Radikaler Vorschlag zur Änderung der Forschungsförderung

US-Informatiker nehmen sich Plattformen zur Schwarmfinanzierung zum Vorbild

Heidelberg/Wien - Mit dem wissenschaftlichen Peer-Review - also der Begutachtung von Projektanträgen durch Fachkollegen - ist es so wie mit der Demokratie: Es ist kein ideales System, aber immer noch besser als alle anderen, die man bisher ausprobiert hat. In den letzten Jahren häuften sich allerdings die Beschwerden: Wissenschafter würden immer mehr Zeit für das lästige Antragschreiben und -lesen verwenden und weniger Zeit zum Forschen haben.

US-Informatiker um Johan Bollen von der Universität Indiana legen nun im Fachblatt "EMBOreports" einen radikal neuen und simplen Vorschlag zur Verteilung der Forschungsmittel vor: Jeder Forscher erhält eine bestimmte Summe an Forschungsgeldern, muss aber einen fixen Teil davon an andere Kollegen weitergeben - und zwar an solche, von denen man die besten und interessantesten Forschungsergebnisse erwartet. Das sei technisch mittlerweile alles leicht realisierbar - etwa nach dem Vorbild von Plattformen zur Schwarmfinanzierung.

Die Fördermethode habe gleich mehrere Vorteile, so Bollen: Sie brauche weniger Zeit, koste weniger Geld und sei zudem zielsicherer, da sie die Weisheit der gesamten Scientific Community nütze, um eine gerechtere Verteilung der Mittel herbeizuführen. (tasch, DER STANDARD, 9.1.2014)

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22 Postings
Ein einziges (und riesiges) Problem:

man veröffentlicht seine vorläufigen Ergebnisse und Pläne.

Also haben dann die "grumpy cats" unter den Wissenschaftlern bzw. jene mit unorthodoxen Ideen keine Chance mehr.

Entweder sind die Herren so sozial weltfremd, dass sie merken wie das nicht funktionieren kann, oder es ist die allgemeine Verzweiflung am Wissenschaftssystem, dass schon so verrückte Alternativen vorgeschlagen werden.

Ich habe einen anderen Vorschlag: Man sperre alle WissenschaflerInnen einer Disziplin in einem Raum, mauert sie zu und sie wählen so lange einen Vertreter bzw. Vertreterin bis sie eine 50% Mehrheit haben. Dann wird im Kamin ein anderer Farbstoff rein getan um zu zeigen, dass die Wahl abgeschlossen ist. Diese(r) vertritt dann die ganze Disziplin bis zum Lebensende und entscheiden absolutistisch über alle Belange und Geldvergabe außerdem entscheider er oder sie wer wieder Kardinal eh. Professor wird..

Schwachsinn

Mein FWF Antrag hat mich damals meinen Sommerurlaub gekostet, aber ich habe das Geld fast ohne Abstriche bekommen. Auf Grund der Höhe gabs 2 Inlands und einen Auslandsgutachter, alle positiv.
Als Gutachter muß ich auf Grund des Antrages entscheiden können, ob das beantragte Projekt eine Aussicht auf Realisierung hat.
Der Antrag muß mir auch Gelegenheit geben zu erkennen, welche wissenschaftliche Vorleistungen der Antragsteller erbracht hat.
Geniale Ideen ohne absichernde Voruntersuchungen zum Projektrisiko sind mir eigentlich zu wenig.
Es gibt viel zu wenig Forschungsgelder um sie in irgendwelche Hirngespinste hinein zu stecken. Es gibt keine Innovation ohne Entwicklungsrisiko, aber das sollte nicht schon von Beginn an erkennbar sein.

Gutachter wie Sie sind dann aber auch die,

die Projekte aufgrund von "Zu großem Risiko" ablehnen, und das bei Programmen die speziell auch Projekte mit hohem Risiko fördern wollen (weil das ja auch gerade die sind die sonst kein geld kriegen).

Und eine Anekdote wie super das System nicht ist weil Sie eine Förderung bekommen haben ist auch nett, sagt aber nichts über das System an sich aus, das sollten Sie als Wissenschaftler wissen.

Da irren sie, ch lehne nicht ab weil das Risiko zu hoch ist,

ich lehne ab weil es keine Vorversuche vom Einreicher gibt, die eine Risikoabschätzung erlauben würde.
Es gibt Einreichungen gibt die nur auf einem Gedankenkonstrukt bestehen, ohne sich Gedanken zur Methodik und deren Machbarkeit zu machen. Und es gibt solche in denen es nur darum geht ein spezielles Gerät anschaffen zu können.
Ich finde, dass am Anfang einer Förderung immer eine Eigenleistung des Werbers stehen sollte. Jeder Forschungsförderer hat ein Interesse daran eine möglichst hohe Trefferquote zu erreichen, was angesichts der Diskrepanz zwischen zur Verfügung stehenden Fördermittel und den beantragten Fördervolumina nicht verwundern darf.
Es liegt in der Verantwortung der Gutachter zu dieser Zielsetzung das Ihre beizutragen..

So gut sich der Vorschlag in einer virutellen Simulation auch durchrechnen lassen mag, so schlecht würde er mMn in der Praxis funktionieren. Man braucht nicht einmal Korruptionsabsicht unterstellen. Die meisten etablierten Wissenschaftler kennen sich persönlich, niemand würde einen Freund finanziell absaufen lassen, ergo würde das Geld nur innerhalb einer kleinen Gruppe hin und her verfrachtet. Natürlich würden auch junge Wissenschaftler hin und wieder eine Chance bekommen, viele andere, die zwar wissen. top aber sozial nicht umgänglich sind, würden verdrängt. Und, die Korruptionsanfälligkeit des Menschen gibt's auch noch zusätzlich. Ergebnis: statt Wissenschaftler gibt's dann hauptsächlich Verkäufer. Nein, danke.

Des is wiaklich nur eine heaschiabarei mitn göd ! Alles im ganzen gehört für jeden forschungszweig ein Kommite her das die Fördergelder überwacht . Ausserdem würde man die Rüstungsindustrie nicht so massiv unterstützen wäre logischerweise mehr Geld für Nachhaltiger und Humanitärwissenschaft zur Verfügung .

Obiger Kommentar in meinem Namen wurde NICHT von mir gepostet!!! Wer hat sich hier meines Acounts bemächtigt??!!

Lol also noch einen dümmeren Vorschlag haben sie sich wohl nicht einfallen lassen können. Dann wird wohl bald nur mehr Networking betrieben und heiße Luft verbreitet, statt zu forschen

Networking

sehe ich genauso, im "besten" Fall reproduziert sich die vorherrschende Orthodoxie in einem Fachgebiet unkritisch und nicht hinterfragt... aber was wäre - rein wissenschaftlich gesehen - daran schon das Beste?

"Jeder Forscher erhält eine bestimmte Summe an Forschungsgeldern, muss aber einen fixen Teil davon an andere Kollegen weitergeben ... Die Fördermethode habe gleich mehrere Vorteile"

ja eh hat das einen vorteil:
man verschwendet keine zeit mit anträgen und teilt sich einfach mit einem kollegen das budget. A gibt seinen weiterzuleitenden förderbetrag dem B und der B seinen dem A. und keiner kontrollierts.

a klasse gschicht.

schließe mich vorpostern an

dann wäre korruption und nun finanzverteilungszirkeln (vergleichbar: publikationszirkel) tür und tor geöffnet und die wissenschafter nur mehr am netzwerken und gut-dastehen wollen (ist jetzt oft schon unerträglich)...

Was Johan Bollen hier etablieren möchte ist uralt.

Es nennt sich Korruption.

Funktioniert nicht...

... da das Geld dann nur innerhalb von Freunderl-Netzwerken verteilt würde (von denen es schon jetzt zu viele gibt). Ein kreativer Einzelforscher hätte keine Chance.

Und derzeit hat ein "kreativer Einzelforscher" eine Chance? Lol!

Selbstverständlich hat er oder sie diese Chance. Da jeder Forschungsantrag mehrere Gutachten bekommt, typischerweise aus unterschiedlichen Ländern, werden korrupte oder schlicht dumme Gutachten leicht erkannt. Das System ist nicht perfekt, aber im Vergleich zu dem, wie etwa in der Politik Entscheidungen fallen, ziemlich gut.

Ein kreativer Einzelforscher hat schon im jetzigen System keine Chance. Und da muss man kein Kenner der Forschungslandschaft sein, um das zu erkennen – im ersten Absatz ist das jetzige System gut umrissen: Forscher lesen die Anträge anderer Forscher und entscheiden über deren (der Anträge) Förderung. Also, wie kommt der 'kreative Einzelforscher' jetzt an sein Geld? Genau: noch schlechter bis gar nicht!

Zumindest gibts theoretisch die Möglichkeit, dass sein Antrag so gut ist, und anonymisiert, dass er bewilligt wird...

Das vorgeschlagene System machts einfach nur noch schlimmer als eh schon ist, indem es diesen Schritt überspringt.

Bitte Sprachunterricht nehmen:

»Wissenschafter würden immer mehr Zeit für das lästige Antragschreiben und -lesen verwenden und weniger Zeit zum Forschen haben.«

So ein Übersetzungs-Gestammel geht vielleicht in der 6. Klasse noch durch ...

Und korrekt wärs dann wie? Bitte geben sie ein Beispiel.

Zum Beispiel wäre es näher am Originalzitat:

Wissenschafter verbrauchen immer mehr Zeit für das Schreiben und Einreichen von Föderanträgen.

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