"Jungen Spielern Mut machen"

9. Jänner 2014, 13:06
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Deutscher Ex-Nationalspieler: "Profisport und Homosexualität schließen sich nicht aus" - Teile der Fußballszene seien immer noch Machowelt

München - Der deutsche Ex-Fußball-Nationalspieler Thomas Hitzlsperger hat in der Nacht zum Donnerstag eine längere Erklärung über sein Coming-out als Homosexueller an die Öffentlichkeit gegeben. "Profisport und Homosexualität schließen sich nicht aus, davon bin ich überzeugt", heißt es in der Erklärung, die kurz nach Mitternacht von Hitzlspergers Medienberater Pietro Nuvoloni veröffentlicht wurde.

Hitzlsperger äußerte die Hoffnung, er werde mit seinem Schritt an die Öffentlichkeit "jungen Spielern und Profisportlern Mut machen". Er  habe bereits während seiner aktiven Profilaufbahn sein Coming-out erwogen, als er beim VfL Wolfsburg in der Saison 2011/12 spielte, sagte er der britischen Tageszeitung "Guardian" (Donnerstag). Dann aber habe er auf Menschen gehört, die vor negativen Konsequenzen warnten. "Sie sagten alle, tu es nicht, eine große Welle wird über dir zusammenbrechen", gab Hitzlsperger zu Protokoll. "Aber dann realisierte ich, dass das keiner vorhersagen konnte." Im britischen Sender BBC betonte er: "Ich kann mir nicht vorstellen, Fußball zu spielen und das zur selben Zeit zu machen. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, weil wir eine Reaktion fürchten und nicht wissen, was passieren wird. Schwule Fußballer sind unsichtbar."

Vor und nach seinem Karriereende im vergangenen September habe er mehr Zeit zum Nachdenken gehabt. Die positiven Reaktionen auf Coming-outs von Sportlern wie Gareth Thomas, Tom Daley oder Robbie Rogers hätten ihm Mut gemacht: "Ich wollte sie unterstützen, wie sie mich unterstützt haben."

Diskriminierungsfreiheit selbstverständlich

Jeder Mensch solle so leben dürfen, dass er "wegen seiner Herkunft, Hautfarbe, sexuellen Neigung oder Religion keine Angst haben muss, diskriminiert zu werden", erklärte der 31-Jährige. "Das verstehe ich nicht als politisches Statement, sondern als Selbstverständlichkeit." Er wünsche sich, dass "die öffentliche Diskussion jetzt wieder ein Stück weiterkommt". Die "Fußballszene" begreife sich "in Teilen immer noch als Machowelt", beklagte Hitzlsperger. Das Bild eines schwulen Spielers werde "von Klischees und Vorurteilen geprägt", die Realität sehe indes "anders aus".

Hitzlspergers Coming-out wurde am Mittwoch über ein Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit" publik. Der Fußballer spielte in der Jugend für den FC Bayern München, 2000 wechselte er zum englischen Premier-League-Verein Aston Villa. Danach war er unter anderem Kapitän des VfB Stuttgart, spielte in England und Italien. Für die deutsche Nationalmannschaft lief der Mittelfeldspieler zwischen 2004 und 2010 insgesamt 52-mal auf. Vor vier Monaten zog sich Hitzlsperger aus dem öffentlichen Leben als Fußballprofi zurück. (APA, 9.1.2014)

  • Thomas Hitzlsperger schreitet voran.
    foto: apa

    Thomas Hitzlsperger schreitet voran.

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