Bundeskanzler Faymann in der "ZIB 2"

10. Jänner 2014, 23:34
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In einem einzigen kurzen Satz einen wirklich, wirklich, kapitalen Fehler unterzubringen ist selbst für einen Politiker eine beachtliche Leistung. Bundeskanzler und SPÖ-Parteichef Werner Faymann hat diese Herausforderung am Freitagabend in der ZIB 2 souverän gemeistert. Und das unbemerkt von der Interviewerin.

Lou Lorenz-Dittlbacher interessierte sich für das SPÖ-Desaster bei der Bundesheervolksbefragung. Und wollte von Faymann wissen, ob er das Ergebnis nicht doch ein ganz klein wenig als Niederlage wahrgenommen habe.

Nein, hat er nicht. Denn er hat ja quasi ein großes Vorbild, wie er erklärt. Bei der Volksbefragung über die Inbetriebnahme des Atomkraftwerkes Zwentendorf, habe Bruno Kreisky auch verloren.

Der selige Bruno hätte seinem Amtserben wohl ein "Lernen Sie Geschichte" entgegengeschleudert. Kreisky hatte die Bevölkerung im Jahr 1978 nicht unverbindlich über die Strahlenfabrik befragt, sondern sie verbindlich abstimmen lassen.

Jetzt soll man nicht unfair sein, alles muss ein Bundeskanzler ja nicht wissen, ist ja auch alles schon so lang her. Und in der Aufregung kann man Volksbefragung und Volksabstimmung schon verwechseln. Andererseits: Irgendwie wäre es schon auch toll, wenn ein Staatenlenker derartige Unterschiede verinnerlicht hätte.

Dass die Moderatorin nicht auf diese absonderliche Absonderung reagiert hat, ist dagegen irgendwie ein großkoalitionärer Ausgleich: Schließlich hat ihr Kollege Armin Wolf im Dezember Vizekanzler und ÖVP-Chef Michael Spindelegger auch geglaubt, dass das dynamische Regierungsduo Österreich das Triple-A zurückgeholt hat. (Michael Möseneder /DER STANDARD, 11.1.2014)

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