der Wien-Holding mitteilte, ist auch im Umwälzbetrieb kein Wasser ausgetreten. Die Becken wurden seit vergangenem Oktober stufenweise befüllt.

Die vom Architekten Roland Rainer Anfang der 1970er-Jahre errichtete Sport- und Freizeiteinrichtung hätte nach der Sanierung wieder öffnen sollen. Allerdings musste aufgrund erheblicher Baumängel ein Baustopp verhängt werden. Lediglich das Trainingsbecken ist seit Ende September 2013 wieder in Betrieb.

Ursprünglich sollte das Wiener Stadthallenbad im Herbst 2011 wiedereröffnen. Mehr als zwei Jahre später ist die Sportstätte - mit Ausnahme des Trainingsbereichs - immer noch eine Baustelle. Die Generalsanierung geriet nämlich nicht zuletzt wegen undichter Becken zum veritablen Debakel und hat mittlerweile ein gerichtliches Nachspiel mit einem Streitwert in Millionenhöhe. 

Kein Eröffnungstermin

Auch wenn die restlichen Schwimmbäder, darunter das große Hauptbecken, wieder dicht sind - einen Termin, wann das Stadthallenbad wieder aufsperren könnte, gibt es noch nicht. Laut Wien-Holding wird nämlich jetzt noch an der Bäderhygiene gearbeitet. Das wird einige Wochen dauern.

Auch über die Feiertage sind die Arbeiten im Wiener Stadthallenbad auf Hochtouren gelaufen, hieß es in einer Mitteilung der Holding. Vom 16. Dezember bis 3. Jänner fand der letztendlich erfolgreiche Test-Umwälzbetrieb statt. "Nachdem bereits im Jahr 2013 statische Bedenken durch die Untersuchungen im Rahmen der gerichtlichen Beweissicherung ausgeräumt werden konnten und nun auch die Beckendichtheit bestätigt ist, sind zwei von drei zentralen Themenfeldern abgearbeitet", freute man sich bei der Wien-Holding.

Hygiene muss "massiv ergänzt" werden

Die Becken wurden nach Freigabe durch einen Sachverständigen bereits wieder entleert, damit die notwendigen Arbeiten im dritten zentralen Bereich - der Bäderhygiene - erfolgen können. Laut Wien-Holding muss die ursprünglich vom Generalplaner geplante Bäderhygiene-Lösung im Bereich des Hubbodens "massiv ergänzt" werden. Denn sie habe keine optimale Durchströmung des Beckens garantiert, die erforderliche Wasserqualität sei nicht gewährleistet gewesen.

Diese Adaptierungsarbeiten werden voraussichtlich bis in den März hinein dauern, hieß es. Dazu gehört auch eine neuerliche Befüllung des Beckens sowie ein Färbetests zum Nachweis, dass die Durchströmung "ordnungs- und auftragsgemäß" funktioniert. Dann folgt die Behebung der verbleibenden Mängel - etwa im Bereich der Bodenverfliesung. Ein konkreter Eröffnungstermin könne, so wurde betont, erst nach Abschluss der Arbeiten an der Bäderhygiene bekanntgegeben werden. (APA, 13.1.2014)


Eine Chronologie

Mai 2010: Die Arbeiten für die Generalsanierung des 1974 von Roland Rainer erbauten und denkmalgeschützten Stadthallenbads beginnen. Der Komplex soll technisch auf Vordermann gebracht, der Garderoben- und Wellnessbereich erneuert und der Haupteingang verlegt werden. 17 Mio. Euro sind budgetiert. Der Abschluss ist für Herbst 2011 geplant.

Dezember 2011: Sportstadtrat Christian Oxonitsch (SPÖ) kündigt die Wiedereröffnung des Bades für Februar 2012 an. Architekt und Generalplaner Georg Driendl begründet die Verzögerung mit massiven Schäden an den Stahlbetondecken des Gebäudes - eine Folge der jahrzehntelang undichten Wasserbecken, wie er erklärt.

Jänner 2012: Völlig überraschend veranlassen Sportamt, Wien-Holding und Stadthalle wenige Tage vor dem geplanten Eröffnungstermin einen sofortigen Baustopp und leiten eine gerichtliche Beweissicherung ein, um etwaige Fehler des Generalplaners bzw. der ausführenden Firmen zu erheben. Erstmals wird von massiven Schwierigkeiten im Zuge der Sanierung berichtet. Unter anderem gibt es undichte Stellen in den Becken und technische Gebrechen des Hubbodens. Der Eröffnungstermin im Februar ist damit gestorben. Generalplaner Driendl verteidigt sich insofern, als die aufgetretenen Probleme nicht in seinen Aufgabenbereich fielen und daher für ihn nicht vorhersehbar gewesen seien.

Februar 2012: Parallel zur laufenden Prüfung wird der Baustopp zumindest teilweise aufgehoben. In einzelnen Bereichen wird wieder gearbeitet.

Mai 2012: Abgesehen von den undichten Becken treten weitere Baumängel auf. Auch frisch verlegte Fliesen fallen von den Wänden. Hier wird ebenfalls eine Beweissicherung eingeleitet.

September 2012: Eine erste Probebefüllung der Bassins wird durchgeführt. Sie soll Aufschluss in Sachen Dichtheit und Tragfähigkeit geben.

Oktober 2012: Das Kontrollamt zerpflückt den Sanierungsablauf. Im Prüfbericht werden u. a. "grundsätzliche Fehler" bei der Projektvorbereitung (Verzicht auf eingehende Zustandserfassung und -beurteilung) und beim Projektmanagement (unklar definierter Sanierungsumfang) angeführt. Die Oppositionsparteien ÖVP und FPÖ sehen den "Bauskandal" nun amtlich bestätigt.

Dezember 2012: Das Sanierungsdebakel beschert Sportstadtrat Oxonisch (SPÖ) einen Misstrauensantrag der Rathaus-Opposition. Dieser wird von der rot-grünen Mehrheit im Gemeinderat jedoch abgeschmettert.

Jänner 2013: Die Stadthalle gibt bekannt, dass die Beweissicherung in der Endphase sei und bereits "eine Vielzahl von Mängeln in der Planung und Ausführung der damit beauftragten Firmen" festgestellt worden seien. Außerdem hat man sich inzwischen von Generalplaner Driendl getrennt. Als Zieltermin für den Sanierungsabschluss wird nun Ende 2013 genannt.

Juni 2013: Das Sanierungsdebakel hat auch strukturelle Folgen. Das Stadthallenbad wird organisatorisch aus der Stadthalle herausgelöst und nun als eigene Kapitalgesellschaft geführt, die zu 100 Prozent der Wien-Holding gehört. Die bisherige kaufmännische Stadthallen-Geschäftsführerin Sandra Hofmann wird Chefin der neu gegründeten GmbH.

September 2013: Das Stadthallenbad wird teilweise wiedereröffnet. Dank erfolgreicher Dichtheitsprüfung kann ab Ende September im Trainingsbecken wieder geschwommen werden. Für herkömmliche Badegäste bleibt die Anlage weiter geschlossen. Eine mehrwöchige Probebefüllung des Hauptbeckens wird in Aussicht gestellt. Selbst wenn alles glattläuft, könne das Bad frühestens im Sommer 2014 wieder in Vollbetrieb gehen, heißt es.

Dezember 2013: Die Causa wird endgültig zum Fall für das Gericht. Die Stadthalle klagt Driendl auf 5,6 Mio. Euro wegen Planungsfehler und nicht erbrachter Leistungen. Dieser hat zuvor seinerseits 800.000 Euro an ausstehenden Honoraren von der Stadthalle gefordert. Der Ex-Generalplaner verteidigt sich und sieht die entstandene Misere nicht in seinem Verantwortungsbereich.

13. Jänner 2014: Die Wien-Holding gibt bekannt, dass nun sämtliche Becken - also auch das große Hauptbecken - dicht sind. In den nächsten Wochen sind noch Arbeiten in Sachen Bäderhygiene notwendig, die bis März dauern werden. Danach müssen noch Mängel im Bereich der Bodenverfliesungen behoben werden. Einen konkreten Eröffnungstermin gibt es weiterhin nicht. (APA)

  • Die Becken wurden stufenweise befüllt und halten.
    foto: apa/eva kelety

    Die Becken wurden stufenweise befüllt und halten.

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