Applaus für das Golden Goal von Hitzlsperger

9. Jänner 2014, 18:51
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Lob vom britischen Premier, Respekt von der Bundeskanzlerin. Thomas Hitzlsperger schlägt nach seinem Coming-out eine Welle der Anerkennung entgegen

Angela Merkel mag Fußball. Nur im Stadion, bei Spielen ihrer Nationalmannschaft, sieht man die deutsche Kanzlerin enthemmt jubeln. Als Thomas Hitzlsperger sich nun öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte, begrüßte Regierungssprecher Steffen Seibert sogleich diesen Schritt. Es sei "gut, dass er über etwas spricht, das ihm wichtig ist".

Auch in Großbritannien, wo Hitzlsperger lange spielte, gab es Lob von höchster Stelle. Premierminister David Cameron erklärte, dass er immer schon ein Fan von Hitzlsperger gewesen sei und ihn jetzt noch mehr für seinen "tapferen und wichtigen Schritt" bewundere.

Vorbildfunktion

Jenes Wort, das im Zusammenhang mit dem Coming-out am häufigsten gebraucht wird, ist auch in großen Lettern auf Seite eins der Bild zu sehen: "Respekt!" Das Blatt befindet: "Endlich hat 's mal einer gewagt!" Und liegt damit auf der Linie von Thomas Niersbach, Präsident des Deutschen Fußballbundes, der erklärt: "Thomas Hitzlsperger war zu seiner Zeit als Nationalspieler immer ein Vorbild, vor dem ich den höchsten Respekt hatte - und dieser Respekt ist jetzt noch weiter gewachsen."

Auf Initiative von Niersbach hat der DFB im Sommer die Broschüre "Fußball und Homosexualität" veröffentlicht. Diese ging an alle 26.000 Vereine und bietet auf 28 Seiten Informationen und Kontaktadressen zum Thema Homosexualität und Fußball.

Doch die Auseinandersetzung beginnt erst zaghaft. Umso erfreuter ist Marcus Urban über das Coming-out von Hitzlsperger. "Wir wollten immer einen Präzedenzfall, jetzt ist er da", erklärte der ehemalige Fußballer am Donnerstag vor ausländischen Journalisten in Berlin.

Der heute 42-Jährige spielte in der DDR in den Achtzigerjahren in der Nachwuchsoberliga für den FC Rot-Weiß Erfurt. Eigentlich wollte er Profi werden, doch er hielt den Druck, sich als Homosexueller verstecken zu müssen, nicht aus. "Man blutet aus. 50 Prozent der Kraft verwendet man für das Versteckspiel", sagt er. Heute berät Urban Sportler und hat zudem das Netzwerk "Fußball gegen Homophobie" mitbegründet.

Entspannte Frauen

Weniger verkrampft geht man mit dem Thema im deutschen Frauenfußball um. Die ehemalige Nationalspielerin Steffi Jones ist mit einer Frau zusammen, Nationaltorhüterin Nadine Angerer, die 2013 zu Europas Fußballerin des Jahres gekürt wurde, bekennt sich zu ihrer Bisexualität.

Auch in der deutschen Politik ist Homosexualität kein Aufreger mehr, seit sich die Bürgermeister Klaus Wowereit (Berlin/SPD) und Ole von Beust (Hamburg/CDU) sowie der FDP-Politiker Guido Westerwelle erklärt haben. Als zu Weihnachten bekannt wurde, dass die neue deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) eine Lebensgefährtin hat, waren die Meldungen dazu überschaubar. (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD, 10.1.2014)

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