Raiffeisen nimmt viel Risiko

9. Jänner 2014, 17:40
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Die Kapitalerhöhung der RBI ist angesichts des niedrigen Kurses umfangreich und könnte nur bei einem neuerlichen Abschlag auf die Aktie durchführbar sein

Wien - Die angekündigte Kapitalerhöhung wird für die Raiffeisen Bankengruppe noch ein hartes Stück Arbeit. Wie in einem Teil der Donnerstagsausgabe berichtet, will die Raiffeisen Bank International (RBI) zwei bis 2,25 Milliarden Euro hereinspielen. Das entspricht ungefähr einem Anteil von 40 Prozent des jetzigen Kapitals. Da derzeit 22 Prozent der Aktien an der Börse breit gestreut sind, könnte Hauptaktionär Raiffeisen Zentralbank rechnerisch die Mehrheit verlieren. Das hängt freilich davon ab, ob sich die RZB an der Kapitalerhöhung beteiligt. Details sind derzeit offen, der Streubesitz könnte sich mit der Maßnahme aber "signifikant" erhöhen, hieß es in einer Aussendung. RZB will sich in "sichtbarem Ausmaß" an der Kapitalerhöhung beteiligen.

Abgesehen von der Einflussnahme auf die zuletzt durch hohe Kreditvorsorgen in Osteuropa strapazierte RBI wird die Kapitalerhöhung vom Volumen her kein Honigschlecken, meinen Analysten. Angesichts der Größenordnung wird ein beträchtlicher Abschlag auf den ohnehin eher mäßigen Kurs erwartet, wie Experten der Citigroup schreiben. Eine Berenberg-Analyse beziffert den Diskont mit mindestens 30 Prozent. Die Aktie stabilisierte sich am Donnerstag nach einem vorübergehenden Minus von rund neun Prozent bei einem Verlust von gut drei Prozent und notierte am Nachmittag knapp unter 27 Euro. Zum Vergleich: 2007 wurde der Rekordstand von 120 Euro erreicht, 2009 der Tiefpunkt von 13 Euro.

Hintergrund des Manövers sind der bevorstehende Stresstest und die laufende Prüfung der Bilanzqualität europäischer Banken - beide Checks werden erstmals von der Europäischen Zentralbank durchgeführt. Mehrere Institute wie die deutsche DZ Bank trachten, ihre Kapitalausstattung zu erhöhen. Andere wie Commerzbank und Erste Group haben diese Übung bereits hinter sich. Manche Insider glauben, dass sich die RBI in einem nun beginnenden Ringen um die Investorengunst besonders früh einreihen könnte, die Kapitalstärkung bereits im März erfolgen könnte. Dafür spricht laut Insidern, dass die Investmentbanken bereits ausgewählt worden sind - dieser Schritt erfolge in der Regel in einem späten Stadium der Vorbereitungen. Der RBI-Chef sagte am Donnerstag überdies einen für kommende Woche geplanten Medienauftritt ab - auch das spricht dafür, dass sich die Bank in einer heißen Phase befindet.

Der beträchtliche Umfang der Kapitalerhöhung dürfte auch mit dem Schicksal der Ungarn-Bank zusammenhängen. Der am Mittwoch abgeblasene Verkauf hätte wohl den Kapitalbedarf gesenkt. Bereits im Dezember hatte Citigroup berechnet, dass der Wegfall aller Nichtkernsegmente die Kapitallücke von 2,3 Mrd. auf 642 Mio. Euro schrumpfen würde. Ungarn ist mit Aktiva von 6,2 Mrd. Euro der größte Markt abseits der Kernmärkte. Dass RBI in Ländern wie Serbien, Kroatien, Ungarn und Ukraine auf der Bremse steht, hat einen guten Grund. Laut Citigroup macht der Anteil notleidender Kredite in diesen Märkten 21 Prozent aus, in den Kernmärkten wie Tschechien, Slowakei, Russland oder Rumänien dagegen nur sieben Prozent. Ähnlich steht es bei den Fremdwährungskrediten, die in Ungarn, Kroatien und Bulgarien am höchsten sind und in Summe in den Nichtkernmärkten zwölf Milliarden Euro ausmachen. Ähnlich ungünstig ist hier auch das Verhältnis von Krediten zu Einlagen - die Differenz muss von der RBI finanziert werden. (as, Reuters, APA, DER STANDARD, 10.1.2014)

  • Karl Sevelda (links) und sein Präsident Walter Rothensteiner zapfen den Kapitalmarkt an. Foto: APA/Jäger
    foto: apa/robert jäger

    Karl Sevelda (links) und sein Präsident Walter Rothensteiner zapfen den Kapitalmarkt an. Foto: APA/Jäger

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