Felix Neureuther sorgt für ersten deutschen RTL-Sieg seit 41 Jahren

11. Jänner 2014, 11:13
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Deutscher gewinnt den Klassiker von Adelboden vor dem Franzosen Thomas Fanara und Marcel Hirscher. Es war der erste deutsche Erfolg in der Disziplin seit 1973

Felix Neureuther hat am Samstag in Adelboden deutsche Skigeschichte geschrieben. Der 29-Jährige feierte auf dem Chuenisbärgli den ersten Riesentorlauf-Sieg eines Deutschen seit 2. März 1973. Neureuther gewann vor 29.500 Zuschauern knapp vor dem Franzosen Thomas Fanara (+0,10 Sekunden) und dem Salzburger Marcel Hirscher (0,19). Titelverteidiger Ted Ligety aus den USA schied aus.

Nur fünf Tage nach seinem Triumph im Bormio-Slalom legte Neureuther trotz einer Daumenverletzung den siebenten Weltcup-Sieg seiner Karriere nach und überholte damit auch seinen Papa Christian (sechs Siege). Den bis Samstag einzigen deutschen Riesentorlauf-Erfolg der Geschichte hatte Max Rieger vor fast 41 Jahren in Mont St. Anne (Kanada) eingefahren.

Der Traum

"Das ist das Ergebnis von extrem harter Arbeit", jubelte Neureuther, der sich mit einem entfesselten zweiten Lauf vom siebenten auf den ersten Rang katapultierte. "Vor zwei, drei Jahren hätte ich von einem Sieg im Riesentorlauf nicht einmal zu träumen gewagt." Angesprochen auf den lange zurückliegenden Sieg seines Landsmanns Rieger meinte der Bayer: "Das ist sehr krass. Damals war ich noch lange nicht geplant. Insofern ist das heute schon gewaltig."

Ex aequo mit Armin Bittner ist Neureuther nun hinter Markus Wasmeier (neun Siege) der zweiterfolgreichste Deutsche der Weltcup-Historie.

Hirscher trotzt dem Wetter

Hirscher landete zum achten Mal in Serie in einem Weltcup-Riesentorlauf auf dem Podest. Gleichzeitig baute Hirscher seine Führung im Riesentorlauf-Weltcup auf 75 Punkte aus und verkürzte den Rückstand im Gesamt-Weltcup auf den Norweger Aksel Lund Svindal auf 77 Zähler.

Und das, obwohl die warmen Temperaturen und die extrem weiche Piste seinem Fahrstil und seiner extremen Innenlage alles andere als entgegenkommen. "Mein Fahrstil ist bei solchen Bedingungen nicht der schnellste, selber schuld. Ich bekomme da einfach zu wenig Gegendruck", berichtete Hirscher.

An Ausreden war der 24-Jährige nicht interessiert. "Egal ob es hart, weich oder eisig ist, der beste Skifahrer gewinnt. Felix war mit einem Zug unterwegs, wie wenn es pickelhart gewesen wäre. Er ist richtig gut gefahren." Zwischen den beiden Durchgängen hatte Hirscher noch einmal sein Setup nachjustiert, für den Slalom am Sonntag hat er aber nur einen Wunsch: "Ich hoffe, die Organisatoren wirken mit einer Salzpräparation ein."

Raich beißt

Der dreifache Adelboden-Sieger Raich pumpte sich aufgrund seiner Rückenprobleme mit Schmerztabletten voll und biss die Zähne zusammen. Der 35-jährige Tiroler konnte zwar nicht gewünscht Spannung aufbauen, kämpfte sich aber tapfer auf Rang zehn.

"Ich habe gekämpft und bin gar nicht so schlecht gefahren. Viel Spaß macht das so aber nicht", resümierte Raich, der noch offen ließ, ob er am Sonntag im Slalom an den Start gehen wird. "Ich weiß noch nicht, ob ich im Slalom starte. Ich werde mich heute noch behandeln lassen und dann schauen, wie es mir morgen geht."

Aus anderen Gründe kam bei Schörghofer keine echte Freude auf. Der im ÖSV-Training stets schnelle Salzburger schaffte auch in Adelboden keine Fahrt ohne gröberen Schnitzer und musste sich mit Platz 20 zufriedengeben. "Das ist nicht das, für das ich trainiere. Ich will aufs Stockerl, dafür fahre ich Ski", meinte der 30-Jährige, der aber auch Positives mitnahm: "Das Wichtigste ist, dass ich schnell bin."

Mathis verzweifelt

Der Verzweiflung nahe war Marcel Mathis. Der 22-Jährige verpasste als 37. das Finale um 0,43 Sekunden und muss nun um Olympia in Sotschi bangen. "Im Training passt es. Und im Rennen fahr' ich wieder wie ein Vollidiot da runter", schäumte Mathis vor Wut. "Ich weiß nicht, was los ist. Da ist einfach der Hund drinnen", meinte der Vorarlberger zerknittert.

ÖSV-Herren-Cheftrainer Mathias Berthold tendiert dahin, anstelle von Mathis einen weiteren Speed-Piloten ins Aufgebot zu nehmen. Neben Hirscher, Raich und Schörghofer könnten dann etwa Matthias Mayer oder Hannes Reichelt vierter Mann im Olympia-Riesentorlauf sein.

Gleich dreimal das Chuenisbärgli im Renntempo bezwungen hat am Samstag der Norweger Henrik Kristoffersen. Ein verirrter Pistenarbeiter kreuzte im Finish des ersten Durchgangs den Weg des 19-Jährigen. Der Zwischenfall ging glimpflich aus, Kristoffersen durfte noch einmal starten und beendete das Rennen auf Platz 13. Als einziger der Schweizer Hausherren kam Carlo Janka als 20. in die Punkteränge. (apa 11.1.2014)

Ergebnis: RTL von Adelboden

  • Brach den deutschen Bann im Riesentorlauf: Felix Neureuther.
    foto: reuters/sprich

    Brach den deutschen Bann im Riesentorlauf: Felix Neureuther.

  • Traumhafte Atmosphäre in Adelboden vor knapp 30.000 Zusehern.
    foto: apa/epa/klaunzer

    Traumhafte Atmosphäre in Adelboden vor knapp 30.000 Zusehern.

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