Lleyton Hewitt, ewiger Hoffnungsträger

10. Jänner 2014, 17:40
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Schon zum 18. Mal spielt der 32-jährige Australier bei den am Montag beginnenden Australian Open. Gewinnen konnte er noch nie, heuer fühlt er sich so fit wie lange nicht mehr

Melbourne - Ein bisschen ist Lleyton Hewitt so etwas wie das Stehaufmännchen des Tennissports. Seine besten Jahre sind zweifelsohne vorbei. Aber Hewitt ist ein Kämpfer. Und Kämpfer werden vom Publikum gemocht. Auch wenn manche Hewitts Auftreten auf dem Platz als arrogant empfinden. Hewitt ist Hewitt. 32-jährig und als Weltranglisten-43. seit kurzem wieder Australiens Nummer eins im Tennis. Hewitt: "Das ist mir völlig egal."

Der Welt Nummer eins war er zuletzt im Juni 2003. Im November 2001 übernahm er die Top-Position erstmals - 20-jährig und als bisher jüngster Spieler der Geschichte. Zwei Grand-Slam-Turniere gewann Hewitt: die US Open 2001 und Wimbledon 2002. Bei seinem Heim-Major in Melbourne schaffte er es 2005 ins Finale, um gegen den Russen Marat Safin zu verlieren.

Mark Edmondson 1976 letzter australischer Titelträger

Für den letzten einheimischen Sieger bei den Australian Open im Herren-Einzel muss man die Siegerlisten lange zurückblättern. Weil auch Tennisgrößen wie Patrick Rafter oder Pat Cash an dem großen Ziel scheiterten, war Mark Edmondson 1976 der letzte australische Titelträger. 38 Jahre später schickt sich nicht wirklich ein Australier für den Triumph an. Aber die größten Hoffnungen trägt tatsächlich Evergreen Hewitt. Landsmann Bernard Tomic (21), dem schon seit einigen Jahren großes Potenzial bescheinigt wird, hatte Lospech, trifft gleich in Runde eins auf den Weltranglisten-Ersten Rafael Nadal.

Der Spanier könnte Hewitts Gegner im Achtelfinale werden, es liegt kaum an Nadal. Zuzutrauen ist Hewitt das allemal. In Runde eins bekommt er es mit dem Italiener Andreas Seppi (ATP-Nr. 25) zu tun. Da hat der Australier zuletzt namhaftere Gegner besiegt. Roger Federer zum Beispiel. Der Schweizer, 32-jährig und Ex-Nummer-eins wie Hewitt, hatte im Endspiel von Brisbane das Nachsehen. Zum neunten Mal im 27. Duell. Zum 57. Mal in Folge tritt Federer in Melbourne bei einem Grand-Slam-Turnier an - Rekord. Hewitt hingegen spielt zum 18. Mal in Folge bei den Australian Open. Und das, obwohl seine Karriere immer wieder von Verletzungen unterbrochen wurde.

Innert vier Jahren musste er fünfmal unters Messer. Zuletzt im Februar 2012, als zwei Schrauben und eine Metallplatte in der deformierten großen Zehe des linken Fußes zwei Jahre des Schmerzes beendeten. "Sechs oder sieben Chirurgen haben mir gesagt, ich müsste meine Tenniskarriere beenden", sagt Hewitt, der sich nun physisch "so gut wie seit Jahren nicht mehr" fühlt. Ein weiteres Zeugnis für Hewitts gute Form: der 7:6-7:6-Sieg gegen Andy Murray in einer Exhibition in Melbourne am Freitag. Der britische Weltranglisten-Vierte freilich gab erst Ende Dezember sein Comeback nach einer dreieinhalbmonatigen Verletzungspause. Der 26-Jährige ist deshalb wohl nicht zum engsten Favoritenkreis beim ersten Major-Turnier des Jahres zu zählen. Der serbische Titelverteidiger Novak Djokovic und Nadal schon eher. Aber vielleicht mischt sich ja ein gewisser Lleyton Hewitt im Kampf um den Sieg ein. "Wenn ich spiele wie in Brisbane, kann ich einige gute Spieler gefährden." Vorerst will er von Spiel zu Spiel sehen.

Rückkehr der Legenden

Ein Jahr vor Hewitts Debüt in Melbourne holte 1996 ein gewisser Boris Becker ebendort seinen letzten Major-Sieg. Der 46-Jährige wird heuer wieder bei den Australian Open zu sehen sein - auf der Tribüne, als Trainer von Djokovic. "Es ist schön, wieder hier zu sein, ich habe an diesen Ort tolle Erinnerungen", sagte Becker bei seiner Rückkehr auf die große Tennisbühne. Über Inhalte der Zusammenarbeit mit Djokovic wollte Becker nichts verraten. Der Deutsche wird in Melbourne auf alte Bekannte treffen. Stefan Edberg und Ivan Lendl etwa. Der Schwede und der Tscheche waren seinerzeit zwei der größten Kontrahenten Beckers. Nun betreuen sie zwei der größten Kontrahenten von Djokovic. Während Lendl, seit Ende 2011 an Murrays Seite, sich schon Erfolgscoach nennen darf, muss sich Edberg erst beweisen. Im Dezember wurde er von Roger Federer als Trainer engagiert. Der 47-Jährige soll Federer heuer zumindest zehn Wochen begleiten. Zunächst in Melbourne. Tony Roche war übrigens schon sowohl Trainer von Federer als auch von Lendl. Der 68-jährige Australier wird in Melbourne auch auf der Tribüne sitzen. Als Trainer von Lleyton Hewitt. (rie, DER STANDARD, 11.1.2014)

Tableau:

Herren

Damen

  • Lleyton Hewitt sieht sich in der Lage, in Melbourne die Großen der Tenniswelt zu ärgern. Um den Turniersieg wird der Australier wohl nicht mitspielen.
    foto: epa/dave hunt

    Lleyton Hewitt sieht sich in der Lage, in Melbourne die Großen der Tenniswelt zu ärgern. Um den Turniersieg wird der Australier wohl nicht mitspielen.

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