"Mit Geld haben Bitcoins eigentlich nichts zu tun"

8. Jänner 2014, 17:11
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Die virtuelle Währung begeistert eine bestimmte Anlegergruppe. Die Risiken sind aber gewaltig, warnt nach der Deutschen Bundesbank ein Nationalbank-Experte

Wien - Wer den Nervenkitzel liebt, muss nicht mehr Bungee-Jumpen oder Paragliden gehen. Man kann sich von seinem PC auf eine der Bitcoin-Marktplätze einloggen und in die derzeit weltweit beliebteste virtuelle Währung investieren. Innerhalb von 24 Stunden kann man gut 30 Prozent gewinnen oder verlieren - je nachdem, wie sich der Kurs gerade entwickelt. Bei kaum einem anderen, für Privatanleger zugänglichen Finanzprodukt sind solche gewaltige Sprünge möglich.

Aber Bitcoins sind auch anders als jede Währung oder jedes Wertpapier. Erfunden von einem unbekannten Programmierer unter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto, wird die Kryptowährung dezentral von Teilnehmern geschöpft, die dafür auf ihren Computern bestimmte komplexe mathematische Aufgaben lösen müssen. Die Ausgabe der Bitcoins ist auf 21 Millionen Stück bis zum Jahr 2050 beschränkt, derzeit sind ungefähr zwölf Millionen im Umlauf. Die Geldschöpfung wird von Tag zu Tag langsamer, und die Rechnungen werden immer komplexer. Das heißt, immer mehr Rechenleistung ist notwendig, um am Bitcoin-Fieber mitzunaschen.

"Bitcoin-Mine" in Island

Hunderte Supercomputer sind ununterbrochen im Einsatz, um neue Bitcoins zu schöpfen, ihre gemeinsame Rechenleistung kann es dabei mit der NSA aufnehmen. Eine der weltweit größten "Bitcoin-Minen" steht in Island, wo Strom billig und die Kühlung der Computer einfach ist.

Auf für die Registrierung aller Transaktionen, die ebenfalls dezentral verläuft, ist eine gewaltige Computerkapazität notwendig. Bisher hat es sich ausgezahlt. Wer vor einem Jahr um rund 20 Dollar ein Bitcoin erworben und auf seiner Festplatte gelassen hat, der hat bereits rund 5000 Prozent verdient. Der Anstieg wurde vor allem auf Nachfrage aus China zurückgeführt, wo Anleger mit Bitcoins die Kapitalkontrollen umgehen wollen. Seit Anfang Dezember pendelt der Bitcoin-Kurs um die 1000-Dollar-Marke - und das, obwohl Chinas Zentrabank Bitcoin-Geschäfte untersagt hat und diese Woche auch die Deutsche Bundesbank vor Investments in Bitcoin gewarnt hat. Denn diese seien höchst spekulativ.

Die Sorgen der Bundesbank teilt Beat Weber, Experte in der internationalen Abteilung der Oesterreichischen Nationalbank, der sich wissenschaftlich mit Bitcoins beschäftigt. "Bitcoins sind als Anlageobjekt extrem riskant. Sie sind ein reines Spekulationsobjekt, bei dem man, je nachdem wann man ein- oder aussteigt, große Gewinne oder Verluste erwirtschaften kann" sagt Weber. Auch für Transaktionen sind Bitcoins ein Vabanquespiel, denn "es stellt sich immer die Frage, wer das Kursrisiko trägt." Aller Ankündigungen zum Trotz hätte "kein Händler einen Anreiz, Bitcoins als Recheneinheit zu verwenden."

Dass der Bitcoin-Kurs trotz all dieser Bedenken und Warnungen nicht einbricht, hat laut Weber mehrere Gründe. "Ein beschränktes Angebot stößt auf eine wachsende Nachfrage. Die eine Gruppe wird von weltanschaulichen Motiven getrieben, einer libertären Weltanschauung. Eine zweite Gruppe ist auf der Suche nach einem Anlageobjekt in unsicheren Zeiten, und eine zunehmend professionelle Gruppe sucht ein spekulatives Anlagegut. Eine vierte Gruppe, die Bitcoins für illegale Transaktionen nutzen wollte, wurde durch Behördenschritte in die Schranken gewiesen." Technisch seien Bitcoins äußerst spannend, "aber mit Geld hat das eigentlich nichts zu tun", sagt Weber. "Ich sehe nicht, wie sie zu einem Geldersatz werden können, weil sie zentrale Geldfunktionen nicht erfüllen können. Es fehlt ihnen die Grundstabilität und staatliche Versicherungsinstanz, die im Allgemeinen für Geldverkehr als notwendig angesehen wird."

Die Behörden könnten nicht viel tun, außer zu warnen. Denn weil Bitcoins an keine offizielle Währung gebunden sind, fallen sie nicht unter die E-Money-Richtlinie der EU. Und ein Verbot, so Weber "wäre vielleicht extrem". (Eric Frey, DER STANDARD, 9.1.2014)

  • Nach einem dramatischen Anstieg im Vorjahr schwankt der Bitcoin-Dollar-Kurs derzeit mit großen Ausschlägen um die 1000 Dollar.
    foto: ap/bowmer

    Nach einem dramatischen Anstieg im Vorjahr schwankt der Bitcoin-Dollar-Kurs derzeit mit großen Ausschlägen um die 1000 Dollar.

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