Flick-Stiftung forderte Garantie

7. Jänner 2014, 18:50
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Hypo-Vorzugsaktien nur gegen Rücknahmeversprechen

Klagenfurt - Neues Jahr, alter Prozess: Am Dienstag ist das Untreueverfahren gegen vier Exchefs der Hypo Alpe Adria Bank - Josef Kircher, Wolfgang Kulterer, Siegfried Grigg und Tilo Berlin - und die Flick Privatstiftung am Landesgericht Klagenfurt fortgesetzt worden. Zeuge war, unter anderem, Jörg-Andreas Lohr, der beim Vorzugsaktiengeschäft 2006 Vorstandsvorsitzender der Flick-Privatstiftung war.

Lohr erklärte, die Vorzugsaktien als mögliches Investment seien von Kulterer an ihn herangetragen worden, in weiterer Folge habe sich Kulterer jedoch sehr zurückgehalten. Sowohl Milliardärin Ingrid Flick als auch die Flick-Privatstiftung hatten Aktien der Hypo Leasing Holding gekauft. Die Verhandlungen mit der Hypo seien über Anwalt Alexander Klaus - damals ebenfalls im Vorstand der Flick-Privatstiftung - gelaufen. Der Aktienkauf sei "zum damaligen Zeitpunkt ein marktübliches Geschäft" gewesen.

Lohr, der im Herbst 2011 aus dem Stiftungsvorstand austrat, erzählte auch, dass Ingrid Flick nach einem Gespräch mit Kulterer die Aktien habe zeichnen wollen. Ob dieses Investment ein Freundschaftsdienst von Flick gewesen sei, fragte Richter Christian Liebhauser-Karl. Er sei bei diesem Gespräch nicht dabei gewesen, antwortete Lohr. Jedenfalls sei Kulterer danach aktiv nicht mehr eingebunden gewesen und er habe ihn bis zur Zeichnung der Papiere nicht mehr gesehen.

Weiters sagte der Zeuge aus, man hätte die Papiere ohne eine Put-Option nicht gekauft - dieses Risiko eines illiquiden Investments wäre man nicht eingegangen. Daher habe er die Forderung nach dieser Rücknahmegarantie gestellt. Formuliert habe die Put-Option Rechtsanwalt Klaus, der zu diesem Zeitpunkt auch Hypo-Anwalt gewesen ist.

Lohr bestätigte auch, mit Berlin vor der Abwicklung einer zweiten Aktientranche (im Jahr 2008) am Telefon über die Put-Option gesprochen zu haben. Er präsentierte dazu eine Aktennotiz, wie er sie in aller Regel "unmittelbar nach Telefonaten" anlege, wie Lohr erklärte. An den genauen Wortlaut des Gesprächs könne er sich nicht erinnern, aber der Inhalt sei diese Rücknahmegarantie gewesen. Kontaktiert habe er Berlin, weil er zuvor von Klaus und Kulterer die Auskunft erhalten habe, dass es für die zweite Aktientranche keine Put-Option geben sollte.

Warnung vor Nebenabrede

Nach Lohr war Wirtschaftsprüfer Michael Vertneg von Deloitte als Zeuge an der Reihe. Er habe auf Anfrage der Hypo International ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es keine Nebenabreden geben dürfe, die die Bank verpflichten würden, die Aktien zurückzunehmen. Nur in dem Fall dürfe nämlich der Aktienerlös zu den Eigenmitten gerechnet werden.

Daraufhin sei ihm von der Bank versichert worden, dass es keine solchen Sondervereinbarungen gebe. Eine inhaltlich ähnlich lautende Zeugenaussage hatte vor ihm, im Dezember, bereits ein Mitarbeiter von Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers (PwC) gemacht. (APA, DER STANDARD; 8.1.2013)

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