Afrikanische Flüchtlinge in Israel: "Demografische Bombe"

Kommentar7. Jänner 2014, 17:54
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Eine Zukunft werden die meisten der afrikanischen Migranten in Israel kaum haben

Das Problem, das Israel mit afrikanischen Migranten hat, ist in Europa wohlbekannt. Aber Israel ist von der Geografie her in einer besonderen Lage: Es ist der einzige entwickelte Staat, der von Afrika aus direkt auf dem Landweg erreicht werden kann. Das hat Israel, obwohl der Weg durch die Sinai-Wüste beschwerlich und gefährlich ist, für Flüchtlinge aus Ostafrika jahrelang so attraktiv ­gemacht.

Israelische Politiker haben zwar regelmäßig vor einer "demografischen Bombe" gewarnt, dann aber in sträflicher Weise weggeschaut. In einer modernen Stadt wie Tel Aviv kann man nicht einfach Massen von "Luftmenschen" ohne Status und ohne Würde dahinleben lassen.

Umgekehrt gibt es aber auch keine Patentlösung. Mehr als 50.000 Migranten haben sich in Israel angesammelt – viel mehr, als das ohnehin durch hausgemachte demogra­fische Konflikte überlastete Land aufnehmen kann. Zum Vergleich: Israel hat fast genau so viele Einwohner wie Österreich, aber in Österreich gibt es jährlich nur rund 16.000 Asylanträge – und nur rund ein Fünftel davon wird positiv erledigt. Eine Zukunft werden die meisten der afrikanischen Migranten in Israel kaum haben.

Doch das Problem wäre entschärft, wenn sie bis zu ihrer Heimkehr wenigstens provisorische Arbeitsgenehmigungen hätten, um ihren Lebensunterhalt ehrlich verdienen zu können. (DER STANDARD, 8.1.2014)

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