Der Lügenkavalier

13. Jänner 2014, 07:14
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Mozarts "Don Giovanni" an der Wiener Staatsoper

Wien - Es war eine der ersten und - wie sich zeigen sollte - eher riskanten Ideen von Direktor Dominique Meyer, alle drei Da-Ponte-Opern Mozarts durch Regisseur Jean-Louis Martinoty inszenieren zu lassen. Es blieb das Projekt denn auch unvollendet: Nach Figaro und Don Giovanni war Schluss - der Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper, Franz Welser-Möst, wollte mit Martinoty nicht auch noch Così umsetzen müssen.

Der Zwist ist vergessen. Nach wie vor jedoch sind Martinotys eher dekorative Ansinnen im Repertoire. Und nach wie vor wirkt dieser Don Giovanni seltsam betulich, da ihn an entscheidender Stelle Harmlosigkeit befällt und die vielen Umbaupausen das Geschehen um den galanten Lügenkavalier irritieren.

Musikalisch indes könnte sich ja in jedwedem Regierahmen durchaus Substanzvolles ereignen. Und immerhin ist Adam Plachetka in der Titelpartie ein kultivierter Schurke des Zwischenmenschlichen, dessen einnehmendes Timbre der Figur Grandezza verleiht. Auch hier gäbe es zwar - was Imposanz anbelangt - Luft nach oben. Nicht nur im Vergleich zu der Giovanni nachjagenden Schar der Betrogenen wirkte das aber respektabel.

David Bizic (als Leporello) fehlte es hingegen zumeist an stimmlicher Durchschlagskraft, während Malín Hartelius (als Donna Elvira) mit recht fragiler Stimme über die Runden kam. Rolando Villazón (als Don Ottavio) wiederum hatte in den Höhen ein paar schöne Momente; in der Tiefe jedoch schlichen sich altbekannte Grobheiten ein. Solide immerhin Dan Paul Dumitrescu (als Komtur), während Hibla Gerzmava (als Donna Anna) mit schrillen Hochtönen aufwartete und Ileana Tonca (als Zerlina) unscheinbar blieb - in diesem Punkt jedoch von Marcus Pelz (als Masetto) leider übertrumpft wurde.

Dirigent Alain Altinoglu allerdings sorgte elastisch für dramatische Glanzlichter wie für malerische Poesie. Und beide Aspekte wurden vom Staatsopernorchester profund umgesetzt. Schließlich aber Applaus für alle. (Ljubiša Tošic, DER STANDARD, 13.1.2014)

14., 18. und 21. Jänner, 19.00

  • Adam Plachetka als Don Giovanni.
    foto: michael poehn / wiener staatsoper

    Adam Plachetka als Don Giovanni.

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