HSV: Verbindlichkeiten von 100 Millionen Euro

8. Jänner 2014, 12:52
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Präsident Carl Jarchow versucht zu beruhigen: "Völliger Unsinn, daraus zu schlussfolgern, wir stünden vor Zahlungsunfähigkeit"

Hamburg - 100 Millionen Euro Verbindlichkeiten - die Finanzkrise beim deutschen Bundesligisten Hamburger SV hat Dimensionen erreicht, die man in der Hansestadt sonst nur vom Bau der Elbphilharmonie kennt. Wenige Tage vor der richtungweisenden Mitgliederversammlung am 19. Januar sorgen die neuen Zahlen im Norden für helle Aufregung. Während der Klub in seinen Schulden zu versinken droht, bietet sich der streitbare Investor Klaus-Michael Kühne erneut als Retter an.

Eine überteuerte Mannschaft, neue Schulden bei der Bank und die sportliche Erfolglosigkeit der vergangenen Jahre: Zum Ende des Geschäftsjahres weist die HSV-Bilanz nach übereinstimmenden Berichten Verbindlichkeiten in Höhe von 99,6 Millionen Euro aus. Doch ungeachtet der Negativzahlen der letzten Jahre (2010/11: 4,9 Millionen Euro Minus, 2011/12: 6,6 Millionen Euro Minus, 2012/13: 9,8 Millionen Euro Minus) streben die Vereinsverantwortlichen für das aktuelle Geschäftsjahr nach wie vor die schwarze Null an. Die Liquidität sei gesichert, Auflagen habe der Verein im Lizenzierungsverfahren der DFL nicht erhalten.

Lizenz ohne Auflagen

Und dennoch hat Vorstandschef Carl Jarchow zurzeit alle Hände voll zu tun, die aufgebrachten Gemüter zu beruhigen. "Es ist aber völliger Unsinn, daraus zu schlussfolgern, wir stünden vor der Zahlungsunfähigkeit. Die Finanzlage ist so, dass wir unserer Maßgabe folgen und in den nächsten Jahren ein ausgeglichenes Ergebnis schaffen müssen", sagte Präsident Carl Jarchow. "Wir haben schließlich die Lizenz ohne Auflagen erhalten. Andere Mannschaften, beispielsweise Schalke 04, haben höhere Verbindlichkeiten als wir."

Und doch machen sich viele Fans und Beobachter große Sorgen um den Bundesliga-Dino. Die Zahlen sind alarmierend. Große Teile der Fan-Anleihe in Höhe von 17,5 Millionen Euro für den Bau eines Nachwuchszentrums wurden angeblich bereits zum Stopfen der Löcher benutzt, zudem soll Vermarkter Sportfive als Gegenleistung für die Vertragsverlängerung auf die Rückzahlung eines Darlehens in Höhe von 12,4 Millionen Euro verzichtet haben.

Hohe Gehaltskosten, fehlende Europacupeinnahmen

Die Finanzkrise ist hausgemacht. Viermal in Folge verpassten die Hamburger zuletzt die Qualifikation für den Europacup - und damit dringend benötigte Zusatzeinnahmen, um ihren Luxuskader zu finanzieren. Die momentanen Gehaltskosten liegen mit kolportierten 45 Millionen Euro deutlich höher als angestrebt (40). "Das ist unser Hauptproblem", sagte Jarchow. Ladenhüter wie Robert Tesche, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic und Gojko Kacar sind noch immer nicht verkauft.

Finanzielle Unterstützungsmöglichkeit

In größter Not hat nun erneut Edelfan Kühne seine Unterstützung angeboten. Seine finanzielle Hilfe knüpft der schwerreiche Logistik-Unternehmer, der mit seinen Millionen bereits den Transfer von Rafael van der Vaart im Spätsommer 2012 maßgeblich mitfinanzierte, allerdings an die Bedingung, dass die Strukturreform "HSVPlus - Aufstellen für Europa" umgesetzt wird. Die Initiative des ehemaligen HSV-Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff, die die Umwandlung der Profi-Abteilung in eine Aktiengesellschaft vorsieht, bezeichnet Kühne als "beste Alternative zur bisherigen Vereinsstruktur".

Die erste Hürde für eine mögliche Strukturreform könnte am 19. Januar genommen werden. Eine einfache Mehrheit reicht, um den Vorstand zu beauftragen, die gewählte Reform vorzubereiten. Insgesamt gibt es fünf verschiedene Initiativen, die um die Gunst der Vereinsmitglieder werben. Das sind neben "HSVPlus" die Konzepte "HSV - Zukunft mit Tradition", "HSV-Reform", "Rautenherz" und die Errichtung einer Stiftung.  (sid, 8.1.2014)

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