Quote sticht Oberlehrer

8. Jänner 2014, 17:00
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In der Doku "Die Macht der ­Zuschauer" auf 3sat, versichern die Gebührensender wie üblich, stehe über allem der Programmauftrag

28 Millionen deutsche Fernsehzuschauer: Auch 28 Jahre später hat das den Weißkitteln der "Schwarzwaldklinik" (bis auf die Fußballer) noch keiner nachgemacht. Aber ist die Quote wirklich Maß aller Fernsehdinge?

In der Doku "Die Macht der ­Zuschauer", Donnerstag 20.15 Uhr auf 3sat, versichern die Gebührensender wie üblich, stehe über allem der Programmauftrag. Aber! Wenn die Meldungslage es erlaubt, werde sehr wohl optimiert, gesteht Anne Reidt vom "heute journal": Dann "kascht" man etwa jene, von der gefühlsbetonten Ärzteserie just ins Nachrichtenformat "rübergespülten" Zuseher mit dem passenden Beitrag: also eher mit emotionalen Reportagen als mit "grauer" Kost. Nach Quote programmieren? Nur untergeordnet!

"Alles Blödsinn", bestreitet das Ulrich Meyer vom privaten Konkurrenten Sat.1. Reichweitenerwartungen seien sogar Vertragsbestandteil und die gute Quote im Endeffekt wichtiger als das Pläsier des Chefredakteurs. Und: "Ein Massenmedium ist ein Massenmedium ist ein Massenmedium". Das sitzt. Gegen die Macht der Masse hilft dem Nischengucker nur noch Digitalspartenheld Jan Böhmermann (ZDF neo): "Kluges Programm muss an relevanter Stelle gezeigt werden."

17 Millionen Euro pro Jahr ist den deutschen Sendern die Fernsehschicksale bestimmende Quotenforschung pro Jahr wert. Die Techniken werden variantenreicher und in den USA immer perfider; Internetfernsehen bereitet den Quotenzählern am meisten Kopfzerbrechen. Und obwohl die Quote umstritten ist, ihre Zukunft ungewiss, ist der Glaube der Medienleute an die Macht der Zahl ungebrochen: "Ohne Quote wäre es ein Stück mehr Oberlehrerfernsehen." Frustrierend visionslos. (Anne Katrin Feßler, DER STANDARD, 8.1.2014)

  • "Die Macht der ­Zuschauer", Donnerstag, 20.15 Uhr, 3sat.
    foto: ard/3sat

    "Die Macht der ­Zuschauer", Donnerstag, 20.15 Uhr, 3sat.

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