Über den Wolken ist Macholand

8. Jänner 2014, 13:30
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Die Luftfahrtbranche sucht nach Frauen in Fach- und Führungspositionen. Dafür muss sich einiges ändern

Die Nachricht, dass in der Luftfahrt mehr Frauen – Pilotinnen und Managerinnen – gebraucht und daher auch gesucht werden, erstaunt nicht. Es erhärtet sich der Verdacht, dass immer, wenn eine Branche in eine Krise schlittert oder sich darin befindet, Frauen als Fach- und Führungskräfte gesucht werden. Nämlich plötzlich "händeringend". Und auffallend oft dann, wenn die männlichen Kollegen zum Beispiel gegen eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und/oder Gehälter protestieren.

Kein Zweifel besteht jedenfalls darin, dass der Traum vom Fliegen universell, seine Umsetzung aber eher Männern vorbehalten ist. In Österreich, wie auch in Deutschland stiegen erstmals 1988 Frauen ins Cockpit einer Linienmaschine. Der Frauenanteil ist 25 Jahre später nicht wirklich vom Boden gekommen. Bei Lufthansa etwa liegt der Frauenanteil im Cockpit von Lufthansa, Lufthansa Cargo und mit rund 300 Pilotinnen bei knappen sechs Prozent. In Österreich sind es nicht einmal fünf Prozent Frauen unter den Piloten. In Deutschland kommen lediglich 20 Prozent aller Bewerbungen von Frauen.

Hausgemachter Pilotinnenmangel

Hört und liest man aber Sätze wie jene eines Talentmanagers bei Lufthansa: "Das Berufsbild des Piloten wird nach wie vor mit typisch männlichen Interessen in Verbindung gebracht", oder "Die Begeisterung für große Maschinen ist bei Männern eher intuitiv vorhanden" darf man sich über die geringe Bewerberinnenzahl nicht wundern. Die Bemerkung, dass Frauen die Voraussetzungen grundsätzlich genau so gut wie Männer erfüllen und die gleichen Karrierechancen in der Branche haben, fügt sich passgenau ins oben angeführte Argumentarium.

Ganz offensichtlich muss die Branche eine kulturelle Erneuerung anstreben, sonst werden auch künftig wenig Frauen kommen und sehr wahrscheinlich noch weniger bleiben. Das ist den Fluggesellschaften durchaus bewusst – zahlreiche Karriereprogramme wurden ins Leben gerufen, um mehr Frauen für die Luftfahrt zu begeistern. Lufthansa etwa möchte mit diesen Initiativen den Frauenanteil in Führungspositionen in den nächsten Jahren um 30 Prozent steigern. Möge die Übung gelingen. Denn jene Frauen, die bei Sprüchen wie "Wenn Gott gewollt hätte, dass Frauen fliegen, hätte er den Himmel rosarot gemacht" auf Durchzug stellen können, gewinnen ihrem Beruf sehr viele positive Seiten ab. (red, derStandard.at, 08.01.2014)

  • Fluglinien suchen nach weiblichen Fach- und Führungskräften. Ein wenig frischer Wind täte der männerdominierten Branche gut.
    foto: istock

    Fluglinien suchen nach weiblichen Fach- und Führungskräften. Ein wenig frischer Wind täte der männerdominierten Branche gut.

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