Zurückgetretener Präsident Zentralafrikas flüchtet nach Benin

12. Jänner 2014, 08:42
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Plünderungen nach Rücktritt von Präsident Djotodia - Rettungsaktion für Ausländer

Bangui/N'Djamena - Zentralafrikas Präsident Michel Djotodia ist nach seinem Rücktritt inzwischen nach Benin geflohen. Der frühere Rebellenführer landete am Samstag an Bord eines Flugzeugs aus der tschadischen Hauptstadt N'Djamena in Benins Hauptstadt Cotonou. Am Flughafen wurde er von Außenminister Nassirou Bako Arifari in Empfang genommen. Wie Benins Außenministerium mitteilte, wurde das Land von der Wirtschaftsgemeinschaft der zentralafrikanischen Staaten (ECCAS) darum gebeten, Djotodia aufzunehmen. Benin wolle damit einen Beitrag zur "Wiederherstellung von Frieden, Sicherheit und Stabilität" in der Zentralafrikanischen Republik leisten, hieß es. Djotodias Familie lebt schon seit längerem in Benin. 

Plünderungen und Schüsse

In Zentralafrika eskalierte inzwischen die Gewalt in der Hauptstadt Bangui erneut. Bei Plünderungen der Geschäfte von Muslimen seien in der Nacht auf Samstag mindestens drei Menschen getötet worden, erklärte das Rote Kreuz. Die Internationale Organisation für Migration (IOM) organisiert indes Rettungsflüge für Ausländer.

Es habe "enorme Plünderungen" gegeben, sagte der Landeschef des Roten Kreuzes, Antoine Mbaobogo, der Nachrichtenagentur AFP. Die Übergriffe richteten sich den Angaben zufolge vor allem gegen Muslime; aus Angehörigen dieser Religion rekrutiert sich vorwiegend die Djotodia nahestehende Seleka-Miliz. In der Nacht waren trotz einer nächtlichen Ausgangssperre Schüsse zu hören, zahlreiche Geschäfte wurden geplündert. Auch am Samstag dauerten die Plünderungen laut den Berichten von AFP-Reportern an, zahlreiche Ausländer flohen aus der Stadt.

Französische Truppen und Soldaten der Afrikanischen Union patrouillierten mit gepanzerten Fahrzeugen in den Straßen von Bangui, konnten jedoch die Gewalt nicht stoppen. Im südlichen Viertel Bimbo wurde ein Lager früherer Seleka-Kämpfer angegriffen, die in die Armee integriert werden sollen. Laut einem Offizier waren die Angreifer sehr gut bewaffnet. In Bimbo griff eine Gruppe junger Männer eine Moschee an und trug Ziegelsteine und Dachelemente davon.

IOM fliegt Flüchtlinge aus

Die IOM teilte indes mit, dass sie angesichts der Gewalt von mehreren afrikanischen Staaten gebeten worden, ihre Staatsbürger aus dem Krisengebiet auszufliegen. Dazu gehören Tschad, Niger, Mali, der Sudan und die Demokratische Republik Kongo. Mehr als 60.000 Menschen aus den Nachbarstaaten der Zentralafrikanischen Republik hätten zuvor in ihren Botschaften darum gebeten, außer Landes gebracht zu werden, sagte die für Westafrika zuständige IOM-Direktorin Carmela Godeau. Knapp die Hälfte habe das Land bereits verlassen. Etwa 2,2 Millionen Menschen, also die Hälfte der Bevölkerung im Land, benötigen nach Angaben der Vereinten Nationen humanitäre Hilfe.

Djotodia und sein Ministerpräsident Nicolas Tiengaye hatten unter dem Druck der Nachbarstaaten ihren Rücktritt eingereicht. Insbesondere der einflussreiche Präsident des Tschad, Idriss Deby Itno, warf ihnen vor, die Gewalt nicht in den Griff zu bekommen. Er hatte Djotodia sowie das gesamte Parlament zu Verhandlungen nach N'Djamena zitiert. Das Parlament soll nun Anfang der Woche einen neuen Staatschef wählen. Die Abgeordneten kehrten am Samstag nach Bangui zurück.

Das multikonfessionelle Land im Herzen Afrikas war nach der Absetzung von Präsident Francois Bozize im März 2013 durch das Rebellenbündnis Seleka ("Allianz") in eine Spirale der Gewalt zwischen muslimischen und christlichen Milizen (z.B. Anti-Balaka-Miliz) gestürzt. Bei den Kämpfen der vergangenen Wochen wurden mehr als tausend Menschen getötet, Hunderttausende Menschen flohen vor der Gewalt. Auch Zehntausende Immigranten aus dem Tschad verließen das Land.

Die EU hatte sich am Freitagabend im Grundsatz auf einen europäischen Militäreinsatz in der Zentralafrikanischen Republik geeinigt. Die zuständigen Botschafter der 28 Mitgliedstaaten stimmten einem Vorschlag aus dem Haus der EU-Außenbeauftragten Catherine Ashton zu, wie aus Brüssel verlautete. Ob sich Österreich an der Mission beteiligen werde, war zunächst völlig offen. (APA, 11.1.2014)

  • Die Gewalt nahm auch nach dem Rücktritt des Präsidenten keinen Abbruch.
    foto: ap/delay

    Die Gewalt nahm auch nach dem Rücktritt des Präsidenten keinen Abbruch.

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