Anti-Terror-Einsatz nach Leichenfunden im Süden Russlands

9. Jänner 2014, 20:40
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Mehrere Leichen in Autos gefunden - Behörden vermuten Bandenkriminalität als Motiv

Moskau/Sotschi - Nach dem Fund von sechs Männerleichen etwa 270 Kilometer nordöstlich der Olympiastadt Sotschi haben die russischen Behörden im Gebiet einen Anti-Terror-Einsatz angeordnet. Dadurch traten einen Monat vor Beginn der Olympischen Winterspiele in einigen Kreisen der Region Stawropol, die an die islamisch geprägte Konfliktregion Nordkaukasus grenzt, vorübergehend weitreichende Einschränkungen in Kraft.

Das meldete die Staatsagentur Itar-Tass am Donnerstag. Der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, teilte mit, dass derzeit Bandenkriminalität als Motiv vermutet werde. "Die Männer wurden offenbar erschossen", sagte Markin. Der Hintergrund sei unklar. Bei einigen Opfern handle es sich um Fahrer privater Taxis. Die Leichen seien in vier Fahrzeugen entdeckt worden, die im Abstand weniger Kilometer standen. "Einige Körper lagen auf dem Rücksitz, andere im Kofferraum", sagte ein namentlich nicht genannter Ermittler. Zunächst war von fünf Toten die Rede gewesen.

Hinweise

Der Fundort sei vermutlich der Tatort gewesen, und die Polizei habe "Hinweise" auf die mutmaßlichen Täter. "Wir fahnden nach drei Männern im Alter zwischen 23 und 32 Jahren. Sie sind dringend tatverdächtig und bereits früher auffällig geworden", sagte ein Angehöriger der Sicherheitskräfte. Die Behörden hätten Phantombilder des Trios aus der Teilrepublik Kabardino-Balkarien veröffentlicht.

Die Sondereinheit der Polizei werde durch Spezialisten des Inlandsgeheimdienstes FSB und des Innenministeriums verstärkt, hieß es. "Wir sind in Kampfbereitschaft", sagte ein FSB-Mitarbeiter. Die Behörden nähmen die grausame Bluttat kurz vor Olympia "sehr ernst".

Fast wären die Polizisten bei ihren Ermittlungen zu Schaden gekommen. "Als sich Beamte einem Wagen näherten, explodierte in der Nähe eine Bombe mit einer Sprengkraft von mindestens 500 Gramm TNT", sagte Markin. Niemand sei verletzt worden. Auch wenige Meter von einem der anderen Autos entfernt sei ein Sprengsatz entdeckt worden.

Die Bauart lasse auf radikale Islamisten schließen, die im Nordkaukasus für einen Gottesstaat kämpfen, zitierte die Agentur Interfax ein Mitglied der Sicherheitskräfte. Anders als zuletzt bei zwei Anschlägen mit insgesamt 34 Toten in der Stadt Wolgograd, hätten die Bomben aber keine Metallsplitter enthalten.

Die Behörden riefen die örtliche Bevölkerung zur Vorsicht auf. In den Kreisen Predgorny und Kirowski der Region Stawropol verstärkten kremltreue Einheiten ihre Präsenz. Die Olympischen Winterspiele beginnen am 7. Februar in Sotschi am Schwarzen Meer. Seit Dienstag ist rund um den Kurort eine beispiellose Sicherheitszone in Kraft.  (APA, 9.1.2014)

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