Prozess in Wien um illegale Parkpickerl

8. Jänner 2014, 17:02
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Ein Gemeindebediensteter stellte 400 Parkpickerl schwarz aus. Vier seiner Abnehmer wollen nicht gewusst haben, dass der Mittelsmann dem Beamten dafür Geld gegeben hat

Wien - Die drei Brüder S. sind eigentlich grundsolide Mitbürger. Unbescholten, einer ist Lehrer an einem höchst angesehenen Gymnasium, einer hat einen Handyshop. Zwischen 21 und 37 Jahren sind sie alt, nun sitzen sie gemeinsam mit einem Freund wegen Bestechung und Anstiftung zum Amtsmissbrauch vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Beate Matschnig. Sie sollen nämlich ein ausnehmend günstiges, aber illegales, Angebot für Parkpickerl genutzt haben.

Die Sache funktionierte so: Ein korrupter Vertragsbediensteter der Gemeinde hatte in seinem Büro die Rohlinge des Pickerls liegen. Über einen Mittelsmann erhielt er Kennzeichen und Wunschbezirk der "Kunden", stellte die Berechtigungen aus und teilte sich mit dem Mittelsmann das Geld.

Rund 400-mal soll der Mann so insgesamt ein paar tausend Euro verdient haben, gegen ihn wird extra verhandelt. Die Angeklagten vor Matschnig sind ein kleiner Ausschnitt der Abnehmer, die quer durch alle Gesellschaftsschichten zu finden sind.

180 statt 327,80 Euro

Dass sie etwas falsch gemacht haben, gestehen die von Verteidiger Michael Schnarch Vertretenen unumwunden ein. Nur: Mit Bestechung wollen sie nichts zu tun haben. Den Mittelsmann B., der nicht erschienen ist, habe er aus seinem Geschäft gekannt, beginnt Ariel S. zu erzählen. "Er hat gesagt, er kann mir das Pickerl billiger verschaffen. Für 180 Euro für zwei Jahre." "Da haben Sie aber einen ordentlichen Rabatt bekommen", entgegnet die Vorsitzende. "Ich dachte, er hat Beziehungen."

Und überhaupt: Er wollte eigentlich gar kein Geschäft machen, sondern sich nur Zeit für die Antragsformalitäten sparen. "Wenn Sie 180 statt 327,80 Euro zahlen, ist das aber ein Geschäft. Sie sind ja ein Geschäftsmann", grollt Matschnig.

S. empfahl das Sonderangebot seinen Brüdern und einem Freund weiter. Die Vorstellung, dass irgendein Beamter dafür geschmiert werden muss, kam angeblich keinem der Angeklagten. "In dem Moment, wo mir jemand sagt, er kennt wen beim Magistrat und das Pickerl um den Preis anbietet, muss das eine Linke sein", merkt Matschnig an, ehe sie vertagt. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 09.01.2014)

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