Alte und neue Power-Episoden

10. Jänner 2014, 18:16
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2014 plant Auctionata Standorte in New York sowie in Hongkong und beschäftigt die Justiz

"Dekorative Stillleben: Holen Sie sich schon jetzt den Frühling ins Haus", titelte der jüngst von Auctionata versendete Newsletter. Zu den Trouvaillen gehört etwa ein Hinterglasbild von Walter Bosse (Blumenstrauß, 310 Euro) oder ein Ölgemälde mit Rosen (1550 Euro) einer gewissen Rela Hönigsmann. Zwei von etwa 10.000 Objekten, die im Online-Shop in einer Preiskategorie von 100 bis 300.000 Euro neuer Besitzer harren. Eigenheim-Dekorateure und Schnäppchenjäger gehören damit eher zur umworbenen Zielgruppe als der auf Qualitätsvolles fokussierte Kunstsammler.

Und damit hat Familie Zacke Erfahrung: Mit "Kunst per Katalog" bedienten Alexander und Ehefrau Susanne Mitte der 1990er-Jahre eine ähnliche Klientel. Auf dem Papier avancierte das Kunsthaus Zacke innert vier Jahren mit 7000 Versandkunden zum größten, weil angeblich umsatzstärksten privaten Kunsthandel Österreichs. Die Episode endete Anfang 1998 mit der Eröffnung des Konkursverfahrens.

Geschichte. Die verheißungsvolle Zukunft bot E-Commerce, zuerst Ebay (" Power-Seller") und seit Februar 2012 mit der neu gegründeten ISA Auctionata Auktionen AG, kurz Auctionata.

Deren Hauptniederlassung befindet sich laut Firmenbuchauszug in Wien, wobei der operative Betrieb der Kunsthandels-Plattform über die Zweigniederlassung in Berlin läuft. Mitte Dezember informierte man in einer Aussendung über die bisherige Bilanz, die auf den ersten Blick durchaus beeindruckt. Demnach habe sich der Umsatz innerhalb eines Jahres verzehnfacht, von 1,2 Millionen Euro im Jahr 2012 auf etwa zwölf Millionen in 2013.

Für 2012 war bislang nur der Umsatz der ersten und einzigen Auktion im Dezember (345.000 Euro) bekannt, dazu, erklärte man auf Anfrage, kamen noch 380.000 Euro aus dem Shop-Bereich sowie 500.000 über Private Sales eingespielte Euro. Private Sales? Dieses Segment stünde nicht im Fokus des Auctionata-Geschäftsmodells, lautet die Begründung, nähere Angaben zur Art der Kunstwerke wolle man keine bekanntgeben. 2013 trug es immerhin eine Million Euro bei. Der Shop erwirtschaftete ein Viertel des Jahresumsatzes (rd. 2,75 Mio.), womit sich Online-Versteigerungen mit 8,25 Millionen Euro zu Buche schlugen. Neben Kunst dürfte dazu wesentlich die Kategorie Uhren beigetragen haben: Im Mai verlautbarte man eine Allianz mit Chrono24, gemeinsam mit diesem "weltweit meistbesuchten Marktplatz für hochwertige Luxusuhren" seien rund 50 Auktionen geplant. Im Oktober gab man eine Kooperation mit dem amerikanischen Antiquitäten- und Vintageanbieter Ruby Lane bekannt - passend zu der nun avisierten Expansion: Neben Hongkong soll 2014 auch in New York ein "Full-Service-Standort" entstehen.

In Österreich beschäftigt man derweilen die Justiz: Nach einem Artikel im Standard (14. 9. 13, "Ja dürfen 's denn des?"), der auf eine Keyword-Advertising-Kampagne verwies, die zu Verwechslungen mit konkurrierenden Auktionshäusern führte, brachte "im Kinsky" eine Klage wegen Wettbewerbs- bzw. Namensrechtsverletzung ein. In einer ersten Reaktion erklärte Auctionata nicht die Wiener Haupt-, sondern die Berliner Zweigniederlassung verantwortlich, dann zog man die Zuständigkeit des Wiener Handelsgerichts infrage. Der Einwand wurde vom Handelsgericht für falsch befunden, jetzt muss das Oberlandesgericht Wien entscheiden. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 11./12.1.2014)

  • Episoden aus der Auctionata-Bilanz 2013: Ein Schiele-Aquarell wechselte für 1,8 Mio., ...
    foto: klas förster/auctionata

    Episoden aus der Auctionata-Bilanz 2013: Ein Schiele-Aquarell wechselte für 1,8 Mio., ...

  • ... eine Van-Gogh-Zeichnung für rund 396.000 Euro den Besitzer, ...
    foto: klas foerster / auctionata

    ... eine Van-Gogh-Zeichnung für rund 396.000 Euro den Besitzer, ...

  • ... und eine Keyword-Advertising-Kampagne beschäftigt die Justiz.
    foto: archiv

    ... und eine Keyword-Advertising-Kampagne beschäftigt die Justiz.

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