Yasmin Fahimi wird neue Generalsekretärin der SPD

9. Jänner 2014, 10:17
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Für viele Parteimitglieder ist die studierte Chemikerin noch eine weitgehend Unbekannte

Sie hat den Job bekommen, weil sie eine Frau ist. Eine derartige Beschreibung eines Karrieresprungs wird nicht unbedingt als schmeichelhaft empfunden. Im Fall von Yasmin Fahimi jedoch stößt sich niemand daran. Denn die 46-Jährige hat nebst dem richtigen Geschlecht für das SPD-Generalsekretariat auch allerlei Fähigkeiten, die man dort gut gebrauchen kann. Doch der Reihe nach und damit noch einmal zurück zur Geschlechterfrage.

Aufbegehren der SPD-Frauen

Der Posten der SPD-Generalsekretärin war vakant geworden, weil die bisherige "Generalin", Andrea Nahles, jetzt als Arbeitsministerin in der neuen deutschen Regierung sitzt. Eigentlich hätte SPD-Chef Sigmar Gabriel gerne den eloquenten Linken Ralf Stegner (SPD-Chef in Schleswig-Holstein) zum Generalsekretär gemacht. Doch da begehrten die SPD-Frauen auf, sie wollten wieder eine Frau im Generalsekretariat. Gabriel also lenkte ein, sah sich noch einmal um und wurde rasch in seiner politischen Heimat Hannover fündig, genauer gesagt in der dort ansässigen Industriegewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie.

Dort ist Fahimi seit vielen Jahren tätig, auch Gabriel kennt sie schon lange und hat damit vielen Genossen etwas voraus. Für sie nämlich ist jene Frau, die nach ihrer Wahl durch einen SPD-Parteitag am 26. Jänner die SPD-Zentrale managen soll, eine weitgehend Unbekannte.

Politisch eher links

Die Tochter einer Deutschen und eines Iraners stammt aus Hannover, wo sie auch Chemie studierte. Danach war sie zwei Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stiftung Arbeit und Umwelt. Seit 2000 leitet sie die Grundsatzabteilung bei der IG Bergbau, Chemie, Energie, wo ihr großes Organisationsgeschick nachgesagt wird. Politisch steht Fahimi eher links, was für den Sprung ins Berliner Willy-Brandt-Haus nicht hinderlich ist. Schließlich will SPD-Chef Gabriel die SPD bis zur nächsten Bundestagswahl 2017 auch für ein Bündnis mit der Linkspartei fit machen.

Fahimi gehört zudem dem Vorstand von "Denkwerk Demokratie" an. In dem von ihr 2011 mitbegründeten Thinktank fordern Sozialdemokraten, Grüne und Gewerkschafter als Reaktion auf die Finanzkrise eine bessere Verteilung von Wohlstand und mehr ökologische Nachhaltigkeit. In ihrer Freizeit kocht und fotografiert Fahimi gerne. Auch im Privatleben kommt viel Arbeitnehmervertretung vor: Ihr Lebensgefährte ist Michael Vassiliadis, Chef der IG Bergbau, Chemie, Energie. (bau, DerStandard, 09.01.2014)

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