Dennis Rodman bringt Diktatorfreund Kim ein Geburtstagsständchen

8. Jänner 2014, 14:19
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Der Ex-Basketballstar singt und spielt Basketball in Nordkorea - Auf kritische Fragen eines Moderators reagiert er mit Gebrüll

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un wünschte sich zum Geburtstag ein Basketballmatch mit bekannten US-Assen. Der Wunsch des jungen Marschalls, von dem auch an seinem Ehrentag offiziell nicht verraten wurde, ob er 30 oder schon 31 Jahre alt wurde, ging am Mittwoch in Erfüllung. Ex-NBA-Star Dennis Rodman, eigens aus den USA angereist, bestritt mit einem halben Dutzend weiterer US-Basketballer und Nordkoreas Nationalspielern ein Freundschaftsspiel in Pjöngjang zu Ehren des Diktators, der mit seiner Frau ins Stadion gekommen war, meldete Chinas Nachrichtenagentur Xinhua Mittwochnacht (Ortszeit). Kim bekam noch eine besondere Zugabe. Als Präsent für seinen "guten Freund" habe Rodman vor Kim zum Jubel des mitsingenden Publikums angestimmt: "Happy birthday to you."

Ausländische Diplomaten durften dabei sein, nicht aber die wenigen akkreditierten Journalisten in Pjöngjang. Selbst Xinhua musste sich das Geschehen von den Zuschauern nacherzählen lassen. Eigentlich hätte Rodman zwölf US-Basketballer mitbringen sollen, darunter mindestens zwei frühere Spieler der Chicago Bulls, für die er einst spielte und die Kim seit seiner Internatszeit in der Schweiz über alles liebt. Rodman hatte das im Dezember in Peking auf der Durchfahrt nach Pjöngjang angekündigt, als er das Geburtstagsmatch vorbereitete. Doch als der 52-Jährige nun am Dienstag in Pjöngjang eintraf, begleiteten ihn nur sechs seiner Sportskollegen auf den spektakulären Trip ins verrufene Nordkorea. Dem Korrespondenten der AP, die als einzige westliche Nachrichtenagentur in Pjöngjang mit einem Fotoreporter akkreditiert ist, sagte er, dass sich die anderen NBA-Veteranen nicht trauten, ihn zu begleiten. Vergeblich habe er sie zu überreden versucht.

"Clown"

Dennoch sprach Rodman unverdrossen von einem neuen Kapitel in der "Basketball-Diplomatie", das er schreibe und das die Fronten zwischen den USA und Nordkorea aufweichen solle. Washington nennt ihn nur einen "Clown". Für jede Schlagzeile dankbar, lasse er sich vor den Karren der Propaganda eines Unrechtsregimes spannen, das wegen seiner Atomtests und Raketen unter weltweiten Sanktionen steht. Und vor den Karren von Diktator Kim, der gerade seinen politischen Vormund und Onkel hinrichten ließ.

Der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, sagte, was Washington auch zu den ersten drei Nordkorea-Besuchen Rodmans 2013 gesagt hatte: Er sei nicht der Botschafter der USA, seine Selbstdarstellungsschau sei abstoßend. Auch die NBA-Liga distanzierte sich inzwischen von Rodman.

Ein Lackmustest wäre, ob Rodman seinen Freund Kim wenigstens zur Goodwill-Geste für den seit November 2012 eingesperrten und zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilten US-koreanischen Christen Kenneth Bae bewegen kann. Der Missionar war verhaftet worden, als er mit einer Reisegruppe in Nordkorea einreiste. Die US-Regierung hat ihren Appell an Kim wiederholt, den Gefangenen aus humanitären Gründen zu amnestieren.

Vor seiner zweiten Reise im vergangenen Sommer hatte Rodman auf Fragen von Huffington TV in den USA lauthals erklärt, wenn er Kim wieder treffe, werde er ihn nach der Freilassung von Bae fragen. "Ich werde ihm sagen: Marshall, warum wird dieser Kerl als Geisel festgehalten? Ich kann so versuchen, ihn milder zu stimmen." Doch auf dem Weg nach Nordkorea hatte Rodman alle guten Vorsätze vergessen.

Rodman brüllt Moderator an

Jetzt, auf seinem vierten Trip, reagierte er im CNN-Interview in Pjöngjang überaus gereizt. Mit der Zigarre in der Hand, die anderen sechs Ex-NBA-Spieler saßen verlegen hinter ihm, brüllte Rodman den CNN-Moderator an: "Ich scheiß drauf, was Sie denken." Ob alle die, die ihn fragten, überhaupt wüssten, warum Bae verurteilt wurde. "Nein, nein, nein. Sagt mir erstmal, warum er gefangen gehalten wird. Darüber würde ich gerne mit euch reden."

Im Februar 2013 war Rodman, damals noch mit der Showtruppe Harlem Globetrotters, nach Pjöngjang gekommen, für einen Dokumentarfilm, den das Kabelfernsehen HBO drehte und finanzierte. Das erste gemischte Spiel ging 110-110 aus. Zwölf Spieler Nordkoreas und vier Harlem Globetrotters nahmen daran teil. Eigentlich hatte sich Basketball-Fan Kim Superstar Michael Jordan als Vorspieler gewünscht. Von dem hatte die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright einmal einen handsignierten Ball mitgebracht, als sie Junior-Kims Vater Kim Jong-il besuchte. Doch Jordan winkte ab. Dafür sprang der gepiercte Rodman ein, der sich bald als "Freund auf Lebenszeit" rühmen durfte.

Traditionelle Basketball-Liebe

Kim kam nicht nur selbst zum ersten Spiel 2013. Er umarmte Rodman, ging mit ihm essen, nahm ihn auch zu seiner Familie mit und zeigte ihm sein neugeborenes Baby. Außer der Neuigkeit, dass Kims Frau Ri Sol-ju ein Mädchen geboren hatte und es auf den Namen Ju-ae hören soll, brachte Rodman nichts von seinen Reisen mit. Kim Jong-un, der heute die Familiendiktatur in Nordkorea fortsetzt, vertraute Rodman an, sein Vater und sein Großvater hätten schon Basketball geliebt. Auch da führe er die Familientradition weiter.

Diesmal zum Geburtstagsmatch waren unter Rodmans Mitspielern ein halbes Dutzend frühere NBA-Stars - Kenny Anderson, Cliff Robinson, Vin Baker, Craig Hodges, Doug Christie und Charles D. Smith - dabei. Die Spesen zahlen ein irisches Wettbüro und, nach südkoreanischen Angaben, vor allem Nordkoreas Nationales Olympisches Komitee. Die US-Spieler, die alle in Geldnot sein sollen, erhielten offenbar großzügige Honorare. Rodman spielte die erste Hälfte mit. Dann sah er sich die zweite Hälfte zusammen mit den Kims vom Zuschauerpodest aus an. Die erste Partie endete 39-47 gegen das Team mit Rodman. Das zweite Spiel mit gemischten Mannschaften ging 63-54 aus.

Nordkorea wolle, dass er die Olympia-Mannschaft für 2016 trainiert, sagte Rodman. Er fühle sich als ein Vermittler der Freundschaft, hatte er schon nach seinem ersten Besuch im Februar 2013 gesagt. Kim habe ihm damals eine Botschaft mitgegeben. Der junge Machthaber wünsche sich, dass ihn US-Präsident Barack Obama anrufe.

"Es ist alles Liebe"

Das Telefonat unterblieb bis heute. Doch Rodman kommt seither immer wieder. Es gehe ihm nicht um "Gewinnen oder Verlieren. Es geht nur darum, zwei Länder zu vereinen. Was ich hier mache, tue ich für die Jugend, für das Land, für mein Land und eigentlich für die gesamte Welt. Leute, habt doch keine Angst. Das hier ist alles voller Liebe. Es ist alles Liebe."

Als weiteres Zeichen seiner Werbung um die USA erlaubte Nordkorea am Mittwoch, dass bei seinem nächsten Mangyongdae-Marathon am 14. April erstmals auch US-Bürger und andere Ausländer mit an den Start gehen dürfen. Die US-Reiseagentur Uri Tours erfuhr das von ihren Pjöngjanger Partnern. Der lange Lauf am 14. April hat auch mit einem Geburtstag zu tun. Der 15. April ist in Nordkorea nationaler Feiertag. An dem Tag hatte Kims Großvater Kim Il-sung Geburtstag. (Johnny Erling aus Peking, derStandard.at, 8.1.2014)

  • Gruppenfoto.
    foto: reuters/kcna

    Gruppenfoto.

  • Ein Geburtstagsständchen für Kim Jong-un. Vorgetragen von Dennis Rodman, dem "Freund auf Lebenszeit".
    foto: ap photo/kim kwang hyon

    Ein Geburtstagsständchen für Kim Jong-un. Vorgetragen von Dennis Rodman, dem "Freund auf Lebenszeit".

  • Applaus für die Gesangsperformance.
    foto: ap photo/kim kwang hyon

    Applaus für die Gesangsperformance.

  • Basketball wurde übrigens auch gespielt.
    foto: ap photo/kim kwang hyon

    Basketball wurde übrigens auch gespielt.

  • Und auch ein Plausch zwischen Kim und Rodman geht sich aus. Gattin Ri Sol-ju konzentriert sich aber weiter auf das Spiel.
    foto: epa/kcna

    Und auch ein Plausch zwischen Kim und Rodman geht sich aus. Gattin Ri Sol-ju konzentriert sich aber weiter auf das Spiel.

  • In Südkorea wurde gegen das Schauspiel protestiert.
    foto: reuters/kim hong-ji

    In Südkorea wurde gegen das Schauspiel protestiert.

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