"NZZ" nimmt sich "Spiegel", Springer vor

8. Jänner 2014, 16:38
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Eigene "Neue Zürcher"-Plattformen für Österreich und später Deutschland? Der neue NZZ-Konzernchef aus Österreich peilt jedenfalls den deutschsprachigen Markt an. Er will den diesen im Web "nicht kampflos" Springer und "Spiegel" überlassen

Wien - Die Konkurrenz streue  eben gern Gerüchte: Das sagen Medienunternehmen gerne über Gerüchte, die sie betreffen. Wenn etwa der Tages-Anzeiger von Expansionsplänen der Neuen Zürcher Zeitung berichtet.

Die Konzernführung habe beim Verwaltungsrat eine neue NZZ-Onlineplattform für Österreich (wohl als Testmarkt) und später für Deutschland  beantragt (DER STANDARD berichtete).

Bestätigungen oder Kommentare sind vorerst nicht zu bekommen – aber auch kein Dementi. Dem STANDARD erklärt Konzernsprecherin Bettina Schibli: "Die NZZ-Mediengruppe prüft immer wieder mögliche Expansionen in neue Medienprodukte und Märkte. Was wir gerade prüfen, geben wir aber nicht öffentlich bekannt." –  "Derzeit keine Stellungnahme".

Fleischhacker für Ösi-"NZZ"?

Schon spekulieren Wiener Medienmacher, wer für die Ösi-"NZZ"  infrage käme. Und tippen etwa auf Michael Fleischhacker, früher "Presse"-Chefredakteur, der zuletzt selbst ein Onlinemedium konzipierte, bisher aber nicht umsetzte. Fleischhacker schweigt erst einmal, als ihn der STANDARD auf ihn und die NZZ-Pläne anspricht.

Den strategischen Ansatz hinter dem kolportierten Plan schien der neue NZZ-Konzernchef gerade bei einer Schweizer Verlegertagung. "Wir werden uns in Zukunft stärker darauf besinnen, dass wir ein deutschsprachiges Medium sind, dessen Markt annähernd 100 Millionen Menschen umfasst", sagte der Österrreicher Veit Dengler: "Ich sehe nicht ein, dass wir diesen Markt kampflos unseren nördlichen Nachbarn überlassen, auch wenn ich vor Verlagshäusern wie Axel Springer oder dem Spiegel-Verlag höchsten professionellen Respekt habe."

"Stärkerer Fokus auf Online- und Mobil-Geschäft"

Die NZZ-Gruppe habe ihr "Onlinegeschäft nicht entschlossen genug ausgebaut", findet Dengler: "Unsere Online-Erlöse liegen mit zehn Prozent deutlich unter den Werten des Mitbewerbs."

Dengler spricht von "Veränderungsbedarf" im Konzern: "Unsere Profitabilität hängt zu stark an den rückläufigen Print-Abonnements und den unter Druck geratenen Werbeeinnahmen. Noch ist unsere Kriegskasse gut gefüllt, aber es ist klar, dass wir in ein, zwei Jahren in Schieflage geraten würden, wenn wir jetzt nicht handelten." Heißt: "stärkerer Fokus auf Online- und Mobil-Geschäft". Dengler: "Du sollst die neuen Medien nicht nach dem Bild der Printmedien gestalten. Für jeden Technikhistoriker ist es eine banale Einsicht: Neue Medien werden zunächst wie die Vorläufermedien verwendet. Der Durchbruch wird erst erzielt, wenn man beginnt, die ihnen eigenen Strukturen und Gesetzmässigkeiten zu begreifen und zu nutzen."

Dengler ist überzeugt, dass man auch im Web für Qualitätspublizistik Geld verlangen kann. Und er will über User Generated Content "verstärkt Dialog mit den Nutzern aufbauen". (fid, DER STANDARD, 9.1.2014)

Nachlese
"Neue Zürcher" soll Onlineredaktion für Österreich planen - NZZ-Mediengruppe will ins Ausland expandieren, berichtet Schweizer "Tagesanzeiger"

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  • "Markt von 100 Millionen": NZZ-Boss Veit Dengler.
    foto: nzz-mediengruppe

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