Meeresreptilien des Mesozoikums hüllten sich in Dunkelheit

8. Jänner 2014, 19:01
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Schwedische Forscher untersuchten Vertreter dreier sehr unterschiedlicher Spezies - die Pigmentation war bei allen ähnlich

Lund - Bei der einstigen Farbgebung von Tieren, von denen nur Fossilien erhalten geblieben sind, ist man immer noch weitgehend auf Raten angewiesen. Immerhin tappt man nicht mehr völlig im Dunkeln - so konnten in den vergangenen Jahren einige Fortschritte bei der Rekonstruktion der Farben gefiederter Dinosaurier erzielt werden.

Forschungen zu ganz anderen Reptilienabkömmlingen, die ebenfalls im Mesozoikum (der Epoche vor 252 bis 66 Millionen Jahren) lebten, haben Forscher um Johan Lindgren von der schwedischen Universität Lund durchgeführt. Sie untersuchten Fossilien von drei sehr unterschiedlichen Meeresbewohnern und wiesen dabei das Hautpigment Eumelanin nach - was auf eine dunkle Färbung schließen lässt.

Das Sample

Untersucht wurden versteinerte Überreste eines gut 190 Millionen Jahren alten Ichthyosauriers, eines 86 Millionen Jahre alten Mosasauriers - eines riesigen Verwandten der heutigen Schlangen und Echsen - sowie eines Tiers aus dem frühen Känozoikum: Eosphargis breineri lebte vor 55 Millionen Jahren und war eine nahe Verwandte der heutigen Lederschildkröte.

Mit Massenspektrometer und Elektronenmikroskop wiesen die Forscher das Hautpigment Eumelanin nach, das eine dunkle Färbung bewirkt. Hinweise auf das für hellere Farben verantwortliche Pigment Phäomelanin fanden die Wissenschafter dagegen kaum, wie sie in der Fachzeitschrift "Nature" berichten. Bei den Ichthyosauriern glauben die Forscher, dass zumindest manche Arten dieser Tiergruppe vollständig dunkel waren. Die beiden anderen Tiere zeigen eher Anzeichen einer Konterschattierung: Oben dunkel, unten hell - dieses Muster tarnt sie jeweils vor der hellen Meeresoberfläche bzw. vor dem dunklen Meeresboden.

Vorteilhaft zurückhaltende Farbe

Die drei untersuchten Spezies sind nur sehr weitläufig miteinander verwandt - bei Schildkröten ist immer noch umstritten, wie nahe sie den übrigen Tieren, die herkömmlich als "Reptilien" zusammengefasst werden, überhaupt stehen. Dass drei derart unterschiedliche Arten eine ähnliche Färbung entwickelten, deute auf evolutionäre Vorteile hin, folgern die Forscher.

Die dunkle Farbe habe vermutlich unter anderem der Tarnung im Wasser gedient und zudem die Regulierung der Körpertemperatur verbessert. Damit habe sie wohl dazu beigetragen, dass die Tiere auch kühlere Regionen besiedeln konnten. (red/APA, derStandard.at, 8. 1. 2014)

  • Die Pigmentation dieser drei Tiere wurde untersucht. Von oben nach unten: Eine ausgestorbene Lederschildkrötenart, ein Ichthyosaurier und ein Mosasaurier.
    foto: stefan sølberg

    Die Pigmentation dieser drei Tiere wurde untersucht. Von oben nach unten: Eine ausgestorbene Lederschildkrötenart, ein Ichthyosaurier und ein Mosasaurier.

  • Diese Fossilien ermöglichten die Analyse. Von links nach recht: Schildkrötenhaut, Mosasaurier-Schuppen und eine Ichthyosaurier-Schwanzflosse.
    foto: bo pagh schultz, johan lindgren and johan a. gren

    Diese Fossilien ermöglichten die Analyse. Von links nach recht: Schildkrötenhaut, Mosasaurier-Schuppen und eine Ichthyosaurier-Schwanzflosse.

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