Eine gut erzählte Geschichte erhöht das Umweltbewusstsein ... angeblich

12. Jänner 2014, 18:03
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Forscher messen die Vorbildwirkung von fiktionaler Literatur - Absichten und Taten müssen einander jedoch nicht entsprechen

Koblenz - Medienberichte, Aufrufe zu umweltbewusstsem Verhalten und praktische Tipps dazu gibt es zuhauf. Wie wirksam diese sind, ist ein Kapitel für sich. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Es handelt sich gewissermaßen um Sachliteratur. Wie aber sieht es mit fiktionaler Literatur aus - könnte diese eine Art Vorbildfunktion erfüllen?

Dieser Frage gingen Medienpsychologen der Universität Koblenz-Landau anhand von Kurzgeschichten nach und berichten darüber im "Journal of Communication". "Zahlreiche medienpsychologische Studien der vergangenen Jahre deuten bereits darauf hin, dass fiktionale Erzählungen die Einstellungen und Überzeugungen der Rezipienten beeinflussen", sagt Markus Appel vom Institut für Kommunikationspsychologie und Medienpädagogik der Uni Koblenz-Landau. Das gelte selbst dann, wenn die Leser bestens darüber Bescheid wüssten, dass es sich um eine erfundene Geschichte handelt. "Bislang gab es aber keine stichhaltige Forschung zu Fiktionen im Hinblick auf Umweltverhalten, obwohl solche Wirkungen beispielsweise im Kontext des Films 'Avatar' breit diskutiert wurden", so der Studienautor.

Der Versuch

Um den Einfluss einer Kurzgeschichte auf ökologische Verhaltensweisen zu beleuchten, haben Appel und seine Kollegin Martina Mara eine dreiseitige Unterhaltungsgeschichte mit Informationen zu Sprit sparendem Autofahren versehen. Nach der Lektüre wurden die Leser gefragt, wie sehr sie die effizienzsteigernden Maßnahmen, die im Text geschildert wurden, in Zukunft selbst anwenden werden.

Die Ergebnisse waren gemischt - und zwar so, wie man es vermutlich erwarten würde: Die mit Umwelt-Informationen versehene Geschichte führte bei den befragten Lesern dazu, dass sich ihre erklärte Absicht, sich umweltfreundlicher zu verhalten, signifikant erhöhte. Als die Autofahrer dann drei Wochen später zu ihrem tatsächlichen Fahrverhalten befragt wurden, zeigten sich allerdings weniger klare Effekte. (red, derStandard.at, 12. 1. 2014)

 

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