Schwellenländer bleiben Risiko-Terrain für Anleger

8. Jänner 2014, 14:42
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Frankfurt - Die Kursturbulenzen in Schwellenländern haben Investoren 2013 einige Kopfschmerzen bereitet. Besserung ist nach Einschätzung von Experten vorerst nicht in Sicht. Wegen der Straffung der US-Geldpolitik fließt weniger ausländisches Kapital in die aufstrebenden Volkswirtschaften.

Für zusätzliche Verunsicherung sorgen die anstehenden Wahlen in zahlreichen Ländern wie Brasilien, Indien, Indonesien, Südafrika oder der Türkei. In den sogenannten "Fragilen Fünf", die besonders stark auf ausländisches Kapital angewiesen sind, sind Parlaments- oder Präsidentenwahlen - in Indonesien sogar beides - geplant. Dort hat die Konjunktur bereits stark an Fahrt verloren.

Risiko von Kapitalflucht

"Die Aussicht auf diese Ereignisse könnte den Kapitalzufluss vorübergehend weiter verringern", warnen die Experten des Vermögensverwalters M&G Investments in einem Kommentar. Es bestehe sogar das Risiko von Kapitalflucht. Daher erwarten sie einen steigenden Bedarf an Absicherungsgeschäften gegen Währungsverluste oder fallende Anleihekurse.

Angesichts der nachlassenden Flut billigen Notenbankgeldes werden Investoren wählerischer bei der Auswahl ihrer Geldanlagen. Sie ziehen Geld vor allem aus Ländern ab, deren Wachstum auf Pump finanziert ist und auf wackligen Beinen steht - allen voran aus den "Fragilen Fünf".

M&G zufolge verbuchten Anleger mit Schwellenländer-Bonds im vergangenen Jahr selbst unter Berücksichtigung der Zinszahlungen Verluste. Das sei erst das dritte Mal seit 1998. Auf Dollar & Co lautende Staatsanleihen hätten ein Minus von 5,25 Prozent eingefahren, Bonds in den heimischen Währungen sogar neun Prozent. Unternehmensanleihen in Fremdwährungen seien mit einem Verlust von 0,6 Prozent vergleichsweise glimpflich davongekommen.

Weckruf für die Schwellenländer

"2013 war ein Weckruf für die Schwellenländer", betont Yacov Arnopolin, leitender Portfolio-Manager für Schwellenländer-Anleihen bei Goldman Sachs Asset Management. Anleger drängten stärker auf Reformen. "Die Nachricht ist angekommen."

Indien und Mexiko haben bereits damit begonnen, ihre Haushalte zu sanieren, indem sie Subventionen kürzten oder Energiepreise anhoben. Andere Staaten wie Russland oder Südafrika scheuen bisher ähnliche Einschnitte und hoffen auf anhaltend hohe Einnahmen aus ihren Rohstoff-Exporten.

Die anstehenden Wahlen seien eine weitere potenzielle Reformbremse, warnen die Experten des Research-Hauses Capital Economics. "Die amtierenden Regierungen könnten versuchen, die Chancen für eine Wiederwahl mit populären Ausgabenplänen zu erhöhen und damit das Leistungsbilanzdefizit zu vergrößern."

Zusätzliche Kopfschmerzen bereiten Investoren unvorhersehbare Ereignisse wie Unruhen. Die Kursturbulenzen als Folge des "Arabischen Frühlings" oder des jüngsten Aufstands in der Ukraine haben viele von ihnen kalt erwischt. Darum halten Fondsmanager Ausschau nach Frühwarnsystemen.

"Sovereign Risk Index"

Eines davon ist der "Sovereign Risk Index", in dem Blackrock vierteljährlich 50 Staaten benotet. Dabei bezieht der weltgrößte Vermögensverwalter den Bedarf an ausländischem Kapital, die Steuerpolitik, die Stabilität des Finanzsektors sowie politische Risiken in seine Bewertung ein. Die zum Jahreswechsel neu in den Index aufgenommene Ukraine rangiert auf Platz 45.

Ein Echtzeit-Frühwarnsystem skizzieren die vier Universitätsprofessoren Geert Bekaert, Campbell Harvey, Christian Lundblad und Stephen Siegel in einem Aufsatz für das National Bureau of Economic Research. Hierfür rechnen sie aus den Risiko-Aufschlägen für Staatsanleihen der Schwellenländer die nicht-politischen Faktoren wie Konjunktur oder das Volumen der im Umlauf befindlichen Papiere heraus. Angewandt auf die bisherigen Krisen betonen die Autoren in ihrer Studie, dass der Anstieg dieser Politikrisiko-Aufschläge um einen Prozentpunkt den Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen um zwölf Prozent oder durchschnittlich 305 Mio. Dollar (223,6 Mio. Euro) nach sich gezogen hat. (APA/Reuters, 8.1.2014)

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