Irak: Heftige Kämpfe zwischen Islamisten und Armee

9. Jänner 2014, 14:48
31 Postings

Angriff auf Verstecke der Al-Kaida-nahen Terroristen - US-Vize Biden fordert von Premier Maliki mehr Druck auf Rebellen

Bagdad/Washington - In der irakischen Unruheprovinz Al-Anbar sind Regierungstruppen am Donnerstag mit Panzern gegen Stellungen islamistischer Rebellen vorgegangen. Die Armee habe in der Nacht zwischen Falluja und Ramadi Verstecke der Al-Kaida-nahen ISIS-Jihadisten angegriffen, teilte die Polizei mit. Human Rights Watch warf indes beiden Seiten bei den Kämpfen um Falluja die Verletzung von Menschenrechten vor.

Seit in der Früh gebe es heftige Kämpfe in der Gegend von Albubali zwischen Falluja und der Provinzhauptstadt Ramadi unter dem Einsatz von Panzern, sagte ein Polizeioffizier. Die sunnitische Extremistengruppe Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIS) hatte vergangene Woche nach dem Rückzug der Sicherheitskräfte die Kontrolle über Teile Ramadis und die Innenstadt von Falluja übernommen. Zudem sind dort regierungsfeindliche Stammesmilizen aktiv.

Seit dem Beginn der Kämpfe infolge der Räumung eines sunnitischen Protestlagers in Ramadi am 30. Dezember hat auch die Regierung Stammesmilizen rekrutiert, um durch sie im Kampf gegen die Extremisten unterstützt zu werden. Bereits die US-Streitkräfte hatten sich in Al-Anbar der Hilfe von Stammesmilizen bedient, um die Al-Kaida-Kräfte zurückzudrängen. Erst danach war es gelungen, die mehrheitlich sunnitische Provinz zu befrieden.

Anschläge in Bagdad

Abseits der Kämpfe in Al-Anbar kommt es auch in der irakischen Hauptstadt immer wieder zu Anschlägen. Ein Selbstmordattentäter tötete am Donnerstag vor einem Rekrutierungsbüro der Armee mindestens zehn Menschen. Bei der Explosion einer Autobombe seien zudem 20 Menschen verletzt worden, teilten Sicherheits- und Rettungskräfte mit. Der Angriff ereignete sich einen Tag, nachdem bei einem Angriff auf ein Armeegebäude 130 Kilometer nördlich von Bagdad zwölf Soldaten getötet worden waren.

Das erneute Aufflammen der Gewalt löste in Washington Besorgnis aus. US-Vizepräsident Joe Biden telefonierte am Mittwoch zum zweiten Mal diese Woche mit Iraks Regierungschef Nuri al-Maliki und forderte ihn auf, den Extremisten in Al-Anbar nicht das Feld zu überlassen und sich für eine Versöhnung mit den Sunniten einzusetzen. Laut dem US-Außenministerium setzte sich auch Außenminister John Kerry mit seinem irakischen Kollegen Hoshjar Sebari in Verbindung.

USA wollen Waffen schneller liefern

Washington kündigte in den vergangenen Tagen an, die Lieferung von Kriegsgerät an den Irak zu beschleunigen. So will Washington hundert weitere Raketen und zehn Überwachungsdrohnen liefern. Zugleich betonte die US-Regierung, dass die Entsendung von Bodentruppen nicht zur Debatte stehe. Die USA hatten 2011 ihre letzten Truppen abgezogen, nachdem Verhandlungen über die Stationierung weiterer Soldaten im Streit um eine Immunitätsregelung gescheitert waren.

Human Rights Watch (HRW) warf am Donnerstag allen an den Kämpfen in Anbar beteiligten Parteien Verstöße gegen die Menschenrechte vor. Offensichtlich "illegale Kampfmethoden" aller Seiten hätten zivile Opfer und schwere Schäden verursacht, erklärte die Organisation. Den Regierungstruppen warf sie den wahllosen Einsatz von Mörsern in Wohngebieten vor, während sie die Rebellen dafür kritisierte, in Wohngebiete einzudringen und von dort aus zu operieren. (APA, 9.1.2014)

  • Ein Islamist in der umkämpften Provinz Al-Anbar.
    foto: ap

    Ein Islamist in der umkämpften Provinz Al-Anbar.

Share if you care.