Al-Kaida-Terroristen im Irak verschanzt

7. Jänner 2014, 21:35
14 Postings

Falluja von irakischem Militär umzingelt

Bagdad/Damaskus - In Syrien drängen die Rebellen mit ihrer Offensive die islamistische Terrorgruppe ISIS, mit der sie teils Seite an Seite kämpften, weiter zurück. Dagegen leistet die Al-Kaida-nahe Terrororganisation im Irak weiter erbitterten Widerstand.

In der Provinz Al-Anbar im Westen des Irak haben sich die Terroristen eine Woche nach ihrem überraschenden Einmarsch in mehreren Ortschaften verschanzt. Ziel der Gruppe Islamischer Staat im Irak und in der Levante (ISIS) ist die Gründung eines sunnitischen Gottesstaates.

Die irakische Armee hat am Dienstag im Kampf gegen die Extremisten Panzer rings um die Stadt Falluja in Stellung gebracht. In der Stadt forderten Politiker die islamistischen Kämpfer auf, Falluja zu verlassen, um einen Angriff der Soldaten abzuwenden: Ministerpräsident Nuri al-Maliki hat Sicherheitskreisen und Stammesführern zufolge der Bevölkerung Zeit gegeben, die sunnitischen Extremisten selbst zu vertreiben - ansonsten drohe eine Militäroperation. Unklar ist allerdings, wie lange die Armee mit ihrem Sturm auf Falluja warten wird.

"Endlose Gewalt"

"Wenn die Armee wegen einer Handvoll Al-Kaida-Leuten Falluja angreift, dann wird das endlose Gewalt heraufbeschwören", warnte ein sunnitischer Stammesführer. "Unsere Botschaft an die Regierung ist klar: Kämpft weiter gegen Al-Kaida außerhalb Fallujas, und wir kümmern uns darum hier in der Stadt."

Die ISIS-Kämpfer hatten vergangene Woche Polizeiwachen in Falluja und Ramadi gestürmt und sich verschanzt. Beide Städte liegen in der überwiegend von Sunniten bewohnten Provinz Anbar, die an das Bürgerkriegsland Syrien grenzt und in weiten Teilen von der ISIS kontrolliert wird. Die Extremistengruppe ist im vergangenen Jahr aus dem Zusammenschluss des irakischen und des syrischen Al-Kaida-Flügels hervorgegangen. Sowohl ISIS als auch die sunnitische Bevölkerungsminderheit in der Region lehnen die von Schiiten dominierte Regierung Malikis in Bagdad ab.

Brücke gesprengt

ISIS-Terroristen stürmten am Dienstag das Dorf Kartan östlich von Ramadi. Dort sprengten die Dorfbewohner eine Brücke, um ein Vordringen der Terroristen in benachbarte Dörfer zu verhindern, wie die Nachrichtenagentur Sumeria News meldete. In der Provinzhauptstadt Ramadi hätten Stammeskämpfer und Polizisten fünf ISIS-Kämpfer getötet und zwei weitere Angehörige der Gruppe festgenommen, hieß es. In einigen Vierteln im Süden der Stadt hielten sich weiterhin bewaffnete Terroristen auf. Das irakische Militär teilte mit, es habe den Terroristen in Ramadi am Dienstag mit einem Luftangriff den Nachschubweg abgeschnitten.

Die ISIS-Terroristen hatten ihre Basis bis vor einem Jahr im Irak. Im Windschatten der Rebellen hatten sie 2013 in mehreren syrischen Ortschaften die Kontrolle übernommen, aus denen sich die Regierungstruppen zurückgezogen hatten.

Dort sind sie derzeit weiter unter Druck. Rebellenbrigaden überrannten in der Provinz Al-Raqqa weitere Stützpunkte der Terrorgruppe. Das berichtete ein Aktivist aus der Provinz. Seinen Informationen zufolge kamen bei Gefechten zwischen den Rebellen und ISIS seit dem vergangenen Wochenende in Al-Raqqa 28 Menschen ums Leben. Er sagte: "ISIS hat jetzt nur noch zwei Stützpunkte, das Gouverneursgebäude und das Gebäude der Staatssicherheit."

Der Chef der islamistischen Al-Nusra-Front rief zu einem Ende der Kämpfe zwischen anderen Rebellen und den Jihadististen der ISIS in Syrien auf. Vorrang müsse der "Kampf gegen das Regime" von Bashar al-Assad haben, erklärte Abu Mohammed al-Golani in einer Audiobotschaft, die am Dienstag im Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlicht wurde. Ziel sei die Vereinbarung einer Waffenruhe. Golani schlug vor, ein unabhängiges islamisches Komitee zur Vermittlung zwischen den rivalisierenden, oppositionellen Kampfgruppen zu gründen. Zudem solle ein Gefangenenaustausch organisiert werden.

Mehrere Rebellengruppen hatten in den vergangenen Tagen eine Offensive gegen die ISIS gestartet. Seit dem Ausbruch der Kämpfe am Freitag wurden nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 274 Menschen getötet, unter ihnen 46 Zivilisten. Die Al-Nusra-Front ist wie die ISIS mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbündet, gilt aber als "gemäßigter". Sie schloss sich vielerorts dem Kampf anderer Rebellengruppen gegen die ISIS an.

Die ISIS-Kämpfer, von denen viele aus dem Irak und anderen Ländern stammen, waren bei den syrischen Aufständischen im Kampf gegen die Regierung von Assad zunächst willkommen, weil sie gut organisiert, gut bewaffnet und kampferfahren sind. Inzwischen werfen mehrere Rebellengruppen der ISIS jedoch vor, in den von ihr kontrollierten Gebieten ein Terrorregime zu errichten und gewaltsam gegen rivalisierende Rebellen vorzugehen.

Die regimekritische syrische Website "Zaman al-Wasl" meldete, in ISIS-Stützpunkten in Aleppo, die von Rebellen erobert worden seien, habe man Leichen von Journalisten und Medienaktivisten gefunden. Eine Rebellenbrigade tötete nach Angaben der Organisation Syrischer Menschenrechtsbeobachter in der Ortschaft Jabal al-Zawiya (Provinz Idlib) in den vergangenen Tagen 34 islamistische Terroristen. Bei den Getöteten soll es sich um Mitglieder der Terrorgruppe ISIS handeln, sowie um einige Kämpfer der Gruppe Soldaten von Al-Aksa.

In der nordirakischen Provinz Salaheddin tötete die Polizei unterdessen nach eigenen Angaben einen Selbstmordattentäter, bevor er sich vor der Zolldirektion in die Luft sprengen konnte. In der Stadt Kirkuk riss ein Selbstmordattentäter in der Nähe einer Polizeistation drei Menschen mit in den Tod. 66 Menschen wurden verletzt. (APA, 7.1.2014)

Share if you care.