Arbeitslosenrate bis 2015 auf Rekordniveau

8. Jänner 2014, 11:21
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Wiewohl Österreichs Arbeitsmarkt im EU-Vergleich die niedrigste Quote aufweist, ist in nächster Zeit keine nationale Besserung in Sicht

Wien - Die nationale Arbeitslosenquote soll heuer von 7,6 Prozent im Jahr 2013 auf acht Prozent steigen und 2015 auf diesem Rekordniveau verharren. Bei den vorgemerkten Arbeitslosen wird ein Anstieg von 287.000 auf 307.000 erwartet. Dazu kommen noch mehr als 70.000 Personen in AMS-Schulungen. "Die Regierung kann heuer nicht mehr wahnsinnig viel dagegen machen", sagte AMS-Vorstand Johannes Kopf.

Viele Fragen bleiben offen

Die Arbeitslosenquote nach nationaler Definition wird damit auf dem höchsten Stand seit dem Jahr 1953 (8,7 Prozent) liegen. Gleichzeitig hat Österreich die niedrigste Arbeitslosenrate im EU-Vergleich. Am ehesten könnte die Bundesregierung heuer noch etwas im Baubereich tun, wenn sie es sich leisten kann, so Kopf. Ein großes Fragezeichen sieht der AMS-Vorstand bei den ehemaligen Beschäftigten des insolventen Baukonzerns Alpine, die nahezu alle von anderen Bauunternehmen übernommen wurden. "Wir haben momentan kein Alpine-Problem. Was passiert aber im Frühjahr, wenn die Baustellen wieder aufsperren?" Derzeit sei es noch offen, ob die Baukonjunktur anziehe und die 5.000 ehemaligen Alpine-Beschäftigten weiterhin einen Job haben werden.

Lobende Worte fand Kopf für die im Regierungsprogramm vorgesehene Ausbildungsgarantie bis 18 Jahre. Derzeit würden rund 10.000 Jugendliche jedes Jahrgangs über keine Ausbildung verfügen, die über den Pflichtschulabschluss hinausgeht. Die Ausbildungsgarantie werde sich mittel- bis langfristig positiv am Arbeitsmarkt auswirken, aber 2014 "gar nichts bringen". Die wichtigste Aufgabe des Arbeitsmarktservice sieht der AMS-Vorstand weiterhin darin, Langzeitarbeitslosigkeit zu verhindern. Rund 25 Prozent der Arbeitslosen in Österreich seien Langzeitarbeitslose, in Deutschland mit rund 45 Prozent deutlich mehr.

"Der leichte konjunkturelle Aufschwung kann in den Jahren 2014 und 2015 noch zu keiner nennenswerten Entspannung am österreichischen Arbeitsmarkt führen", schreibt das Forschungsinstitut Synthesis in seiner Arbeitsmarktprognose für das AMS. Der Druck bleibe einerseits durch die anhaltend expansive Zunahme des Arbeitskräfteangebots (2014: +54.000; 2015: +40.400) erhalten, andererseits steige die Nachfrage von Unternehmen nach zusätzlichen Arbeitskräften weniger stark als die Zunahme des Arbeitskräfteangebots. Mehr Menschen - vor allem Frauen und ältere Arbeitnehmer - würden in Österreich ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen, und außerdem halte "die Europäisierung des österreichischen Arbeitsmarktes an", so die Arbeitsmarktforscher.

AMS-Vorstand Kopf erwartet sich heuer durch ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum eine Zunahme der offenen Stellen und damit eine "etwas leichtere Situation" für Arbeitslose. Es gebe noch keinen Grund für Optimismus, aber eine Trendwende ab Mitte 2015 sei möglich.

Rote Laterne für Griechenland

Rund 19,24 Millionen Männer und Frauen in der Eurozone hatten im November keinen Job, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Das waren rund 4.000 mehr als im Oktober und 452.000 mehr als vor Jahresfrist. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote verharrte wie im Vormonat auf dem Rekordwert von 12,1 Prozent.

Das Währungsgebiet hat im vorigen Frühjahr die Rezession hinter sich gelassen, schaffte im dritten Quartal 2013 jedoch nur ein Miniwachstum. In Italien stieg die Arbeitslosigkeit im November auf die Rekordmarke von 12,7 Prozent. Auch die Jugendarbeitslosigkeit erreichte mit 41,6 Prozent einen Höchstwert. Die niedrigste Arbeitslosenrate in den Staaten des Währungsgebiets weist Österreich mit 4,8 Prozent aus, dicht gefolgt von Deutschland mit 5,2 Prozent und Luxemburg mit 6,1 Prozent. Griechenland hält mit 27,4 Prozent (im September) die rote Laterne. Fast genauso düster sieht es auf dem Jobmarkt in Spanien mit einer Arbeitslosenquote von 26,7 Prozent aus. (APA, 8.1.2014)

  • Der heimische Arbeitsmarkt findet auch heuer noch nicht in die Spur zurück.
    foto: ap/kerstin joensson

    Der heimische Arbeitsmarkt findet auch heuer noch nicht in die Spur zurück.

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    grafik: apa
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