Symptombekämpfung: Mit künstlichem Regen gegen Chinas Smogproblem

14. Jänner 2014, 11:56
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Bewässerungsanlagen auf Hochhäusern und Flugzeug-Sprüheinsätze könnten dem Problem entgegenwirken - kurzfristig

Peking - China hat ein gewaltiges Smogproblem. Parallel zum rasanten Wirtschaftswachstum nimmt die Luftverschmutzung in chinesischen Großstädten seit Jahrzehnten dramatisch zu. Regelmäßig werden neue Smoghöchstwerte gemessen, für die Bevölkerung gehören behördliche Warnungen vor Aktivitäten im Freien zur Normalität. Vor allem Kohlkraftwerke, Schwerindustrie, Verkehr aber auch Heizungen privater Haushalte verursachen große Mengen an Luftschadstoffen. Bisher mangelnde Umweltauflagen werden zwar nach und nach verschärft, bis sie Wirkung zeigen, wird es aber noch dauern.

Bewässerungssysteme für die Atmosphäre

Die Idee, dem Problem kurzfristig mit künstlichem Regen beizukommen, gibt es schon länger: Durch das Versprühen von Wasser in die Atmosphäre über Sprinkleranlagen auf Hochhäusern und mittels Löschflugzeugen bzw. durch sogenanntes "Cloud Seeding" können atmosphärische Niederschläge simuliert werden, die kurzfristig Schadstoffe aus der Luft binden und entfernen sollen. Beim "Cloud Seeding" werden spezielle Flugzeuge eingesetzt, die ein Silberiodid-Aceton-Gemisch in Wolken versprühen und diese dadurch unter bestimmten Voraussetzungen zum abregnen bringen können.

Der Geophysiker Shaocai Yu von der Zhejiang University in China und der North Carolina State University in den USA untersuchte nun, wie effektiv derartige Maßnahmen die Feinstaubbelastung senken und damit die Entstehung von Smog unterbinden können. Im Fachblatt "Environmental Chemistry Letters" veröffentlichte er seine Ergebnisse.

Tägliche Anwendung

Der Wissenschafter prognostiziert, dass der künstliche Regen die Feinstaubbelastung in der Atmosphäre innerhalb kurzer Zeit auf ein Niveau von 35 Mikrogramm pro Kubikmeter reduzieren könnte. Um dieses Niveau zu halten und die Bildung von Smog und Dunst zu verhindern, müssten die Maßnahmen allerdings täglich angewendet werden. Durch die Entwicklung von Recycling-Bewässerungssystemen, die das versprühte Wasser wieder auffangen und wiederverwendbar machen sollen, könnten Engpässe in der Wasserversorgung verhindert und Umweltfreundlichkeit gewährleistet werden, glaubt Yu.

"Durch die genaue Analyse der Bedingungen einzelner Stadtteile im Vorfeld könnte diese Geoengineering-Technik einen umweltfreundlichen Ansatz ohne große Nebeneffekte darstellen", sagt Yu. Die notwendigen technischen Voraussetzungen seien im Grunde bereits vorhanden, der finanzielle Aufwand sei gegenüber dem Nutzen gering, so Yu. Der Forscher testet dies in der Provinzhauptstadt Hángzhōu nun in der Praxis. (dare, derStandard.at, 13.1.2014)

  • Schanghai unter der Dunstglocke: Aufnahme vom November 2013.
    foto: reuters

    Schanghai unter der Dunstglocke: Aufnahme vom November 2013.

  • Eine Aufnahme des NASA-Satelliten Terra vom Dezember 2013 zeigt die massive Luftverschmutzung.
    foto: nasa

    Eine Aufnahme des NASA-Satelliten Terra vom Dezember 2013 zeigt die massive Luftverschmutzung.

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