Drei Viertel aller Kokainproben sind mit Wurmmittel verunreinigt

9. Jänner 2014, 10:46
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Gut 70 Prozent des auf der Straße verkauften Kokains sind mit dem Pferde-Wurmmittel Levamisol gestreckt - so die Med-Uni Wien

Wer glaubt, es bei Kokain mit einer "reinen" Substanz zu tun zu haben, liegt fast immer falsch. Denn mehr als 90 Prozent des auf der Straße verkauften Kokains ist mit unterschiedlichen Streckmitteln versetzt. Und immerhin fast drei Viertel wird mit Levamisol - einem für den Menschen gesundheitsgefährdenden Wurmmittel für Pferde und andere Paarhufer - gestreckt. Diese gesundheitsgefährdende Praxis von Dealern wurde nun am Zentrum für Physiologie und Pharmakologie der Med-Uni Wien untersucht.

Amphetaminartige Wirkung

Während die Dealer beim "Strecken" eines Suchtgifts nur den Profit steigern wollen, wird durch Zugabe des Tiermedikaments Levamisol noch ein weiterer Effekt erreicht: Nach der Aufnahme wird Levamisol im Körper zu Aminorex verstoffwechselt. Diese ebenfalls schwer gesundheitsschädliche Substanz zeigt eine starke amphetaminartige Wirkung bei den Drogenkonsumenten. Die Dealer machen sich damit ein Phänomen zunutze, das bereits aus dem Pferde-Rennsport bekannt war.

Diese Erkenntnisse sind die wichtigsten Eckdaten einer Studie, die soeben in einem "Special Issue" des Top-Journals "Neurochemistry International" veröffentlicht wurde. Ausgangspunkt waren die laufenden Untersuchungen von Suchtmitteln durch die Wiener Informations- und Beratungsstelle "checkit!". Sie stellte in den vergangenen Jahren laufend massive Beimengungen von Levamisol fest und initiierte deshalb die Studie. 

Verlängerter Effekt

"Das Spannende ist, dass hier erstmals zwei komplett unterschiedliche Substanzklassen gemeinsam vorkommen, von denen die Wissenschaft bisher annahm, dass sie einander wegen ihrer gegensätzlichen Wirkungen für den Suchtmittelmissbrauch ausschließen würden", so Harald Sitte von der Med-Uni Wien. Weshalb dies bei der gleichzeitigen Einnahme von Kokain und Levamisol doch nicht so ist, konnten die verantwortlichen Forscher ebenfalls klären. Die Wirkung von Aminorex - dem sogenannten Metaboliten von Levamisol - setzt dann ein, wenn die von Kokain bereits abklingt. Dadurch verlängert sich für den Konsumenten der von Kokain erwartete Effekt.

Die Studie bestätigt einmal mehr, dass in Drogen häufig nicht oder nicht nur das drinnen ist, was sich Drogenkonsumenten erwarten. Wissenschaftlich geklärt sind die genauen Mechanismen und Wirkungen vieler Substanzkombinationen bisher allerdings nur ansatzweise. Klar ist jedoch, dass Drogen-Cocktails in der Regel noch gefährlicher sind als die einzelnen Substanzen. "Auch deshalb sind Prävention und Aufklärung im Zusammenhang mit dem missbräuchlichen Konsum von Suchtmitteln so wichtig", sagt Sitte. (red, derStandard.at, 9.1.2014)

Originalpublikation:

Neurochemistry International. "Aminorex, a metabolite of the cocaine adulterant levamisole, exerts amphetamine like actions at monoamine transporters." Tina Hofmaier, Anton Luf, Amir Seddik, Thomas Stockner, Marion Holy, Michael Freissmuth, Gerhard F. Ecker, Rainer Schmid, Harald H. Sitte, Oliver Kudlacek. DOI:10.1016/j.neuint.2013.11.010.

  • Oft ist in Kokain nicht oder nicht nur das drinnen, was sich die Drogenkonsumenten erwarten.
    foto: dpa-zentralbild/patrick pleul

    Oft ist in Kokain nicht oder nicht nur das drinnen, was sich die Drogenkonsumenten erwarten.

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