Toter Botschafter: Prag irritiert

7. Jänner 2014, 22:56
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Tschechisches Außenministerium fordert Erklärung zu Waffenfunden

Der Tod des palästinensischen Botschafters Jamal al-Jamal in Prag, der die tschechischen Ermittler weiterhin vor Rätsel stellt, sorgt auch außenpolitisch für Aufregung: Die Ursache der Explosion, bei der der Diplomat am Neujahrstag in seiner Residenz ums Leben gekommen war, blieb zunächst ebenso unklar wie die Herkunft der Waffen, die anschließend bei der Durchsuchung des Gebäudes gefunden wurden. Laut Polizeipräsident Martin Červíček wurden in den Räumlichkeiten der Botschaft zwölf Schusswaffen sichergestellt.

Das tschechische Außenministerium sprach von einer "groben Verletzung des Wiener Übereinkommens über diplomatische Beziehungen"  und forderte Aufklärung: "Wir erwarten, dass die palästinensische Seite die Situation rund um die Waffenfunde in ihrer Vertretung klar und eindeutig erklärt" , sagte eine Ministeriumssprecherin.

Der stellvertretende palästinensische Außenminister bestreitet laut Angaben der Nachrichtenagentur AP, dass die Waffen illegal in die Residenz gelangt seien. Sie seien bereits zu Zeiten des kommunistischen Regimes in die damalige Tschechoslowakei gebracht worden und "hatten entweder eine Genehmigung, oder es handelte sich um Geschenke für den Botschafter" .

Weniger gelassen sieht die Angelegenheit der ehemalige tschechische Generalstabschef Jiří Šedivý: "Vielleicht haben wir es hier mit einem gut organisierten Distributionsnetz zu tun, das unter dem Schutz der Diplomatie Waffen und Sprengstoff an bestimmte Adressaten verteilt" , erklärte der Sicherheitsexperte gegenüber dem Onlinenachrichtendienst aktuálně.cz.

Die Explosion soll ausgelöst worden sein, als Botschafter Jamal al-Jamal einen Safe öffnen wollte. Der 56-Jährige wurde schwer ­verletzt ins Prager Militärkrankenhaus gebracht, wo er kurz danach starb. Von einem Anschlag geht die Polizei nicht aus, die Behörden ermitteln wegen fahrlässiger Tötung und unerlaubtem Waffenbesitz.

Für Unbehagen sorgte der Vorfall auch in der unmittelbaren Umgebung der Residenz im Prager Außenbezirk Suchdol. Die Bezirksvertretung forderte das tschechische Außenministerium auf, sich gegen die geplante Ansiedlung von Büros der palästinensischen Botschaft in Suchdol einzusetzen. Bisher ist auf dem Gelände lediglich die Wohnresidenz untergebracht, die der Botschafter erst wenige Tage vor dem Unglück bezogen hatte.

Die sterblichen Überreste von Jamal al-Jamal wurden am Montag in seine Heimat überführt. Die Beisetzung soll heute, Mittwoch, bei Ramallah stattfinden.  (Gerald Schubert aus Prag /DER STANDARD, 8.1.2014)

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