Aufschieben, bis der Arzt kommt

10. Jänner 2014, 07:00
26 Postings

Aufgaben vor sich herzuschieben trägt den komplizierten Namen Prokrastination. Ist aber ganz einfach. Jeder kann und tut es

Timothy Pychyl, Psychologieprofessor an der Carleton University in Ottawa (Kanada), erzählt im "Wall Street Journal" von einer seiner Klientinnen, die ihr Auto so lange zugemüllt hatte, dass sie es ab einem gewissen Punkt nicht mehr an öffentlichen Plätzen parken wollte - vor Scham. Das durchaus menschliche Gefühl, dass es sie schlicht und ergreifend nicht gefreut habe, das Auto auszuräumen und zu reinigen, habe überhand genommen, sagt er.

Aufgaben aufzuschieben, tut jeder. Und solange man bestimmte Dinge dann auch erledigt, oder bis zu einem Termin fertigstellt, ist Prokrastination auch kein Problem. Wobei man bei Prokrastination bereits schon von diagnostiziert pathologischen Fällen spricht. Allerdings, so Experten, von der "Aufschieberitis" bis hin zu ihrer krankhaften Ausprägung sei es häufig nur ein schmaler Grat. Denn schnell türmen sich Aufgaben meterhoch und erzeugen Druck auf den Menschen. Nimmt die Verzögerung also kein Ende, bringt das immer mehr Stress, der wiederum das Immunsystem schwächt.

Häufige Ursache: Zu hohe Ansprüche

Studien aus Prokrastinationsambulanzen zeigen, dass Betroffene häufiger an Schlafstörungen, Magenproblemen oder Grippe leiden als jene, die nie etwas aufschieben. Wobei letztere einen geradezu verschwindend kleinen Teil darstellen: Laut einer Studie der Prokrastinationsambulanz der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster gaben das zwei Prozent an. Jene aber, die stark betroffen sind, so heißt es, seien nicht selten beratungsresistent. Klassische Ausreden sind zum Beispiel produktiver oder kreativer zu sein, wenn sich alles gegen einen Abgabetermin hin zuspitze und dergleichen.

Eine der größten Hürden, die es zu überwinden gelte, so Experten, sei jene, die zwischen den oft hohen Ansprüchen an sich selbst bei gleichzeitig geringem Vertrauen in seine Fähigkeiten liege. Schnell werden dann verhältnismäßig simple Dinge zu nicht bewältigbaren Aufgaben. Darauf zu warten, bis sich die Arbeitslust von selber wieder einstellt, halten durchwegs alle Experten für sinnlos.

Männer schieben lieber auf als Frauen

Als klassische Prokrastinierer gelten Studenten. Studien der DePaul University in Chicago zeigen, dass rund 20 Prozent der Menschen, Dinge gerne aufschieben. Bei Studierenden sollen es 70 Prozent sein. Bei Freiberuflern ist das Prokrastinieren ebenfalls weiter verbreitet als bei fix Angestellten. Und: Männer sollen eher zum Immer-weiter-Aufschieben tendieren als Frauen, heißt es dort. Einer Studie zufolge neigen Männer nämlich eher zu "selbstgeisselnden" Fragen wie "Warum kann ich nicht tun, was ich tun sollte?", die blockieren. Während Frauen sich schneller für eine Umsetzung mobilisieren können, indem sie häufiger an das angenehme Gefühl danach denken - nämlich wenn sie eine Sache erledigt haben. Übrigens eine Strategie, zu der Experten raten, wenn man etwas gegen seine Aufschieberitis tun möchte. (red, derStandard.at, 10.1.2014)

Weitere Informationen: Gesundheit am Arbeitsplatz

  • Das Aufschieben von Aufgabenmacht im Extremfall krank.
    foto: istockphoto.com /peskymonkey

    Das Aufschieben von Aufgaben
    macht im Extremfall krank.

Share if you care.