Hypo-Gutachter sehen Basis für Kaufanfechtung

7. Jänner 2014, 18:16
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Höherer Wertberichtigungsbedarf unter Bayern - Bank will weitere Expertisen

Wien - Die staatliche Hypo Alpe Adria und der Umgang der Republik mit ihr werden noch etliche Gutachter beschäftigen. Erst kurz vor Jahreswechsel wurden jene zwei Expertisen fertiggestellt, auf deren Basis die Bankaktionärin Republik entscheiden will, ob sie den Kaufvertrag mit den Bayern wegen Irrtums anfechten soll. Die Linzer Beratergesellschaft AKKT hat in ihrem Gutachten rund 20 Kredite unter die Lupe genommen und auf etwaigen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf abgeklopft. Der Grazer Wirtschaftsprüfer Fritz Kleiner wiederum hat (unter demselben Blickwinkel) die Hypo-Leasingtöchter in Südosteuropa und ihre Refinanzierung bei der österreichischen Mutter Hypo analysiert.

Beide Gutachter sind laut Recherchen des Standard zur Einsicht gelangt, dass die Bayern, denen die Hypo ja gehörte, schon damals höhere Wertberichtigungen machen bzw. vom höheren Wertberichtigungsbedarf wissen hätten müssen. Allein aus dem Gutachten Kleiners soll sich ein zusätzlicher Wertberichtigungsbedarf von rund drei Milliarden Euro ergeben. Zur Erinnerung: Bei der Notverstaatlichung war man aufgrund der Angaben des damaligen Hypochefs Franz Pinkl von einem zusätzlichen Kapitalbedarf von zwei Mrd. Euro ausgegangen.

Bis zu einer Entscheidung, ob die Republik den Verstaatlichungsvertrag von Ende 2009 daher tatsächlich anficht, wird es aber noch dauern. Zum einen haben die Bayern ja noch kurz vor Weihnachten ihren Verjährungsverzicht von Ende 2013 auf Ende 2014 verlängert - und zum anderen will die Bank nun weitere Gutachten in Auftrag geben. "Die jetzt angelieferten Gutachten werden sicher noch vertieft werden. Es ist daher durchaus möglich, dass die Bank nun weitere Expertisen einholt", sagt ein Banker.

Höherer Eigenkapitalbedarf

Konkret geht es darum, aus dem Zahlenmaterial der beiden Gutachter den konkreten Eigenkapitalbedarf zu errechnen bzw. zu konkretisieren. Dafür sollen auch noch weitere Kreditfälle analysiert werden, die die Hypo vor der Verstaatlichung vergeben hat.

Sinn und Zweck der kostspieligen Aktion (die Bank ist Auftraggeberin der Gutachten und sie bezahlt sie daher auch): Man möchte die Basis für eine etwaige gerichtliche Irrtumsanfechtung wasserdicht machen. Ob die Wirtschaftsprüfer der Hypo (bis 2009 hat Deloitte die Bank geprüft und ihre Bilanz testiert, danach Ernst & Young) zu den Zahlen von AKKT und Kleiner bereits befragt wurden, ist nicht überliefert.

Per Aufsichtsratsprotokollen sehr wohl überliefert ist, dass die Bayern-Berater PwC bereits im Sommer 2009 hohe Ausfallsrisiken in den Leasingtöchtern der Hypo errechnet haben. Ihre "Gefährdungsanalyse" wurde auch den Bayern bekannt, denn sie war im September Thema im Hypo-Aufsichtsrat. Laut Sitzungsprotokoll vom 10. September war allerdings auch die österreichische Staatskommissärin der Bank anwesend, ebenso der Aufsichtskommissär des Landes Kärnten. Die Bankenaufsicht hat von dem Bericht über die drohenden Gefahren (damals) nichts erfahren. (Renate Graber, DER STANDARD, 8.1.2014)

  • Die Hypo will nun Gutachten zu den Gutachten für die Anfechtung des Kaufvertrags der Republik in Auftrag geben.
    foto: standard/maurer

    Die Hypo will nun Gutachten zu den Gutachten für die Anfechtung des Kaufvertrags der Republik in Auftrag geben.

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