Christkind spaltet die ÖVP

Kommentar8. Jänner 2014, 14:10
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Die Folge könnte eine Obmanndebatte sein

Der ÖVP-Chef bleibt bei seinem Nein zur gemeinsamen Schule der Zehn- bis 14-Jährigen: Michael Spindeleggers verspätete Identifikation mit dem Christkind ist die katholische Version von Niki Laudas "Hab nichts zu verschenken" und spiegelt zweierlei. Erstens die Degradierung einer gesellschaftspolitischen Schlüsselfrage zum Konsumobjekt. Zweitens die Abkanzelung von Teilen der ÖVP, denen autoritär mitgeteilt wird, dass ihre Wünsche "unerfüllbar" seien.

Da Schulfragen (zur Zukunft der Kinder) immer schon erheblichen Sprengstoff bargen, hat der ÖVP-Chef mit seiner schroffen Ablehnung des Vorarlberger Vorstoßes eine weitere politische Bombe mitten in die eigene Partei gelegt. Die erste Bombe war die Abhalfterung des Tiroler Wissenschaftsministers Töchterle, die nur mühsam entschärft wurde.

Auf einer breiten Bildungsfront zeigen sich immer mehr Klüfte zwischen einer Ost-ÖVP (Spindelegger plus Neugebauer) und einer West-ÖVP von Salzburg bis Vorarlberg, wo europäische Entwicklungen offenbar stärker hineinwehen als im niederösterreichischen Flachland.

Die wachsende Spaltung stellt somit auch die Integrationskraft Spindeleggers auf eine Probe. Und könnte zu einer Obmanndebatte führen. (Gerfried Sperl, derStandard.at, 8.1.2014)

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