Israel verstärkt Truppen im Westjordanland

8. Jänner 2014, 16:38
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Jüdische Siedler wollten palästinensisches Eigentum zerstören - Palästinenser retteten sie vor wütenden Menschenmenge

Jerusalem - Israel hat seine Truppen im Westjordanland am Mittwoch wegen gewalttätiger jüdischer Siedler verstärkt. Die Siedler waren nach palästinensischen Angaben am Dienstag in das Dorf Kfar Kusra in der Region Nablus eingedrungen, um palästinensisches Eigentum zu zerstören. Verteidigungsminister Moshe Yaalon verurteilte zugleich Angriffe auf Palästinenser scharf als "Terror".

Die Einwohner von Kfar Kusra trieben die etwa 20 rechtsgerichteten Israelis, nachdem sie in das Dorf eingedrungen waren, in die Enge und verprügelten sie. Erst couragierte ältere Palästinenser konnten sie vor der wütenden Menschenmenge schützen und einen möglichen Lynchmord verhindern, wie die Zeitung "Jerusalem Post" berichtete. Eine solche Eskalation hätte das Ende der von US-Außenminister John Kerry vermittelten Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern bedeuten können.

Mit Eisenstange beschützt

Der Dorfvorsteher von Kfar Kusra, Abdel Azim Wadi, habe die Israelis aus der illegalen Siedlung Esh Kodesh mit einer Eisenstange in der Hand beschützt, berichtete die Zeitung "Yediot Achronot". Andere Palästinenser hätten israelische Soldaten zur Hilfe gerufen, die die blutenden Siedler unter Schmährufen der Dorfbewohner abführten. "Das nächste Mal bringen wir euch um", hätten Palästinenser gerufen.

Man werde ohne Nachsicht gegen Siedler vorgehen, die Racheakte gegen Palästinenser verübten, sagte Yaalon laut seinem Büro. "Wir werden es radikalen und gewalttätigen Randgruppen nicht erlauben, Land unter ihre Kontrolle zu bringen, das ihnen nicht gehört, und Palästinenser zu bedrohen, die ihr Land bearbeiten."

Siedlerkreise schworen Rache für die Demütigung. In der Nacht setzten Unbekannte in dem nahe gelegenen Palästinenserdorf Madama zwei Autos in Brand und sprühten unter anderem das Wort "Rache" und einen Davidsstern an ein Gebäude. "Wir wurden erniedrigt und jedes Kind in Kusra weiß, dass sie dafür bezahlen werden", zitierte "Yediot Achronot" einen Siedler.

Die Palästinenser in Kfar Kusra bezichtigten die teilweise vermummten Siedler, sie hätten ihr Eigentum und ihre Olivenbäume zerstören wollen. Siedler sind für solche Übergriffe berüchtigt. Sobald Israel gegen auch nach israelischem Recht illegale Außenposten im Westjordanland vorgeht, greifen Siedler Palästinenser an. Die am Vortag verprügelten Israelis sagten jedoch, sie hätten sich nur auf einer Wanderung befunden. Dies wurde jedoch in israelischen Sicherheitskreisen als offensichtliche Lüge abgetan. Kein Siedler wandere einfach so in ein Palästinenserdorf, hieß es. (APA, 8.1.2014)

  • Die Extremisten zündeten Autos der Palästinenser an.
    foto: ap/ishtayeh

    Die Extremisten zündeten Autos der Palästinenser an.

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