Medea und das Mikrofondrama

10. Jänner 2014, 18:00
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Franz Grillparzers "Goldenes Vlies" am Stadttheater Klagenfurt

Klagenfurt - Nicht gerade euphorisch wurde Franz Grillparzers Drama Das Goldene Vlies einst am Burgtheater (1821) aufgenommen. Zu widersprüchlich erschienen die tragischen Konflikte, in die sich Jason und Medea verstricken. Kindsmord und archaisches Handeln bilden aber immer wieder die Grundlage für Kunstwerke. Demzufolge wohnt auch diesem Werk eine Brisanz inne, die aktuelle Interpretationen zulässt. Der schmale Grad zwischen ängstlicher Reserviertheit gegenüber Fremdem und blanker Xenophobie etwa zieht sich wie ein roter Faden durch das Dramatische Gedicht; die Fragen über Schuld und Sühne, Recht und Unrecht, Macht und Ohnmacht determinieren die Handlung.

Regisseur Marco Storman setzt auf Zeitlosigkeit, indem er das Geschehen scheinbar belanglos zwischen Altertum, Jetztzeit und Zukunft pendeln lässt. Szenische Abläufe stehen im Hintergrund, "Lesungen" bestimmen den Duktus. Dabei changiert er zwischen statischen Mikrofonmonologen und "Unplugged"-Passagen, um der Monotonie des Textes Schwerpunkte entgegenzusetzen. Weniger geglückt wirken die "Unisono"-Phasen der Akteure, da sie von Undeutlichkeiten getrübt werden und langatmig wirken; durchaus originell kommt der Versuch rüber, das Geschehen gleichsam zu moderieren.

Das Bühnenbild Anna Rudolphs und die Kostüme Ursula Bergmann-Schellings folgen dem Regiekonzept: Auf einer Sandbühne dominieren wenige, aber wirkungsvolle Effekte. Ein sparsamerer Einsatz des staubigen Substrats wäre jedoch durchaus im Publikumssinne gewesen, das vom verstärkten Hustenreiz geplagt wird. Das breite Spektrum des Ausdrucks dokumentieren die zu Raumfahrern stilisierten, an Land gehenden Griechen, der Einsatz einer Puppenspielbühne oder die Verwendung der englischen Sprache im Stile eines Rezitativs.

Dass Untertitel in griechischer Sprache mitlaufen, mutiert hingegen vom schmunzelnd quittierten Gag zusehends zum Ärgernis. Die (anscheinend unverzichtbare) musikalische Untermalung von Thomas Seher bleibt wie im Einkaufscenter dezent im Hintergrund, aber stets präsent: Anklänge an antike Klangvorstellungen mischen sich mit minimalistischen Motiven und einprägsamen Vokalisen.

Dass sich unter diesen Rahmenbedingungen die Auffälligkeit der Akteure in Grenzen hält, entspricht dem Konzept. Das Ensemble (Mila Dargies als junge, Irene Kugler als ältere, gezeichnete Medea) agiert homogen und textsicher als klar definierter Mosaikstein im Gesamtbild, ohne jedoch Akzente zu setzen. Zurück bleibt aber eine gewisse Ratlosigkeit im Hinblick auf die Intentionen dieser Inszenierung. (Bernhard Bayer, DER STANDARD, 11./12.1.2014)

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