Klang der Markenstärkung

9. Jänner 2014, 17:03
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Die Grazer Jazzszene lädt zur "Jazz Redoute" im Dom im Berg selbst und präsentiert dabei vor allem jüngere MusikerInnen

Graz - Manche Ideen muten derart logisch an, dass man sich fragt, warum sie nicht schon früher realisiert wurden. Dass man in Graz nun nach 2013 zum zweiten Mal zur "Jazz Redoute" ruft und dergestalt Szenetreffen mit öffentlichkeitswirksamer Leistungsschau verbindet, ist zweifellos ein kluger Einfall. Geht es dabei doch auch um die Stärkung der Marke "Jazzstadt Graz", deren Kunde sich seit den 1960er-Jahren international verbreitet hat.

Damals ging die Saat auf, die die britische Besatzungsmacht nach 1945 in der Steiermark mit der Förderung von Musik afroamerikanischer Provenienz gesät hatte: Schon im Zuge der Eröffnung des Forum Stadtparks 1960 wurde dortselbst auch ein Referat für Jazz installiert; fünf Jahre später gelang die Verankerung der Jazzausbildung an der damaligen Grazer Musikakademie - als europaweit erster universitärer Institution.

All dies waren keine Selbstverständlichkeiten im Hinblick auf eine Musik, die kurz zuvor noch als "entartet" bezeichnet worden war, und die vielen auch nach 1945 als minderwertige "Negermusik" galt. Ja, Graz war und ist ein fruchtbarer Boden in Sachen Jazz: In den letzten Jahren bewies dies etwa auch die Jazz Big Band Graz, die unter der Leitung von Heinrich von Kalnein und Horst-Michael Schaffer zu einem international renommierten Player aufstieg.

Big Band zu Gast

Die JBBG ist es nun auch, die im Rahmen der "Jazz Redoute" den Dom im Berg für eine Nacht zu "Graz' größtem Jazzclub" umfunktioniert. Zur zweiten Ausgabe - Dresscode: "hip & stylish" - sind vor allem jüngere Vertreter des Grazer Jazz geladen: etwa das Trio Edi Nulz mit Bassklarinettist Siegmar Brecher, Gitarrist Julian Adam Pajzs und Schlagzeuger Valentin Schuster, deren trashiger, dramaturgisch komplexer Kammer-Punk-Jazz seit November eine zweite CD mit dem schicken Namen Ultrakarl füllt. Erwartungsfroh macht auch der angekündigte Soloauftritt von Saxofonist und Klarinettist Christoph Pepe Auer, auch er ein Ex-Grazer, der mittlerweile anderswo - konkret: in Wien - eine neue Wirkungsstätte gefunden hat.

Singer-Songwriterin Marina Zettl wird die Musik ihres kürzlich veröffentlichten, Pop-affinen Albums Watch Me Burn zum Besten geben; der in Graz ansässige brasilianische Gitarrist und Komponist Emiliano Sampaio wird sein neunköpfiges Mereneu Project präsentieren.

Wie es sich gehört, werden dann um Mitternacht auch einige Überraschungsgäste den Dom im Berg beschallen. Auf dass der altehrwürdige Schlossberg ob der Klänge, die da in seinem Bauch produziert werden, wackle und auch gehörig vibriere! (Andreas Felber, DER STANDARD, 10.1.2014)

11. 1., Graz, Dom im Berg, 0316/80 08-9000, 20.15

  • In Graz, seit jeher ein guter Ort für inspirierten Jazz, wird es hitzig zugehen, wenn sich die Szene zum Ideenaustausch im Dom im Berg trifft.
    foto: purgar

    In Graz, seit jeher ein guter Ort für inspirierten Jazz, wird es hitzig zugehen, wenn sich die Szene zum Ideenaustausch im Dom im Berg trifft.

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