Erneut Gewalt bei Protest der Muslimbrüder

10. Jänner 2014, 22:40
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Mehrere Tote, 169 Festnahmen

Kairo  - Bei Protestaktionen der Muslimbruderschaft ist es am Freitag in mehreren ägyptischen Städten zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. In der Stadt Alexandria wurde ein Straßenhändler getötet. Lokale Medien meldeten, Demonstranten hätten den Mann getötet, als Gegner der islamistischen Muslimbruderschaft auf den Demonstrationszug losgingen.

In Kairo vertrieb die Polizei Anhänger der Muslimbrüder, die Autoreifen anzündeten und versuchten, Barrikaden zu errichten, mit Tränengas. In der Stadt Suez wurden acht Menschen bei Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei verletzt.

Die inzwischen als Terrorgruppe eingestuften Muslimbrüder, deren Präsident Mohammed Morsi im vergangenen Juli vom Militär nach Massenprotesten als erster demokratisch gewählter Staatschef entmachtet worden war, haben zum Boykott des Verfassungsreferendums aufgerufen. Die Ägypter sind am kommenden Dienstag und Mittwoch aufgerufen, über einen neuen Verfassungsentwurf abzustimmen. Morsi hatte nach der Ära des gestürzten Langzeit-Präsidenten Hosni Mubarak eine umstrittene Verfassung mit islamistischen Elementen durchgesetzt.

Zwei Tote in Suez

In Suez wurden zwei Menschen bei Zusammenstößen zwischen Islamisten, deren Gegnern und der Polizei getötet, wie Mediziner und Sicherheitskräfte mitteilten.

In Alexandria wurde der mutmaßliche Todesschütze, ein Mitglied der verbotenen Muslimbruderschaft, festgenommen. Nach Angaben des ägyptischen Innenministeriums wurden landesweit 169 Demonstranten festgenommen. Die Sicherheitskräfte setzten Tränengas ein. Laut einem Bericht des Staatsfernsehens wurde ein Polizist verletzt.

Mit Blick auf das Verfassungs-Referendum in der kommenden Woche aktualisierte das deutsche Auswärtige Amt unterdessen seine Reisehinweise für Ägypten. Rund um die Abstimmung am 14. und 15. Jänner sei mit Demonstrationen zu rechnen, "die auch einen gewalttätigen Verlauf nehmen können", erklärte das Ministerium am Freitag auf seiner Internetseite. Angesichts der angespannten Sicherheitslage sei bei Reisen in das Land generell Vorsicht geboten. Die seit 3. Dezember gültigen Reisehinweise auf der Homepage des österreichischen Außenamts blieben unterdessen unverändert aufrecht. (APA, 10.1.2014)

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