Prozess in Wien: Schockstrafe für die "Vollidiotenaktion"

9. Jänner 2014, 17:01
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Ein 41-Jähriger verlor im Juni seinen Führerschein wegen Alkohol am Steuer. Im August rammte er betrunken frontal einen Motoradfahrer - nun steht er wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht

Wien – "Wie sind Sie denn zum Lokal gekommen?", fragt Richterin Gerda Krausam Ramazan K., der bedrückt antwortet: "Leider mit dem Auto." "Ihnen wurde aber im Juni der Führerschein wegen Alkohol entzogen!" "Ja", sagt der Angeklagte leise. Dafür wird die Richterin lauter: "Und trotzdem fahren Sie mit dem Auto???"

Verteidiger Franz Kienesberger kündigt schon im Eröffnungsplädoyer an, dass sich sein Mandant "für die Vollidiotenaktion" reumütig geständig zeigen werde. Die Vollidiotenaktion war eine betrunkene Autofahrt heimwärts am 19. August, bei der er einen Motorradfahrer frontal rammte, der dabei schwer verletzt wurde.

An den Unfall kann sich K., fünffacher Vater, nicht mehr erinnern. Auch seine Erinnerung an den Lokalbesuch scheint nicht mehr ganz klar. "Vier oder fünf Flaschen Bier habe ich getrunken." Krausam zweifelt: "Sie hatten nach dem Unfall 1,88 Promille. Das sind Unmengen." "Ich habe seit damals keinen Schluck Alkohol mehr getrunken. Es tut mir wirklich leid", sagt der 41-Jährige.

Auf Krücken in den Saal

Sein Opfer ist 62 Jahre alt und humpelt auf Krücken in den Saal. Die Folge eines anderen Unfalls, erzählt er jovial. "Ich bin in einem Bad auf eine Fliese gesprungen." An den Verkehrsunfall kann auch Rudolf F. sich nicht erinnern, an das davor schon.

"Auf der rechten Seite waren Einsatzfahrzeuge. Ich bin langsam vorbeigefahren, weiter entfernt habe ich zwei Lichter gesehen, aber es war breit genug zum Ausweichen. Und plötzlich war das Auto nur mehr fünf Meter weg und dann hat es Puff gemacht."

Verteidiger Kienesberger will eine Geldstrafe: "Die ganze Familie würde zusammenhalten und zahlen." Krausam erfüllt ihm den Wunsch nicht. Das rechtskräftige Urteil: Acht Monate Haft, eines unbedingt. "Der Führerscheinentzug zeigte bei Ihnen keinerlei Wirkung. Das eine Monat ist eine Schockstrafe, wie man so sagt."

Rechnung für das Opfer

Als Opfer scheint im Akt übrigens auch die Feuerwehr auf. Das Motorrad wurde nämlich gegen ein Einsatzfahrzeug geschleudert, Ansprüche werden an K. aber keine gestellt – an F. sehr wohl: "Die Stadt hat mir eine 150-Euro-Rechnung geschickt, weil sie mein Motorrad zehn Meter zur Seite geschoben haben." (Michael Möseneder, DER STANDARD, 10.01.2014)

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