Migräne: Selbst Ritual des Tablettenschluckens hilft

8. Jänner 2014, 20:00
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Laut einer Studie fühlen sich Migräne-Patienten, die wissentlich Placebos schlucken, besser als Betroffene, die gar keine Tabletten zu sich nehmen

Boston - Auch wirkstofflose Tabletten können gegen Migräne helfen. Das gilt einer Studie zufolge sogar dann, wenn die Patienten wissen, dass sie Placebos einnehmen. Allerdings erreichte ein Placebo im Durchschnitt nicht die Wirkung einer echten Tablette, betonen Forscher der medizinischen Fakultät der Harvard-Universität in Boston.

Für ihre Studie behandelten die Wissenschaftler 66 Menschen während insgesamt 459 Migräne-Anfällen. Dabei verabreichten sie entweder Tabletten mit dem Wirkstoff Rizatriptan, ein Placebo oder gar kein Präparat. Erwartungsgemäß wirkten die Placebos bei Patienten, die der Meinung waren, sie nähmen tatsächlich Medizin ein. Doch auch Menschen, die wissentlich wirkstofflose Präparate schluckten, fühlten sich anschließend besser als jene Patienten, denen gar keine Pille verabreicht wurde.

"Gelernter, unwillkürlicher, reflektorischer Vorgang"

Die Studienleiterin und Neurologin Slavenka Kam-Hansen vermutet, dass nicht nur die Erwartung der Patienten Migränebeschwerden lindern kann, sondern auch das Ritual des Pillenschluckens: "Anders als die klassische Weisheit, dass Patienten auf Placebos ansprechen, weil sie denken, dass sie ein wirksames Medikament bekommen, stützen unsere Ergebnisse die These, dass selbst die offene Verabreichung von Placebos bei der Behandlung hilft."

Für das Reizdarmsyndrom und Depression haben Studien nach Angaben der US-Forscher in den vergangenen Jahren ebenfalls eine therapeutische Wirkung von Placebos bestätigt - auch wenn die Patienten über die Verabreichung der wirkstofflosen Präparate informiert wurden.

Die Wirkung der wissentlich eingenommenen Placebos könne Folge der Erfahrung sein, dass Tabletten normalerweise Schmerzen lindern, lautet das Kommentar von Ulrike Bingel, Leiterin der Schmerzambulanz der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen. Demnach fühlen Patienten eine Verbesserung, nur weil sie eine Pille eingenommen haben. "Das ist ein gelernter, unwillkürlicher, reflektorischer Vorgang ", resümiert die Expertin. (APA/red, derStandard.at, 8.1.2014)

  • Forscher konnten beobachten, dass Migräne-Patienten eine Verbesserung verspüren, nur weil sie eine Pille eingenommen haben.

    Forscher konnten beobachten, dass Migräne-Patienten eine Verbesserung verspüren, nur weil sie eine Pille eingenommen haben.

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