Widersprüche um "Bruchbude Schillerplatz"

10. Jänner 2014, 18:36
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Die vom damaligen ÖBB-Chef erwirkten Wertsteigerungen beim Haus am Schillerplatz blieben den Chefs offenbar verborgen

Wien - Als Richterin Claudia Moravec-Loidolt Details zur Wertsteigerung der von der Telekom Austria (TA) 2006 erworbenen Teile des Gründerzeit-Palais am Wiener Schillerplatz und den Verkauf an Seeste Bau 2008 erfragen wollte, verebbte Martin Hubers Redefluss kurzfristig. "Die Baubewilligung zum Beispiel", sagte der frühere Porr-Immobilienentwickler und ehemalige ÖBB-Chef nach einigen Schrecksekunden. "Und der Bescheid des Denkmalamts." Auch die baurechtliche Widmung "öffentliche Zwecke" sei entfallen.

"Das ist ja absurd", konterte die Vorsitzende des Schöffensenats. Die wichtigsten Wertsteigerungen seien 2006 erfolgt oder absehbar gewesen, als im Mai der Kaufvertrag und im Dezember der Kauf besiegelt wurde. Das Denkmalamt habe bereits 2005/06 wissen lassen, dass nicht das ganze Haus unter Schutz gestellt werde, sondern nur die Fassade und vor allem nicht das Dachgeschoß, das ja zweistöckig ausgebaut werden sollte. Auch die wichtigsten Planungsarbeiten seien bereits erfolgt, der Einreichplan eingebracht gewesen. Und schließlich sei Huber über seine Schillerplatz 4-ProjektentwicklunggmbH (SP4) bereits Miteigentümer der das Wählamt Wien I beherbergenden Immobilie gewesen, listete die Richterin an Aufwand auf.

Das Problem für die angeklagten ehemaligen Telekom-Manager Heinz Sundt und Stefano Colombo im Untreueprozess im Wiener Straflandesgericht: Die Ende 2006 verkauften Schillerplatz-Liegenschaften waren nach Erlangung diverser Bewilligungen immer noch nicht mehr wert als jene 5,4 Millionen Euro Mindestpreis, den der Spiritus Rector des inzwischen legendären Schillerplatz-Deals, die "Dr. A. Kallinger Bauplanungs- und Baubetreuungs- und Handelsgesellschaft mbH Nfg KG" des (nicht vernehmungsfähigen) Baumeisters Anton Kallinger am 18. Mai 2005 mit der TA-Führung exklusiv fixiert hatte. Diese Vereinbarung war für die TA zwar im Mai 2006 nicht mehr bindend, der Preis hielt aber und ermöglichte es der 2006 zu hundert Prozent in den Besitz Hubers und seiner Ehefrau gekommenen SP4 den Weiterverkauf an die Seeste Bau AG.

Innerlich eine Bruchbude

Nach einigen Nachbohrens räumte Huber schließlich ein, dass "der Schillerplatz" beim Kauf Ende 2006 vielleicht doch schon sieben Millionen Euro wert gewesen sein könnte, keinesfalls aber die 10,9 Millionen Euro, die Seeste Bau 2008 bereit war zu zahlen. "Äußerlich war der Schillerplatz ein Schmuckstück, aber innerlich eine Bruchbude." So ein Objekt entwickle man nicht binnen Jahresfrist, betonte Huber, es seien ja kreuz und quer Leitungen verlegt gewesen, was umfangreiche Umplanungen und hochsensible Umbauten notwendig gemacht habe. Auch Dachausbau-Probleme seien virulent gewesen, weil der Unesco-Welterbestatus der Wiener Innenstadt wegen des Bahnhofsbaus Wien-Mitte bedroht war.

Seeste AG versicherte übrigens am Freitag via Aussendung, mit allfälligen Malversationen nichts zu tun zu haben, allenfalls geschädigt worden zu sein, jedenfalls aber marktkonforme Preise gezahlt zu haben, die eine sinnvolle Verwertung erlaubten.

Wie auch immer, es sollte nicht der einzige Widerspruch sein, in den sich Huber bei seiner Beschuldigtenvernehmung am Freitag verwickelte. Vor allem was persönliche Kontakte und Vertrautheit des Schillerplatz-Entwicklers mit Vorstand und Immobilien-Managern der Telekom Austria (TA) betrifft, geriet die Erinnerung durcheinander. Einmal sagte Huber, er sei mit Sundt wie mit so gut wie allen Generaldirektoren börsennotierter Unternehmen "per Du" gewesen und habe ihn vom Golfspielen gekannt. Dann wieder verwies er allein auf Kallinger, als es um den Erstkontakt mit der Telekom ging betreffend Schillerplatz-Immobilie.

Mit dem von Sundt mit der Abwicklung des Deals beauftragten Einkaufsleiter Wolfgang F. (auch er ist nicht vernehmungsfähig) wollte Huber zunächst kaum Kontakt gehabt haben, ehe er angab, bereits in seiner Zeit im Porr-Vorstand mit ihm zu tun gehabt zu haben - beim Verkauf des TA-Direktionsgebäudes in der Nordbergstraße. Die ab Mitte 2006 für Immobilien zuständige TA-Vorstand und Kronzeuge Gernot Schieszler verfasste "Shit-List" ist recht klar: Wolfgang F. und Huber seien "eng" gewesen. (ung, DER STANDARD, 11.1.2014)

  • Acht Jahre nach dem lukrativen Verkauf einiger Etagen samt Dachausbau am Wiener Schillerplatz um 10,9 Millionen Euro hat Ex-ÖBB-Chef Martin Huber noch immer Erklärungsbedarf.
    foto: apa/pfarrhofer

    Acht Jahre nach dem lukrativen Verkauf einiger Etagen samt Dachausbau am Wiener Schillerplatz um 10,9 Millionen Euro hat Ex-ÖBB-Chef Martin Huber noch immer Erklärungsbedarf.

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